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Berühmte und umstrittene Werke von Gerhard Richter

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Einige Bilder von Gerhard Richter haben schon zu seinen Lebzeiten den Status von Ikonen erreicht:

"Tante Marianne" (1965), Galerie Neue Meister, Dresden. Das Doppelporträt, nach einem Foto gemalt, zeigt Richters Tante Marianne - und ihn selbst als Baby. Vordergründig ein beliebiges Familienfoto. Doch Tante Marianne wurde von den Nazis ermordet, weil sie psychisch krank war. Wenn der kleine "Gerd" Dummheiten machte, drohte ihm die Mutter: "Du endest wie Tante Marianne!"

"Ema - Akt auf einer Treppe" (1966). Museum Ludwig, Köln. So wertvoll, dass es nur hinter Panzerglas gezeigt wird. Zu sehen ist Richters erste Frau "Ema" - nackt. Sie erscheint jedoch nicht bloßgestellt, sondern wie hinter einem schützenden Schleier verborgen. Diesen Effekt erreicht Richter durch die Technik des Verwischens. Das Bild sieht dadurch aus wie ein unscharfes Foto. Der Direktor der Berliner Nationalgalerie lehnte es einst mit den Worten ab: "Ich sammle keine Fotos, sondern Malerei."

"18. Oktober 1977" (1988), Museum of Modern Art, New York. Ein Gemäldezyklus aus 15 Bildern über die RAF - Richters umstrittenstes Werk. Der Titel bezieht sich auf die "Todesnacht von Stammheim", als Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihrer Zelle Selbstmord begingen. Die Bilder sind alle von Schwarzweiß-Fotos abgemalt. Kritiker sagen: Hier wird der Terror verharmlost. Richter bestreitet das. Aber er verrät auch nicht, was die Bilder aussagen sollen. Jeder soll sich das selbst überlegen.

"Betty" (1988). Saint Louis Art Museum, St. Louis/USA. Ein Porträt von Richters ältester Tochter als junger Frau. Man kann sie aber nicht erkennen, weil sie sich gerade umdreht. Für den britischen Kunsthistoriker Neil MacGregor ist das Bild ein Symbol für das heutige Deutschland: Es blickt obsessiv auf seine Nazi-Vergangenheit und hat seine Identität noch nicht gefunden.

"Birkenau" (2014). Bisher wechselnde Ausstellungsorte. Vier abstrakte Bilder mit einer "harschen, düsteren, melancholischen Stimmung", wie Richter es ausdrückt. Mehrere Kunsthistoriker haben den Zyklus scharf kritisiert. Sie werfen Richter Beliebigkeit vor, da man ohne den Titel nie auf die Idee käme, dass die Bilder etwas mit dem Holocaust zu tun haben. Richter lasse den Betrachter rätseln, um seine eigene Bedeutung damit noch zu steigern. Ivan Lefkovits, ein Überlebender aus dem KZ Bergen-Belsen, sagt dagegen: "Ich spüre die Gesamtheit des Holocaust, wenn ich das Bild anschaue."

Foto: dpa

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Drei der vier Werke des Birkenau-Zyklus aus dem Jahr 2014 in einer Ausstellung von Gerhard Richter im Jüdischen Museum in Moskau (Russland)

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