Berliner Kunsthändler

Der Galerist Michael Schultz ist tot

Michael Schultz
Foto: © Christine Haas

Michael Schultz

Der Berliner Galerist Michael Schultz gehörte zu den deutschen Marktpionieren für zeitgenössische Kunst, sah sich zuletzt aber auch Betrugsvorwürfen ausgesetzt. Nun ist er im Alter von 70 Jahren gestorben

Wie verschiedene Medien berichten, starb er am 28. Dezember nach kurzer schwerer Krankheit. Der 1951 im Schwarzwald geborene Schultz, ein studierter Musik- und Theaterwissenschaftler, arbeitete zunächst als Chefredakteur des Berliner "Kunst"-Magazins, bevor er in den Kunsthandel einstieg. Nach Anfängen als Geschäftsführer der Galerie Michael Wewerka gründete er 1986 die Galerie Michael Schultz in Berlin-Charlottenburg, mit der 2005 eröffneten Galerie Schultz Contemporary kam ein Ort speziell für junge Kunst hinzu.

Zum Programm der Galerie gehörten Georg Baselitz, Markus Lüpertz und A.R. Penck, hinzu kamen Anselm Kiefer, Gerhard Richter und Sigmar Polke sowie amerikanische Positionen wie etwa Jean-Michel Basquiat, Keith Haring, James Rosenquist, Robert Rauschenberg, und Andy Warhol. Schultz etablierte den jungen Norbert Bisky auf dem Markt und protegierte die Baselitz-Schülerin Seo. Er erschloss früh den asiatischen Markt, 2006 eröffnete die Galerie eine Niederlassung in Seoul, 2007 kam eine Dependance in Peking hinzu.

Schultz war ein überaus aktiver Protagonist des Kunstmarkes, der sich gern in der Gesellschaft von Prominenten und einflussreichen Persönlichkeiten wie Gerhard Schröder zeigte, und der zwischen 2011 und 2015 in einem täglichen Newsletter nicht nur den Kunstmarkt, sondern auch die Tagespolitik wortreich kommentierte – er brachte die Texte später unter dem Titel "Unzensiert" als Buch heraus. Geschäftlich geriet seine Galerie allerdings in den 2010er-Jahren in eine Schieflage. Im November 2019 wurde sie in einem Insolvenzverfahren aufgelöst. Betrugsvorwürfe kamen auf. Ein Sammler stellte wegen eines gefälschten Gerhard-Richter-Gemäldes Strafanzeige gegen ihn, Künstler und Künstlerinnen warteten vergeblich auf Geld. Die Vorwürfe wurden gerichtlich nicht abschließend geklärt.