Podcast "Fantasiemuskel" #27

Um welche Zukünfte geht es?

fotini_mavromati

Als Kunstbeauftragte des Umweltbundesamts entwickelt und unterstützt Fotini Mavromati Ausstellungen und Diskursprojekte, die sich mit ökologischen Fragestellungen beschäftigen. Wir haben sie zum Gespräch getroffen

Wie jede Folge von "Fantasiemuskel", dem Monopol-Podcast über Kunst, Wirtschaft und Transformation, hat auch diese Folge eine fachliche und eine menschliche Ebene. So erfahren die Podcaster Friedrich von Borries und Torsten Fremer nicht nur, warum das Umweltbundesamt eine Kunstbeauftragte hat – was man bei einer staatlichen Behörde nicht unbedingt erwarten würde –, sondern auch von dem langen und mühsamen Weg, den Fotini Mavromati genommen hat, um in diese Position zu gelangen.

Denn als, wie sie selbst sagt, "Arbeiter- und Gastarbeiterkind" musste sie sich den Zugang zu Schulbildung und institutionalisierten Kultur in der Bundesrepublik hart erkämpfen. Das heißt eben nicht nur, dass sie Abitur und Mittlere Reife auf dem zweiten Bildungsweg parallel zur Erwerbsarbeit erlangen musste, sondern eben immer auch gegen Vorurteile und Ausschließungsmechanismen ankämpfen musste. 

Auf der fachlichen Ebene geht es in dem Podcast um Kunst - und warum ein Bundesamt sich dafür engagiert. Das Programm "Kunst und Umwelt", so erfahren die beiden Podcaster, gibt es schon seit den 1980er-Jahren. Schon damals wurde erkannt, dass Umweltfragen nicht nur fachlich-wissenschaftlich er- und begründet, sondern auch in die Gesellschaft hinein vermittelt werden müssen, weil es immer auch um Vorstellungen von Zukunft geht.

"Projektion auf eine Zeit, die kommen soll"

"Das ist ja das Spannende an dem Begriff nachhaltige Entwicklung", so die studierte Literatur- und Theaterwissenschaftlerin. "Es geht immer auch um eine Projektion auf eine Zeit, die kommen soll." Wie dieses Morgen aussehen soll, muss gesellschaftlich verhandelt werden, und da kann die Imaginationskraft von Kunst eine wichtige Unterstützung bieten. Deshalb unterstützt und entwickelt das Umweltbundeamt Projekte, in denen sich Künstler:innen mit ökologischen Fragen auseinandersetzen – jüngst zum Beispiel eine Ausstellung von Antje Majewski und Pawel Freisler über Äpfel. 

Der Podcast berührt die menschliche Ebene aber nicht nur, weil der persönliche Werdegang von Fotini Mavromati erzählt wird, sondern weil die Arbeit als Umweltbeauftragte nicht nur eine fachliche, sondern auch eine menschliche Dimension hat. Denn die Arbeit von Mavromati richtet sich nicht nur nach außen, an eine abstrakte Öffentlichkeit, sondern auch nach innen, ins Amt hinein, an die eigenen Mitarbeitenden. So gab es beispielsweise ein Stipendienprogramm, in dem Künstler:innen in einer Residency mit Menschen, die im Umweltbundesamt gemeinsamen Projektideen nachgingen.

Manchmal wird die durch Kunst herausgeforderte Auseinandersetzung mit Umwelt aber auch ganz lebenspraktisch: Mitarbeitende pflanzen mit Künstler:innen Bäume oder kümmern sich um die Bienen, die seit 2018 – und in Folge eines Kunstprojektes – in vom Architekturbüro Sauerbruch & Hutton auf dem Dienstgelände  des Umweltbundesamtes in Dessau leben. 

Durchlässig sein für die Welt

Kunst, so lernen die beiden Podcaster, hat für das Umweltbundesalt also viele Ebenen, die von abstrakter Zukunftsimagination zu kritischer Gegenwartsbetrachtung und alltäglicher Erfahrungserweiterung reicht.  So trägt sie dazu bei eine vielgestaltige – und bunte – Zukunft vorstellbar zu machen, in der, wie Mavromati abschließend meint, "ich durchlässig bin für die Welt" und "ich mich berühren lasse von dem, was mich umgibt."

Sie können die 27. Folge von "Fantasiemuskel", dem Monopol-Podcast für Kunst, Wirtschaft und gesellschaftliche Transformation, auf allen gängigen Plattformen hören – oder direkt hier: