Mode-Rückblick

12 Outfits, die das Jahr 2021 geprägt haben

Die amerikanische Dichterin Amanda Gorman liest ein Gedicht vor während der 59. Amtseinführung des Präsidenten im US-Kapitol
Foto: dpa

Die amerikanische Dichterin Amanda Gorman bei der 59. Amtseinführung des Präsidenten im US-Kapitol

Auch in diesem Jahr verlor die Jogginghose im Corona-Home-Office nicht ihre Bedeutung. Doch es gab auch einige historische Fashion-Momente. Wir haben einen für jeden Monat ausgewählt
 

Januar - Bernie Sanders' Fäustlinge

Im Januar kam es zu einem vier Jahre lang herbeigesehnten Moment: der Amtseinführung von Joe Biden, der endlich seinen schlecht gekleideten Vorgänger ablösen sollte. Es war ein Zusammenkommen voller Hoffnung und Erleichterung, ein Neuanfang, beginnend vor dem Kapitol in Washington D.C. Das versprach auch die Kleiderwahl der Geladenen. Jung-Lyrikerin Amanda Gorman im gelben Mantel und mit gepolstertem roten Prada-Haarreifen, wie sie "The Hill We Climb" vorträgt, wird vermutlich in die Geschichtsbücher eingehen. Ebenso erinnerungswürdig: Kamala Harris Stieftochter Ella Emhoff im karierten Mantelkleid von Miu Miu, Lady Gaga in spektakulärer (kugelsicherer) Robe von Elsa Schiaparelli mit goldener Friedenstaube auf der Brust oder Kamala Harris selbst im lila Wollmantel des amerikanischen CFDA-Preisträgers Christopher John Rogers.

So waren alle voller farbiger Vorfreude, alle, bis auf einen. Irgendwo auf der Tribüne saß in einen Campingstuhl versunken der demokratische Senator Bernie Sanders, in einen khakifarbenen Funktions-Parka gepackt. Er wirkte so deplatziert wie seine Accessoire-Wahl: braungemusterte Strick-Fäustlinge, die seinen trotzig-befremdeten Anblick so treffend hervorhoben, dass sie sofort zum viralen Meme wurden - und so zum ersten Must-Have des Jahres.

Instant-Meme: Senator Bernie Sanders bei Joe Bidens Amtseinführung
Foto: dpa

Instant-Meme: Senator Bernie Sanders bei Joe Bidens Amtseinführung

 

Februar - Naomi Osakas Schmetterling

Das wohl lieblichste Accessoire 2021 wurde an der Tennisspielerin Naomi Osaka gesichtet, wenn auch nur ein paar Sekunden lang. Osaka, im dunkelblauen Nike-Ensemble und Diamant-Schmuck von Louis Vuitton (deren globale Marken-Botschafterin sie ist), spielte im Australian-Open-Match gegen den Tunesier Ons Jabeur, als plötzlich ein Schmetterling um sie herum flatterte. Er landete auf ihrer Hand, und sie unterbrach das Spiel, um sicherzugehen, dass ihr kleiner neuer Freund nicht vom Tennisball zermalmt würde.

Unbeirrt bewegte sich der Schmetterling dann auf Osakas Wange zu und nahm neben ihrer Nase Platz. Später setzte er sich auf Osakas Bein, als sie einen Aufschlag vorbereitete. Nachdem ein Fan sie von der Tribüne aus alarmiert hatte, brachte sie den Schmetterling sicher vom Platz und wurde dafür bejubelt, als hätte sie das Match gewonnen. Hatte sie dann etwas später auch.

 

März - Die satanischen Sneaker 

Das New Yorker Kunst-Kollektiv MSCHF ist bekannt für absurde, immer nur halb ernst gemeinte Innovationen: So droppte die Gruppe bereits eine Badebombe in Form eines Toasters, eine Gummihuhn-Bong und eine App für Aktieninvestitionen auf Basis des Sternzeichens auf seiner Website. Im März 2021 konnten auf ebenjener 666 Paar Schuhe für je 1018 Dollar erworben werden. Wer sich über den lächerlich hohen Preis wundert - der gehörte zum Konzept. Er bezieht sich auf Lukas 10:18, eine biblische Passage in der es heißt: "Ich sah wohl den Satanas vom Himmel fallen als einen Blitz". Auch die Außenseite der Sneaker ziert ein "Luke 10:18"-Schriftzug, an den Schnürsenkeln ist ein bronzener Anhänger in Form eines Pentagramms angebracht.

