Medienschau

"Sodass Trump wie Bernd das Brot aussieht"

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Externe dürften nicht mehr durchs Humboldt Forum führen, neues Kuratoriumsmitglied des British Museum will Parthenon-Fries behalten, Trump findet sein Porträt hässlich und bekommt ein neues von Putin: Das ist unsere Presseschau am Dienstag
 

Museen

Der "Tagesspiegel" beleuchtet die Debatte um die koloniale Aufarbeitung im Berliner Humboldt Forum und die Frage, wer in dem Haus Vermittlungsarbeit übernehmen darf. Bislang hat etwa Justice Mvemba, die im Kongo geboren und in Deutschland aufgewachsen ist, dekoloniale Touren durch das Museum angeboten - aber damit soll jetzt Schluss sein. "Externe gewerbliche Touren seien nach den aktuellen AGBs nur in Schlüterhof, Passage und weiteren Außenbereichen gestattet. Nicht aber in den Ausstellungsräumen. 'Dies gilt für alle externen Touren – es geht hier also nicht um die Inhalte der Dekolonialen Touren', so Pressesprecher Michael Mathis. Auch Führungen des Fördervereins habe man abgesagt." In den Berliner Museen gebe es hinsichtlich der Zulassung externer Führungen unterschiedliche Regelungen, schreibt Birgit Rieger. "Bei den anderen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin, zu denen organisatorisch auch das Ethnologische Museum gehört, wenngleich es im Humboldt Forum untergebracht ist, sind kommerzielle Fremdführungen nach vorheriger Anmeldung und gegen Entrichtung einer Gebühr von 50 Euro pro Gruppe möglich, sagt Pressereferent Timo Weißberg." Auch im Humboldt Forum will man demnächst die AGBs ändern und erwägt offenbar auch, externe Touren zu ermöglichen.

"The Art Newspaper" porträtiert Anastasia Bukhman, die russischstämmige Sammlerin und Mäzenin, die mit ihrer Bukhman Foundation der Londoner National Portrait Gallery eine Million Pfund gespendet hat. Das Geld wird über drei Jahre verteilt und dient dem Erwerb von Porträts lebender Personen. Die ersten beiden Werke, die gekauft wurden, sind "From Someone Else’s Fear Fantasy" von Sonia Boyce und "Souvenir 17 (Albert Edward, Prince of Wales)" von Hew Locke. Anastasia Bukhman, die ursprünglich aus der russsichen Stadt Wologda stammt und jetzt in London wohnt, kam erst spät zur Kunst, als sie mit ihrer Familie nach Europa zog. "Wir verließen Russland 2014, weil mein Mann sich unter dem Regime einfach nicht sicher fühlte", sagt sie. Das Unternehmen ihres Mannes Igor Bukhman und dessen Bruder Dimtri kappte im Oktober 2022 seine letzten Verbindungen zu Russland, schloss seine Büros und verlegte Hunderte von Mitarbeitern. Nach einem Kunstgeschichtskurs an der Sotheby's Institute begann Anastasia Bukhman, zeitgenössische Kunst zu sammeln, unter anderem Werke von Félix González-Torres, Bruce Nauman und Gerhard Richter. 

Unter den neuen Mitgliedern des Kuratoriums des British Museum befindet sich auch eine Historikerin, die sich gegen die Rückgabe von Teilen des Parthenon-Frieses ausspricht, berichtet der "Guardian". In ihrem Buch "Keeping Their Marbles" argumentiert Tiffany Jenkins, dass die Kunstwerke, die einst den Parthenon zierten, zu ihrem Schutz und zur Erhaltung ihrer historischen Bedeutung besser in London verbleiben sollten, statt nach Athen zurückgegeben zu werden. Als "Elgin Marbles" kennen die Menschen in Großbritannien den Kunstschatz, und der Name erklärt den Konflikt: Es war der britische Diplomat Lord Elgin, der Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Marmorplatten und -skulpturen des Parthenon-Frieses an der Akropolis abbauen und nach England bringen ließ. Dort verkaufte er sie 1816 an das British Museum. Aus griechischer Sicht aber hat Elgin die Friesteile gestohlen.

