Bildband über Saurierpark

Kinder, die auf Dinos starren

Der Saurierpark Kleinwelka war ein beliebtes Ausflugsziel der DDR. Ein Bildband versammelt nun Fotos von Kindern, die mit den künstlichen Urzeitechsen posieren. Ein nostalgisches Dokument über das Vergehen der Zeit 

Eines Abends beim Essen verkündete Franz Gruß aus Kleinwelka seiner Familie, dass er einen  Dinosaurier bauen wolle. Den Konstruktionsplan musste er selbst entwickeln, die Materialbeschaffung war in der Mangelwirtschaft der DDR beschwerlich, und doch konnte er im April 1978 eine erste Testversion auf den Rasen seines Hauses stellen. Auf den Stegosaurus folgte ein weiterer Saurier, diesmal schon in Originalgröße. Dann noch einer, und dann noch einer. Schnell entwickelte sich sein öffentlich zugänglicher Garten zu einer Sehenswürdigkeit, die Behörden legten ihm nahe, seinen Dinogarten auf das angrenzende gemeindeeigene Grundstück zu erweitern, und so entstand der Saurierpark Kleinwelka.

Die rührende Geschichte des Selfmade-Paläokünstlers ist das eine, die vielen Fotos von Kindern vor seinen Dinosauriern, die Janne Gärtner und Monopol-Kolumnistin Anne Waak für ihr Buch "Aus einem anderen Land – Die Kinder von Kleinwelka" aufgetrieben haben, das andere. Es handelt sich um jene typischen Ausflugsbilder, die man in Alben klebte, als Fotografien noch etwas Rares, Kostspieliges waren. Mal sind es Geschwister und Familien, mal beste Freunde, die in Betonmäuler greifen, sich unter weiten Flügeln verstecken, auf stachelige Rücken klettern. Auch die beiden Autorinnen gehörten zu den "Kindern von Keinwelka".

So durchweht dieses Buch ein wenig Nostalgie: Dinosaurier starben vor Millionen Jahren aus, das Land, in dem der Saurierpark einst entstand, gibt es nicht mehr, die Digitaltechnologie hat Papierfotos fast ausgelöscht, die Kinder von damals sind heute alt. Zugleich ist dieses Buch ein kurioses historisches Dokument, dessen Witz nicht zuletzt in seiner absurden Zeitdimension liegt. Man fragt sich schon auch, welche Spezies wohl einmal vor nachgebauten Homo Sapiens posieren wird.