Medienschau

"Wo bleibt da die freie Meinungsäußerung?"

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Wie Jeff Koons Kritik verhinderte, Caspar David Friedrich in Hamburg und die endlose Trauer hinter "Hey Jude": Das ist unsere Presseschau am Dienstag

Debatte

In der "New York Times" erzählt Colin Moynihan, wie Jeff Koons eine Auseinandersetzung mit seinem Werk verhinderte. Dabei hatte Kunsthistorikerin Romy Golan vor, für das Magazin "Brooklyn Rail" durchaus wohlwollend über die Pariser Außenskulptur "Bouquet of Tulips" (2019) zu schreiben. Ein "Brooklyn Rail"-Redakteur hatte im vergangenen Winter ihren Essay dem Studio des US-Künstlers vorgelegt, um zu fragen, ob er "für den Künstler akzeptabel" sei. "Das war er nicht. Das Studio von Koons antwortete unter Berufung auf 'Jeffs Bedenken', dass Golan seine Skulptur als 'Symbol der Gewalt' falsch dargestellt habe, und bat darum, dass ihr Essay 'wegen seiner Diffamierung von Jeff' nicht veröffentlicht werde." Warum nur, muss man sich jetzt fragen, hat das Magazin überhaupt ihren Text vom Künstler absegen lassen wollen? Üblich ist das nicht. Golan sollte nach den Wünschen der Redaktion ihren Artikel dann ändern, zog aber ihren Beitrag von der Veröffentlichung zurück. "Ich fand das erbärmlich", sagt sie. "Angeblich geht es in diesen Zeitschriften um Meinungen, um freie Meinungsäußerung, wo bleibt da die freie Meinungsäußerung?"

Marc Neumann nimmt sich in der "NZZ" die ehemals Twitter genannte Kurznachrichtenplattform X vor, die sich 2023 dank Elon Musk "in den Hasssumpf X verwandelt". Eine Umfrage zu den schlimmsten Posts auf X/Twitter "beleuchtet Abartigkeit, Absurdität und Aggression", so Neumann. "Es öffnet sich eine Schatztruhe voll Wahn- und Irrsinn."

Künstliche Intelligenz

Gemeinsam mit BMW hat der Künstler Alex Israel eine KI-basierte Videoinstallation entwickelt. "Durch den Download einer App konnten Besucher Zugriff auf ihr Smartphone-Fotoalbum erlauben, aus dem ein Algorithmus zufällig Bilder und Videos auswählte und diese auf Israels Profil projizierte", berichtet "Die Welt" – die Silhouette des Künstlers "wurde zum Bilderrahmen einer interaktiven Pop-Art-Galerie". Die KI "wird dem kunstsinnigen Publikum hoffentlich schnell als ziemlich einfältig erscheinen", kommentiert Adrian Lobe. Für Monopol hat Lisa-Marie Berndt von dem Werk berichtet.

Ausstellung

Die "taz" berichtet von der Schau zu Caspar David Friedrich in der Kunsthalle Hamburg anlässlich des 250. Geburtstags des Künstlers. "Man kann dieser großen Schau den Versuch ablesen, Caspar David Friedrich zu säkularisieren", schreibt Sophie Jung, "Doch seine Bilder sind von christlicher Frömmigkeit kaum zu trennen. Die ungreifbaren Weiten seiner Wolkenhimmel, die dunklen Tiefen der Wälder und Abgründe, vor die er seine Figuren und Ruinen stellt, haben auch etwas Gottgegebenes."

Bühne

Das Duo Enis Maci und Mazlum Nergis hat "einen sehr anspielungsreichen Text" zum Werk Karl Mays geschrieben. An der Berliner Volksbühne feierte "Karl May" nun seine Uraufführung. "Toll immerhin, wie Martin Wuttke dazu raucht", findet Tom Mustroph in der "taz". "Man wird dabei ganz nostalgisch und merkt: Dem alternden Theatergaul Wuttke sieht man noch beim Rauchen gerne zu. Beim Sprechen und Spielen sowieso. Alte Schule eben, gepaart mit Talent und der Lust des Sich-Einlassens auf immer neue Abenteuer."

Film

Hollywoodstar George Clooney (62) hat über einen neuen Film mit Brad Pitt (60) gesprochen und seinen alten Freund und Kollegen auf die Schippe genommen. "Der hübsche Junge Pitt? Ja, er brauchte Arbeit", scherzte Clooney, als er vom Branchenportal "Entertainment Tonight" auf den Action-Thriller "Wolfs" angesprochen wurde, den ersten gemeinsamen Film der beiden "Ocean's Eleven"-Stars seit 15 Jahren. Pitt sei ein "aufstrebendes Talent", sagte Clooney augenzwinkernd über den zweifachen Oscar-Preisträger Pitt. Die beiden Schauspieler begeisterten Kinozuschauer von 2001 bis 2007 gemeinsam mit der "Ocean's"-Trilogie. Im Jahr 2008 spielten sie gemeinsam in der dunklen Komödie "Burn After Reading" der Coen-Brüder. "Spider-Man"-Regisseur Jon Watts holte sie nun für den Action-Thriller "Wolfs" von AppleTV+ erstmals wieder gemeinsam vor die Kamera. "Es fühlt sich an, als ob viel Zeit vergangen ist", sagte Clooney über seine lange pausierende Zusammenarbeit mit Pitt - "zu viel Zeit".

Das besondere Kunstwerk

Der Beatles-Hit "Hey Jude", der einst für ihn geschrieben wurde, wird für John Lennons Sohn Julian immer ein düsteres Lied bleiben. Der Song, den Paul McCartney 1968 als Trost nach der Trennung von John Lennon und Julians Mutter Cynthia gemeint hatte, erinnere ihn stets an den Schmerz über die Scheidung seiner Eltern und daran, dass er seinen Vater später selten gesehen habe, sagte Julian Lennon der US-Zeitschrift "Esquire". "Ich liebe die Tatsache, dass er ein Lied über mich und für Mama geschrieben hat, aber je nachdem, wie man drauf ist und wo man es hört, kann es gut oder etwas frustrierend sein", sagte der 60-Jährige. "Es ist ein wunderschönes Gefühl, keine Frage, und ich bin sehr dankbar – aber es hat mich auch die Wand hoch getrieben." Der Song erschien im August 1968, nachdem sich John Lennon wegen seiner neuen Freundin Yoko Ono von Cynthia getrennt hatte. Julian war damals fünf Jahre alt. Das Lied gilt als erfolgreichste Single der legendären britischen Band. Es hieß eigentlich "Hey Jules", der Titel wurde aber aus rhythmischen Gründen geändert. Die Beatles trennten sich 1970, John Lennon wurde 1980 in New York erschossen. Julian Lennon ist selbst Musiker, sein neuestes Album heißt "Jude". Sein Publikum finde es manchmal süß, aus "Hey Jude" zu zitieren, sagte er. "Aber ich glaube nicht, dass ihnen klar ist, dass hinter dem, was passiert ist, viel Schmerz steckt. (...) Viele Leute verstehen nicht ganz, wie intensiv, wie emotional und wie persönlich das ist." Es handele sich um einen tiefen emotionalen Schmerz. Ursprünglich handele der Text von seiner Mutter, aber dann habe er gemerkt, dass es darum gehe, was er einmal im Leben durchmachen müsse, sagte Lennon. McCartney habe "bei all dem Mist, den ich durchgemacht habe", nicht unrecht gehabt: "Es verlief in keiner Weise reibungslos. Ich habe größtenteils immer ein mutiges Gesicht gemacht, aber es war ein traumatisches Leben."