Art-Basel-Chef im Interview

"Ein Tor zu den Galerien"

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Wie kann man junge Galerien unterstützen und was ist das Messe-Modell der Zukunft? Art-Basel-Direktor Marc Spiegler über die Entwicklungen des Kunstmarkts

Herr Spiegler, die Galerien stehen unter Druck. Der Art Market Report 2018 verzeichnet für das vergangene Jahr erstmals seit zehn Jahren mehr Schließungen von Galerien als Eröffnungen. Die Besucherzahlen nehmen ab – dem Bericht zufolge ersetzt der Messeauftritt zunehmend die Galerieausstellung. Ist das für Sie ein Grund zur Freude oder zur Besorgnis?
Diese Entwicklung freut uns nicht im Geringsten. Erstens, weil sie schlecht ist für die Kunstwelt im Ganzen und zweitens, weil die Art Basel nur so stark ist wie die Galerien, die ihre Kunst auf unsere Messen bringen. Wir glauben fest daran, dass Galerien für Galeristen die besten Orte sind, um ihre Künstler auszustellen. Die Bedingungen sind besser, das Publikum ist fokussierter, die Ausstellungen laufen länger. Und es sind die Orte, die die Künstler für ihre Kunst gewählt haben. Das heißt, dass das Ringen der Galerien, Publikum in ihre Galerien zu bringen, auch für uns ein echtes Problem ist, weshalb wir Initiativen wie das Gallery Weekend Berlin oder Condo sehr unterstützen. Unserer Vorstellung nach sollte die Messe ein Tor zu den Galerien sein, in denen dann tiefergehende Unterhaltungen stattfinden.   

Was können Sie tun, um die Galerien zu unterstützen?
Wir denken vor allem darüber nach, wie wir "mid-level" und jüngere Galerien unterstützen können. Die Art Basel spielt für die Galerien heute eine wichtige Rolle – hier werden wichtige Verkäufe gemacht und Kontakte zu neuen Sammlern geschlossen, die dann wiederum auch in die Galerien in aller Welt gehen. Wir investieren in die Messe und in das einwöchige Begleitprogramm. Unser VIP-Relations-Team mit 30 Mitarbeitern erstreckt sich über die gesamte Welt. Dieses Team arbeitet das ganze Jahr über daran, Sammler und mögliche Neusammler zu unseren Messen zu bringen und ihnen Galerien vorzustellen. Auch nutzen wir unser Marketing mehr, um einzelne Galerien zu unterstützen und ihr Programm einem internationalen Publikum vorzustellen. Die Art-Basel-Direktoren reisen viel und beraten Galerien inoffiziell. Wenn eine Galerie zum Beispiel aktiver im asiatischen Raum sein will, bringen wir sie in Verbindung mit unserem VIP-Relations-Netzwerk in Asien, um Kontakte aufzubauen und zu diskutieren, welche Künstler in welchen asiatischen Märkten am besten funktionieren können.

Zuletzt gab es aber auch immer lautere Beschwerden über die Kosten einer Messeteilnahme, die schon bei einem mittelgroßen Auftritt, Transport und Übernachtungskosten leicht bei über 100.000 Euro liegen. Könnten Sie nicht einfach die Teilnahmegebühren senken?
Es stimmt, dass die Messeteilnahme viele Galerien vor hohe Kosten stellt. Aber ich glaube, dass die Art-Basel-Aussteller dafür auch viel zurückbekommen. Vergessen wir nicht, dass Sektionen wie "Statements", "Unlimited" und "Parcours" durch die Messe stark subventioniert werden, aber wichtige Plattformen für Künstler und Galerien sind. Auch helfen wir Galerien manchmal bei der Aufstellung eines Kostenplans und unterstützen sie so, die finanzielle Seite der Messeteilnahme zu managen. Am Ende des Tages muss die Art Basel als Unternehmen profitabel sein. Wenn wir die Teilnahmegebühren um sagen wir 5 Prozent senken würden, könnten wir nicht Messen von Art-Basel-Qualität liefern, gleichzeitig würde ein solcher Schritt die Gesamtkosten für die Galerien nur unbedeutend verringern. Würden wir die Kosten weiter senken, wäre die Art Basel schlicht nicht durchführbar.

Die Frieze Art Fair erlaubt künftig auch Händlern ohne einen festen Galeriestandort die Messeteilnahme. Ist das eine Option für Sie?
Das Thema haben wir intern ausführlich debattiert. Unsere Auswahlkomitees und wir von der Art Basel selbst sehen ein Risiko darin. Wenn wir feste Galerieräume nicht mehr als Zulassungsbedingung forderten, so könnten einige Galerien ihre Räume schließen, um nur noch an Messen teilzunehmen. Langfristig würde das bedeuten, dass in den Städten weniger Ausstellungen stattfinden und es weniger Möglichkeiten für Sammler und Kunstinteressierte im Allgemeinen gibt, Kunst in diesen Städten zu sehen. Das Risiko, dass wir eine Welle von Galerienschließungen auslösen, ist im Moment für uns zu hoch.

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