Ranking des Magazins „Art Review“

Ai Weiwei am einflussreichsten in der Kunstwelt

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Je strenger die chinesischen Behörden gegen Ai Weiwei auftreten, desto größer wird sein Einfluss, zumindest aus westlicher Sicht. Auf dem weltweit wohl am meisten beachteten Ranking der 100 einflussreichsten Menschen im Kunstbetrieb steht er jetzt auf Platz eins. Die Liste, die jedes Jahr vom britischen Magazin «ArtReview» erstellt wird, wurde am Donnerstag in London veröffentlicht. Sie ist immer umstritten, viele sagen, das Ganze sei völlig willkürlich.

Die Zeitschrift begründete den Aufstieg von Platz 13 des letzten Jahres mit der beispielslosen Unterstützung, die Ai hinter sich wusste, als er im Frühjahr 2011 für 81 Tage von chinesischen Behörden inhaftiert wurde. Außerdem sei sein Gebrauch von sozialen Netzwerken außergewöhnlich: „Jedes Statement, das Ai zu Lage Chinas machte, wurde sofort eine Nachricht.“ Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa begründete «ArtReview»-Chefredakteur Mark Rappolt die Entscheidung für Ai Weiwei in einem Satz: «Ai Weiwei ist ein Beispiel dafür, wie Kunst die Grenzen der Galeriemauern überwinden und die wirkliche Welt erreichen kann.»

Ai Weiwei trägt seine Kunst in die Gesellschaft - er ist ganz wesentlich ein Konzept- und Performance-Künstler. Zusammen mit seinem politischen Engagement ergab das für die Jury eine unschlagbare Mischung. Kritiker werfen ihm dagegen vor, er habe als Künstler nicht viel zu bieten - seinen Ruhm verdanke er großenteils seinen hervorragenden Kontakten zu westlichen Medien. Für Rappolt ist das kein zündendes Gegenargument: «Alle wichtigen Künstler verdanken ihre Bedeutung bis zu einem gewissen Teil den Medien.»

Dass Ai Weiwei die Liste dieses Jahr anführt, ist noch aus einem Grund bemerkenswert - und dieser erscheint zunächst paradox: Ai ist ein Künstler - und diese stehen auf der Liste fast nie oben. Vor ihm hat das überhaupt nur ein anderer Künstler jemals geschafft: der Brite Damien Hirst (2005 und 2008). Unter den Top Ten 2011 rangiert nur noch eine weitere Künstlerin: US-Fotografin Cindy Sherman auf Platz sieben. Die meisten Persönlichkeiten auf der Liste sind dagegen Sammler, Galeristen, Kuratoren und vor allem Manager des Kulturbetriebs.

Auf dem Platz zwei der Charts halten sich der Kurator Hans Ulrich Obrist und die Museumsdirektorin Julia Peyton-Jones von der Serpentine Gallery. Von Platz fünf auf Platz drei ist Glenn Lowry aufgestiegen, der Direktor des MoMAs in New York. Galerist Larry Gagosian ist vom Platz eins des Vorjahres auf Platz vier gefallen.

Auf Platz neun steht der in New York ansässige deutsche Kunsthändler David Zwirner, der dieses Jahr zusammen mit dem Schauspieler Ben Stiller («Nachts im Museum») eine Kunstauktion zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti organisierte. Das Ergebnis: 13,7 Millionen Dollar. Direkt hinter Zwirner folgt die Deutsche Beatrix Ruf, die als Direktorin der Kunsthalle Zürich viel beachtete Ausstellungen organisiert und auch die Firmensammlung des Schweizer Verlags Ringier (zu dem auch Monopol gehört) kuratiert. Zwirner und Ruf kommen auf der Liste noch vor Gerhard Richter, dem «Picasso des 21. Jahrhunderts» (Platz 11).

Klaus Biesenbach steht auf Platz 16. Der 45-Jährige  begann mit einer Ausstellung in einer alten Margarinefabrik in Berlin-Mitte und leitet heute eine eigens für ihn gegründete Abteilung im Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Für Monopol schreibt der Kurator jeden Monat die Kolumne "Erdkunde".

Weitere Deutsche in der "Power Top 100": Künstlerin Rosemarie Trockel auf Platz 41, Museumsdirektor Udo Kittelmann auf Platz 43, gefolgt von den Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers.

«Die Kunstwelt setzt sich zusammen aus einer großen Zahl von Netzwerken und sozialen Kontakten», erläutert Rappolt. «Es geht nicht einfach darum, wer der beste Künstler ist. Die Liste spiegelt eine komplexe Wechselwirkung von sozialen, finanziellen und gelegentlich auch politischen Interessen. Sie ist ein Versuch, das transparenter zu machen.» Die romantische Vorstellung vom verschrobenen, menschenscheuen Künstler, der sich in sein Atelier zurückzieht, hat mit der heutigen Wirklichkeit meist wenig zu tun. Die komplette Liste ist auf der Website von "Art Review" einsehbar. (dpa/monopol)







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