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Pieter Hugo in Wolfsburg

Fotografie bestimmt nicht – sie fragt

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Krieg, Armut, Verbrechen - und unfassbare Schönheit: Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt die verstörenden und betörenden Arbeiten des südafrikanischen Fotografen Pieter Hugo

Was kann die Fotografie, was andere Medien nicht können? "Sie fragt, was real ist", sagte Pieter Hugo einmal in einem Monopol-Interview. Ein kluger Satz. Fotografie bestimmt nicht – sie fragt. Schließlich weiß der südafrikanische Künstler, 1976 in Johannesburg geboren, dass die sogenannte Wirklichkeit eine komplizierte Sache ist. Wirklichkeit lässt sich sogar herstellen. In totalitären Gesellschaften kennt man sich damit aus. 2012 stellte Hugo eine schwarz-weiße Porträtserie vor, in der – dank ultraviolettem Licht – nur Dunkelhäutige vorkamen. Darunter Hugo selbst, der von europäischen Kolonialherren abstammt und 18 war, als die Apartheid abgeschafft wurde.

Berühmt wurde er mit Bestandsaufnahmen des postkolonialen Afrika. Für seine Serie "Permanent Error" (2009/10) fotografierte er Menschen, die in Ghana auf Müllhalden leben und den Technoschrott des Westens aufklauben.

Pieter Hugo sucht die Extreme. 2015 reiste er zum ersten Mal nach China: "Ich war noch nie an einem so riesigen Ort wie Peking. Inmitten einer großen Menschenmenge fühle ich mich immer besonders einsam." Nach Entfremdung und Soziophobie sehen die Bilder allerdings nicht aus, die er 2016 in eine, Portfolio exklusiv für Monopol zusammengestellt hat. Vielmehr künden die Porträts von der Fähigkeit des Fotografen, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen: Zu sehen sind offene Blicke, kaum Posen, Verletzlichkeit, auch Nacktheit.

Im Kunstmuseum Wolfsburg zeigt der Fotograf nun seine erste institutionelle Ausstellung in Deutschland. Eine Auswahl der Aufnahmen zeigt unsere Bildstrecke.

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