Bei den sogenannten "Satan Shoes" handelte es sich um ein Re-Design des Nike-Air-Max-97 Sneakers. Die Marke selbst hatte mit dem limitierten Drop jedoch nichts zu tun, wie sie kurz nach dem Launch verlauten ließ und die Verantwortlichen kurz darauf verklagte. Der teuflische Turnschuh entstand in Kollaboration mit dem Rapper Lil Nas X, der im Video zu seiner Single "Montero (Call Me By Your Name)" in einem Höllen-Szeanrio zu sehen ist. Der (neben dem Preis) höllischste Twist des Schuhs: Sechs MSCHF Mitarbeiter hatten Blut gespendet, das tropfenweise mit etwas Tinte zusammen in einer kleinen Luftblase innerhalb der Sohle eingelagert worden war. Die "Satan-Shoes" sind das Nachfolgeprodukt einer MSCHF-Kollektion von Jesus-Schuhen, die Weihwasser enthielten.

Der "Satan Shoe" vom Künstlerkollektiv MSCHF, der in Kollaboration mit Rapper Lil Nas X veröffentlicht wurde und einen Tropfen menschliches Blut enthalten soll
Foto: MSCHF

Der "Satan Shoe" vom Künstlerkollektiv MSCHF, der in Kollaboration mit Rapper Lil Nas X veröffentlicht wurde und einen Tropfen menschliches Blut enthalten soll


April - Hacking als High Fashion

Was passiert, wenn sich die beiden mächtigsten Modelabels der Welt miteinander kreuzen, ließ sich im April an Guccis "Aria"-Kollektion beobachten. "Hacking Lab" nannte Guccis Creative Director Alessandro Michele die zum Megahype einladende Fusion mit Demna Gvasalias Balenciaga. Die in einem 15-minutigen Video gezeigten 94 Looks streiften Guccis Geschichte von ihren florentinischen Anfängen bis zum aktuellen Michele-Universe und zitierten dabei immer wieder Balenciaga-eske Designs.

Omnipräsente Logo-Schriftzüge beider Marken dienten als einendes Element, das Capes, Taschen und Strumpfhosen dominierte. Die Re-Kontextualisierung der Giganten, eine komplexe Kleiderflut, ein Highlight unter vielen, die beide Modehäuser dieses Jahr präsentierten. Während der Couture-Woche im Juli zeigte Balenciaga bejubelt die erste Haute Couture-Kollektion seit 53 Jahren. Anfang Oktober präsentierte das französische Modehaus seine "Red Carpet Collection" an und mit den Simpsons, in einer zehnminütigen Folge der Kultserie.

Guccis Designs sieht man unterdessen vor allem an den Schauspielern des "House of Gucci"-Films, der seit Anfang Dezember in den Kinos läuft. Beide Luxusunternehmen verschieben zunehmend Grenzen zwischen Mode, Kultur und Technologie und entfernen sich so immer mehr von der einfach definierbaren Kategorie "Modemarke".



Mai - Queerer Glamrock beim ESC

Die italienische Glamrock-Band Maneskin begann ihre Karriere in Roms Fußgängerzone, in Röhrenjeans und "Chucks Converse" als niedliche Indierocker. Im Mai gewannen sie den Eurovision Songcontest in maßgeschneiderten, metallisch-roten Lederkostümen des italienischen Luxushauses Etro, und es war unerwarteterweise genau das, was man sehen wollte: Vier wunderschöne Italiener, die Jugend, Sex, Coolness und RocknRoll verkörpern, ihre Freiheit zelebrieren, einander ablecken und in Menschenmassen springen.

All das also, wonach man sich nach einem Jahr Pandemie verzehrt hatte. Maneskins Bühnenoutfits lassen gern freie Sicht auf sämtliche Tattoos, arbeiten mit Nippelstickern, Netz, Spitze und Korsettschnürungen. Damiano, Victoria, Ethan und Thomas sind eine neue Generation Rockband, die gepflegte High-Fashion-Version davon, mit schimmernder Haut, die sofort Gucci-Testimonial wird. Sie verbinden das zeitgeistige Verwischen von Geschlechterrollen mit lässigen Rockstar-Klischees, posten Nacktbilder, knutschen, strecken immer und überall die Zunge raus, schwören auf schwarzen Kajalstift und hatten auch schon ihren ersten kleinen Drogenskandal.

Von links: Gitarrist Ethan, Bassistin Victoria, Sänger Damiano und Gitarrist Thomas von der Band Maneskin nach dem Gewinn des Eurovision Song Contest (ESC) in Rotterdam
Foto: dpa

Von links: Gitarrist Ethan, Bassistin Victoria, Sänger Damiano und Gitarrist Thomas von der Band Maneskin nach dem Gewinn des Eurovision Song Contest (ESC) in Rotterdam


Juni - Bille Eilishs Latex-Traum

Typveränderungen, Schwangerschaften und krasser Gewichtsverlust werden klassischerweise auf Zeitschriften-Covern offenbart. Auch Singer-Songwriterin und Body-Positivity-Ikone Billie Eilish griff auf den Enthüllungstrick zurück und präsentierte auf dem Juni-Cover der britischen "Vogue" eine neue Version ihrer selbst. Lange assoziierte man die Sängerin mit einem giftgrünen Haaransatz im schwarzen Vokuhila und Logo-bedruckten Oversize-Ensembles, die jede körpereigene Silhouette verbargen.

Von dem in Rosa gehaltenen Titel blickte im Juni 2021 jedoch eine blond gelockte Billie im maßgeschneiderten Korsett-Bustier und hautengem Latex-Rock von Gucci herab. Die Arme in überlangen Latex-Handschuhen um den Körper drapiert, erinnerte Eilish an eine Gen-Z-Variante von Marilyn Monroe.

Neben solchen Transformationen hat sich auch das Bild der Aktivistin auf dem "Vogue"-Titel etabliert, und es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Bekannteste ihrer Art ihn zieren würde. Im August erschien die Klimamativistin Greta Thunberg auf der ersten skandinavischen Ausgabe, hatte ihren gelben Friesennerz gegen pastellfarbene Upcycle-Mode getauscht und strich dem isländischen Pferd Strengur über die Nüstern, mit dem sie sich das Cover teilte.

"Vogue"-Cover mit Sängerin Billie Eilish 
Foto: Courtesy Vogue

"Vogue"-Cover mit Sängerin Billie Eilish 


Juli - Ein Erdnussbutter-Kleid als politisches Statement

Am Abend vor Joe Bidens Amtseinführung trug Vizepräsidentin Kamala Harris einen kamelfarbenen Mantel des New Yorker Modelabels Pyer Moss und ließ die Google-Suche für das Modell um 734 Prozent in die Höhe schnellen. Der Designer hinter dem Label ist Kerby Jean-Raymond, eine der spannendsten Figuren zwischen Kunst, Mode und Aktivismus der Gegenwart.

Im Juli wurde er als erster afroamerikanischer Designer eingeladen, eine Kollektion bei der Paris Haute-Couture-Fashion-Week zu zeigen. In seinem "What U Iz" betitelten Debüt verwandelte Jean-Raymond Alltagsgegenstände in tragbare Designs - eine Ampel, ein Glas Erdnussbutter oder einen Campingstuhl. Objekte, die auf Schwarze Erfinderinnen und Erfinder zurückgehen, die in der amerikanischen Geschichte von der weißen Mehrheitsgesellschaft meist verdrängt und ignoriert wurden.

Das denkwürdige Erdnussbutter-Kleid war dabei eine Hommage an den Landwirt und Wissenschaftler George Washington Carver (1864-1943), der den Anbau der Erdnuss-Pflanze in den USA populär machte und sich etliche Verwendungen für sie überlegt hatte.

Entwurf aus der "What U Iz"-Kollektion des US-Labels Pyer Moss bei der Präsentation in der Villa Lewaro, einem 1917 von der afroamerikanischen Unternehmerin Madam C.J. Walker erbauten Anwesen bei New York
Foto: dpa

Entwurf aus der "What U Iz"-Kollektion des US-Labels Pyer Moss bei der Präsentation in der Villa Lewaro, einem 1917 von der afroamerikanischen Unternehmerin Madam C.J. Walker erbauten Anwesen bei New York


August - Die wahrscheinlich älteste Stilikone der Welt

Am 29. August wurde die Amerikanerin Iris Apfel 100 Jahre alt. Ihr Kommentar dazu: "Alles daran, 100 zu werden, ist fantastisch, aber ich glaube wirklich, dass ich immer noch der älteste Teenager der Welt bin". Iris Apfel ist die Frau mit der riesigen, runden Brille, dem knallroten Lippenstift und den gestapelt getragenen Ketten und Armbändern, die ihr Styling-Motto "Mehr ist mehr, und weniger ist langweilig feierlich auslebt.