Architektur

Tausende Menschen demonstrieren in Belgrad gegen ein Bauprojekt des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, bei dem das 1999 von der Nato zerbombte Generalstabsgebäude abgerissen werden soll, wie serbische Medien berichteten. Zu der Kundgebung kam es am 26. Jahrestag des Beginns der Nato-Bombardierung der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien, die das Ziel hatte, die Verfolgung und Ermordung der Kosovo-Albaner durch das damalige Regime von Slobodan Milošević zu beenden. Für viele Serben hat diese Gebäuderuine historischen Wert. Sie erinnert sie an die für viele Bürger traumatischen Ereignisse, bei denen fehlgeleitete Luftangriffe auch serbische Zivilisten töteten. Die Gebäuderuine hatte bis November 2024 den offiziellen Status eines Baudenkmals. Dieser wurde ihr von der von Staatspräsident Aleksandar Vučić kontrollierten Regierung entzogen, um Kushners Bauprojekt zu ermöglichen. Dagegen klagten Vertreter der Demonstranten beim Verfassungsgericht, das darüber noch nicht entschieden hat. Kushners Unternehmen Affinity Global Development hat den Standort für 99 Jahre gepachtet und will dort ein Luxushotel mit Gewerbeflächen und mehr als 1.500 Wohneinheiten errichten. Es solle auch einen Gedenkkomplex zur Erinnerung an die Opfer der Nato-Bombardements enthalten, hieß es. Kushner zeigt seit einiger Zeit Interesse an Investitionen auf dem Balkan, darunter auch in Albanien. Seit dem Einsturz eines Vordachs an einem Bahnhof in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, kommt es in Serbien fast täglich zu Straßenprotesten. Das letzte Opfer dieses Unglücks, ein 19-Jähriger, erlag erst vor drei Tagen im Belgrader Militärkrankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die Demonstranten machen den Staat für dieses Unglück verantwortlich und fordern die Veröffentlichung aller Dokumente zur Renovierung des Bahnhofsdachs und die Bestrafung der Verantwortlichen.


Donald Trump & US-Kulturpolitik

US-Präsident Donald Trump hat die Entfernung seines Porträts aus dem Colorado State Capitol gefordert, da er es als "absichtlich verzerrt" empfindet, berichtet unter anderem das "New York Magazine". Das Ölgemälde von Künstlerin Sarah Boardman wurde 2019 enthüllt. Trump verglich das Bild auf seiner Plattform Truth Social mit Boardmans Porträt von Barack Obama, das er positiv bewertete. Nach Trumps Kritik haben die republikanischen Führer des Colorado State Legislature beschlossen, das Porträt zu entfernen und durch ein aktuelleres Bild zu ersetzen. "Die Malerin gibt den Kopf mit der charakteristischen hellblonden Fönfrisur im klassischen Dreiviertelporträt kantig kastenförmig, sodass Trump wie Bernd das Brot aussieht", schreibt Stefan Trinks in der "FAZ". "In einer langen Tradition, die Bob Ross in seiner Fernsehmalserie für seine glimmenden 'pseudosakralen Landschaften' nur wieder aufzugreifen brauchte, steht die Unsitte, den Konterfeiten wie christlichen Heiligen eine kreisrunde Aura um den Hinterkopf zu verleihen, die sich als beigefarbener Lichtschein der Auserwähltheit vom deutlich dunkleren Hintergrund absetzt. Das jedoch hat sicher nicht Trumps Unmut hervorgerufen, vielmehr die aufgedunsenen Gesichtszüge und insbesondere die dicken Backen, die Trump wie einen an Mumps erkrankten Jungen erscheinen lassen."

Vielleicht gefällt das Porträt, das der Kreml offenbar Trump geschenkt hat, besser: Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau vorige Woche ein nach Kremlangaben "absolut persönliches Geschenk" für seinen Amtskollegen Trump überreicht. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nicht, was genau Putin dem US-Präsidenten geschenkt habe. Witkoff hatte laut US-Medien erzählt, dass es sich um ein Porträt Trumps handelte, gemalt von einem prominenten russischen Künstler. Peskow sagte dazu, weil das Geschenk persönlich sei, gebe es keine weiteren offiziellen Informationen; es sei denn, Putin selbst äußere sich dazu. Der Kremlchef hatte in der Vergangenheit erklärt, dass er Trump bewundere.

