Kulturschecks für 18-Jährige

Das beste Geschenk, das man Jugendlichen machen kann

Macron schickt die Jugend zur Mona-Lisa: Streaming statt Louvre geht aber mit dem "Pass Culture" auch
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Emmanuel Macron schickt die Jugend zur Mona-Lisa: Streaming statt Louvre geht aber mit dem "Pass Culture" auch

Frankreich schenkt allen 18-Jährigen nach dem Corona-Lockdown einen 300-Euro-Gutschein für Kultur. Das ist natürlich populistisch - aber eine sinnvolle Aktion, die auch ein Vorbild für Deutschland sein sollte

Es ist die Frage, über die sich Museumsleute, Rundfunkräte, Politikerinnen, Pädagogen und nicht zuletzt Eltern immer wieder den Kopf zerbrechen: Wie bringt man die jungen Leute dazu, sich mit Kultur und Geschichte zu beschäftigen? Und die Antworten fallen nicht immer überzeugend aus. Um nur ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit zu nennen: Das von SWR und BR produzierte Projekt @ichbinsophiescholl, das die letzten Lebensmonate von Sophie Scholl bei Instagram nachzeichnet, ist schlimmer Geschichtskitsch. Und ungefähr so glaubhaft, als würde sich Annalena Baerbock die Haare in Billie-Eilish-Grün färben oder Markus Söder auf dem Skateboard zum CSU-Parteitag rollen.

Aus Frankreich kommt jetzt ein anderer Vorschlag. Statt die Jugendlichen mit gutgemeinten Initiativen zu beglücken, macht der Staat ihnen das beste Geschenk, das man Jugendlichen nur machen kann: einen Gutschein. Auf Initiative von Staatschef Emmanuel Macron erhalten alle 18-Jährigen des Landes einen "Kulturscheck" über 300 Euro, die sie in kulturelle Angebote investieren können.

Macron wandte sich kürzlich über das Videoportal Tiktok direkt an die jungen Erwachsenen, um den sogenannten "Pass Culture" vorzustellen: "Ob Sie sich für Filme, Romane, Museen, Mangas, Videospiele, Rap oder Metal interessieren oder für all dies gleichzeitig, wir haben für Sie den 'Pass Culture' entwickelt." Das Angebot sei zwei Jahre lang verfügbar und über eine App abrufbar, auf die das Guthaben geladen wird.

Wie wäre es also mit einem Kulturgutschein in Deutschland?

Dieses digitale Verzeichnis listet eine ganze Reihe von Ausstellungen, Konzerten, Theaterstücken und diversen Kulturveranstaltungen auf. Es können Tanzkurse und Kinobesuche gebucht und auch Streamingdienste abonniert werden – solange sie französisch sind. Netflix, Amazon, Disney etc. sind also draußen, Seiten wie Canal Plus oder Salto dabei. Analog dazu können Musikfans Deezer abonnieren, aber nicht Spotify. Und auch Bücher, Pinsel oder Farben können nicht über Amazon, aber über einheimische Händler bestellt werden.

Die Initiative ist also nicht ganz unpopulistisch – der nationale Kultursektor wird gebauchpinselt, und 18-Jährige sind natürlich auch Erstwähler. Aber sie scheint trotzdem sinnvoll. Sechs Monate lang waren die Museen und Kinos des Landes pandemiebedingt geschlossen. Und unter dem Lockdown haben gerade Jugendliche stark gelitten. Der "Pass Culture" sendet so auch ein Signal des Aufbruchs: rauszugehen und den eigenen Horizont zu erweitern. Das Leben endlich wieder in (fast) all seiner Fülle zu genießen.

Wie wäre es also mit einem Kulturgutschein in Deutschland? Kulturstaatsministerin Monika Grütters möchte sich dazu auf Anfrage von Monopol nicht äußern. Aber warten wir's mal ab. Das kulturelle Leben geht ja auch hier allmählich wieder los, und im September stehen die Bundestagswahlen an.