Mit 11 kaufte sich Apfel ihre erste Brosche, für 65 US-Cent. Heute ist sie Besitzerin einer der größten Modeschmuck-Sammlungen der USA und seit einigen Jahren auch eine gefeierte Modeikone. Dies verdankt sie einer Ausstellung im Kostüminstitut des Metropolitan Museum of Art im Jahr 2005. Kurator Harold Koda hatte von ihrem enormen Fundus gehört, mehrere Zimmer voller Designer- und Flohmarkt-Funde in Apfels Wohnung in der Park Avenue. Er wählte 300 Kleidungsstücke und mehrere hundert Accessoires aus, die Ausstellung wurde ein Riesenerfolg und Apfel für ihren Stil so bekannt, dass sie sogar ein eigenes Emoticon bekommen hat. "Ich befolge keine Regeln, weil ich sie sowieso nur brechen würde," erklärte sie mal, und das klingt genau wie ein 100-jähriger Teenager.

Mode-Ikone Iris Apfel
Foto: dpa

Mode-Ikone Iris Apfel

 

September - Ein letzter großer Auftritt von Virgil Abloh

Im September war die Met-Gala zurück, nach einem Jahr Pause und mehreren Pandemie-bedingten Verschiebungen. Unter dem Motto "In America: A Lexicon of Fashion" präsentierten Schauspieler, Models und Popstars die Entwürfe der großen Modeschöpfer, mit denen sie den roten Teppich beschritten. Unter ihnen auch der Designer, Künstler, Architekt, Musiker und DJ Virgil Abloh - Kreativdirektor bei Louis Vuitton und Gründer des Modelabels Off White. Der Superstar der Branche und offensichtlich ein Multitalent.

Im weißen Anzug mit asymmetrischem Faltenrock, Statement-Sonnenbrille, Handschuhen und einem weißen Flausch-Hut im Hasenohren-Look posierte er auf den Treppen zum Metropolitan Museum. Auf seiner Brust prangte der babyblaue Schriftzug "Modernism", genau wie auf dem T-Shirt, das er später zur von ihm organisierten After-Show-Party trug. Das vermutlich noch exklusivere, sicherlich coolere Event nach der Met-Gala wurde spontan zu einer kleinen Virgil-Feier, als eine Stufentorte mit Action-Figuren und tausenden Wunderkerzen aufgetischt wurde, um den später im September stattfindenden Geburtstag des Designers zu feiern.

Nur zweieinhalb Monate später starb der 41-Jährige Abloh an den Folgen einer seltenen Krebserkrankung, die er nicht öffentlich gemacht hatte. Er wird in der Modebranche vermisst werden wie wohl kaum ein anderer.

Virgil Abloh im September 2021 bei der Benefizgala des Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York
Foto: dpa

Virgil Abloh im September 2021 bei der Benefizgala des Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York

 

Oktober - Die weißen Turnschuhe der Jungen Union 

Wenn der allgemeine Boomer beginnt, ein Produkt oder Projekt für sich zu entdecken, ist es meist auf dem Weg in den - Achtung Jugendwort des Jahres - Cringe. Ist selbst der bequeme, alte weiße Mann dazu bereit, vermeintliche Innovation in sein Leben zu lassen, ist deren Gegenwärtigkeit Vergangenheit, die Attraktivität sinkt gegen null. So war es bei "verrückten" Socken, Facebook und zuletzt dem weißen Sneaker zu beobachten. Nach seinem Relaunch 2014 ging es für Adidas klassischen "Stan Smith"-Turnschuh eine ganze Weile steil bergauf, bis er sich irgendwann als das Wardrobe-Statement von jung gebliebenen 50-Jährigen wiederfand. Seitdem rutschte er weiter ab in den Sneakerkonservatismus.

Der schneeweiße Sportschuh ist so mittlerweile ein token, der Zeitgeist versprechen soll, hinter dem sich jedoch veraltete, konservative Werte verbergen. Bestes Beispiel ist wohl der Parteitag der Jungen Union im Oktober. Nach der Niederlage der Christdemokraten bei der Bundestagswahl sollte hier eine Verjüngung und Neuorientierung angestoßen werden. Fast alle Anwesenden trugen Sneaker, sogar der Inzwischen-Parteivorsitzende der CDU und Linken-Schreck Friedrich Merz bekam Puma-Sneakers mit Deutschland-Details geschenkt. Philipp Schönfeld, JU-Kreisvorsitzender im Kreis Steinfurt, formulierte es so: "Wir akzeptieren, dass sich die Welt weiterentwickelt. Aber wir rennen nicht jedem Trend hinterher." Modisch ist die Junge Union jedenfalls viel zu spät dran.

Friedrich Merz (links), früherer CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, bedankt sich bei Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union (JU), für das Paar Sneaker, das er beim Auftakt des Deutschlandtages der Jungen Union in Münster bekam
Foto: dpa

Friedrich Merz (links), inzwischen CDU Parteichef, bedankt sich bei Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union (JU), für das Paar Sneaker, das er beim Auftakt des Deutschlandtages der Jungen Union in Münster bekam

 

November - Britney im #Free-Britney-Shirt

In den 2000ern ließ sich Britney Spears vieldokumentierter Absturz quasi in Echtzeit miterleben. 2008 dann wurde der Popstar in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen, ihr Vater Jamie als ihre dauerhafte rechtliche Betreuung ernannt und ihr jegliche Autonomie entzogen. Seitdem kämpften Anhänger der Sängerin für ihre Befreiung. Die Kampagne #FreeBritney begann als Hintergrundrauschen der Hardcore-Fans, wurde lange als Verschwörungstheorie abgetan, bis 2019 die Gerüchte um Britneys Gefangenschaft unignorierbar laut wurden.

Mitglieder der Bewegung versammelten sich zum Protest vor der City Hall von West Hollywood, mit Plakaten und im #FreeBritney-T-Shirt verlangten sie ihre Befreiung. Der Slogan wurde zum Symbol für eine Menschenrechts-Problematik. 2021 endlich klagte auch Spears selbst ihren Vater an, machte klar, dass sie sowohl in ihrem Privat- wie auch im Berufsleben keine Entscheidung hatte selber treffen dürfen und von ihren Eltern ausgebeutet worden war.

Im September wurde Jamie Spears nach 13 Jahren die Vormundschaft entzogen, am 12. November wurden alle Auflagen der Vormundschaft aufgehoben. Kurz vor dem finalen Urteil des Gerichts lud Spears Lebensgefährte Sam Asghari eine Instagram-Story der Sängerin hoch: Britney im #FreeBritney-T-Shirt, eine Hommage an alle, die geholfen hatten, das ihr widerfahrene Unrecht öffentlich zu machen.

Britney Spears und ihr Partner Sam Ashgari in "Free Britney"-Shirts
Foto: Sam Ashgari / via Instagram

Britney Spears und ihr Partner Sam Ashgari in "Free Britney"-Shirts


Dezember - Ein Kunst-Kollektiv als Fashion-Vorbild

Am 1.Dezember gewann das Array Collective aus Nordirland den renommierten britischen Turner-Preis. Das Werk des Kunstkollektivs zeige Humor, Ernsthaftigkeit und Schönheit und behandele wichtige soziale und politische Themen des Landes, so die Begründung der Jury. Das elfköpfige Kollektiv gründete sich 2016, es recherchiert für seine Kunst historisches Material über die nordirische Kultur und verwandelt dieses in künstlerische Installationen und Performances.

So entstehen Beispiele eines alternativen Zusammenlebens, in dem Nationalisten und repressive Wortführer aus dem politische Geschehen heraus gehalten werden. Stattdessen ist Platz für die LGBTQIA*-Community, Abtreibung und Gentrifizierung können frei diskutiert werden. Das Gruppenbild, das kurz nach der Bekanntgabe der Auszeichnung entstand, könnte eine ebensolche Gesellschaft abbilden, die befreit und ungestört vor sich hin lebt: Ein lila Pailletten-Jumpsuit wird zu gepunkteten Plateauschuhen kombiniert, eine Decke mit Federprint zum Umhang funktioniert, in der Mitte prangt ein Strickpullover mit Vogelprint, an der Seite ein fliederfarbenes Gewand zwischen Steppdecke und Disco-Look. Vier Kurzponies, drei Kinder und zwei AIDS-Schleifen haben es auch aufs Bild geschafft. Glücklich sehen sie aus, das vor allem.

Array Collective beim Turner-Preis 2021
Foto: Matt Alexander/PA/dpa

Array Collective beim Turner-Preis 2021