US-Comedians gehören seit Jahren zu den stärksten - und witzigsten - Kritikern von Präsident Donald Trump. Nun trafen sich die Stars der Szene zur Gala eines Comedy-Preises ausgerechnet im Kennedy Center, dem nationalen Kulturzentrum des Landes, das Trump kürzlich unter seine Kontrolle brachte. Preisträger und TV-Ikone Conan O’Brien hielt dabei eine Rede, die nicht nur lustig war, wie die "New York Times" berichtet. "Twain war misstrauisch gegenüber Populismus, Hurrapatriotismus, Imperialismus, der Geldgier des Gilded Age und vor allem gegenüber jedem Ausdruck gedankenloser amerikanischer Macht oder Selbstherrlichkeit", sagte O’Brien in seiner Dankesansprache am Sonntagabend im Kennedy Center in der US-Hauptstadt Washington in offensichtlicher Anspielung auf die neue Führung im Weißen Haus. Im Vergleich mit anderen Komikern hält O’Brien sich mit direktem politischem Kommentar oftmals eher zurück. US-Präsident Donald Trump hatte das Kennedy Center kurz nach Amtsantritt unter seine Kontrolle gebracht. Er entließ mehrere Mitglieder des Kuratoriums, übernahm selbst den Vorsitz und machte den früheren US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, zum Präsidenten. Trump sprach von einem "goldenen Zeitalter der Kunst und Kultur". An die Mitarbeiter der renommierten Einrichtung gewandt sagte O'Brien am Sonntag weiter: "Ein besonderer Dank gilt all den wunderbaren Menschen, die seit Jahren hier im Kennedy Center arbeiten und sich Sorgen um die Zukunft machen. Mein ewiger Dank für ihre selbstlose Hingabe an die Künste." Doch auch die beißenden Witze über Trump und seine Regierung fehlten bei der Veranstaltung nicht. Late-Night-Größe Stephen Colbert brachte Chicken-Wings mit, betonte aber, dass es natürlich nur "rechte Flügel" seien. Zudem verkündete er der "New York Times" zufolge zwei neue Vorstandsmitglieder des Kennedy-Center: Den früheren syrischen Alleinherrscher Baschar al-Assad sowie den Fantasie-Schurken Skeletor. Komiker Will Ferrell scherzte derweil mit Blick auf Trumps teilweise Eindampfung des Regierungsapparates, er habe gar keine Zeit, bei der Gala zu sein, weil er "eigentlich das Bildungsministerium lahmlegen" müsse. Rednerinnen und Redner auf der Bühne witzelten immer wieder, dass dies wohl die letzte Verleihung des Preises in dem Zentrum sein werde. Das Kennedy Center, seine Mitarbeiter und Besucher gelten als überwiegend liberal. Trumps Übernahme der auch mit staatlichen Geldern geführten Institution wird als Teil des amerikanischen Kulturkampfes gesehen, in dem der konservative Trump versucht, sogenanntes woke Ideologie abzuschaffen. Damit meinen er und die amerikanische Rechte übertrieben politisch korrektes und moralisierendes Verhalten.

Das besondere Kunstwerk

Für das mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete 24-Stunden-Video "The Clock" hat Christian Marclay Filmszenen, in denen Uhren vorkommen, mit der Zeit des Zuschauers, also der Zeit vor Ort synchronisiert. Bis zum 25. Mai ist das Opus magnum des schweizerisch-amerikanischen Künstlers im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. Patrick Holzapfel war für den "Filmdienst" dort und empfiehlt vor allem die Morgenstunden: "Ich bin noch zu müde, um gleich zu begreifen, was sich auf der Leinwand abspielt, aber ich merke, dass es erheblich gemächlicher zugeht als am Abend zuvor, um Mitternacht beispielsweise, wenn Morde geschehen und Werwölfe auftauchen im Kino. Jetzt wirkt die Kinowelt sanft und friedlich. Ein wenig so, als würden auch die Filme langsam aus dem Grauen der Nacht erwachen. Erst ein Montage-Crescendo aus schrill läutenden Weckern durchbricht die Stille. Zwei bis drei Stunden werden fortan mit Weckern auf der Leinwand verbracht. Manche von ihnen werden wütend zerschlagen oder aus dem Fenster geschleudert, aber die Zeit schreitet trotzdem unerbittlich voran."