Essener Prozess gibt Einblicke

Achenbach, Albrecht und die Autos

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Wer einmal auf der weltberühmten Oldtimer-Show auf dem Golfplatz des kalifornischen Pebble Beach die Siegerstraße fahren darf, ist auf dem Olymp angekommen. Zumindest auf dem Olymp der schwerreichen Liebhaber hochkarätiger alter Autos. Es ist eine Welt der Menschen, «wo das Bankkonto nicht unter einer Milliarde» sei, sagt der Chef eines süddeutschen Restaurierungsbetriebs im Essener Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach.

Der schwerreiche Aldi-Erbe Berthold Albrecht war ein Liebhaber der Klassiker von Mercedes, Ferrari oder Bugatti. Und sein Duz-Freund Achenbach verkaufte ihm die millionenschweren Klassiker nicht nur, sondern er öffnete ihm auch die Tür nach Pebble Beach. Dort gewann Albrecht 2011 mit seinem 380 K Mercedes Cabrio aus den 30er Jahren den ersten Preis in seiner Klasse. Alles was Rang und Namen habe, kommt nach Pebble Beach - Kirk Douglas, Michael Douglas, Ralph Lauren, erzählt der Zeuge.

Achenbach verkaufte Kunst und Oldtimer im großen Stil an Albrecht - noch bis kurz vor dem Tod des Milliardärs im Herbst 2012. Laut Anklage hat der 62-jährige Achenbach seinen Freund bei 14 Kunstverkäufen und neun Oldtimergeschäften um rund 23 Millionen Euro betrogen. Allein bei den Autodeals soll ein Schaden von 14 Millionen entstanden sein. Achenbach hatte zugegeben, bei einigen Kunstverkäufen an Albrecht unberechtigte Aufschläge vorgenommen und Rechnungen manipuliert zu haben. Beim noch einträglicheren Oldtimer-Geschäft will er seinen vermögenden Freund aber stets zuvor über Preisaufschläge informiert haben.

Albrecht kaufte über rund zwei Jahre einen Oldtimer nach dem anderen über Achenbach - zuletzt waren es 16 Autos. Vorkriegsfahrzeuge habe der Milliardär haben wollen, sagt der Zeuge, ein Kfz-Meister, der sich mit 100 Mitarbeitern auf die Restaurierung von hochwertigen Mercedes-Oldtimern spezialisiert hat. Diese seien vor allem in den Königshäusern in Marokko oder Malaysia oder auch in Dubai begehrt.
Sieben Wagen kaufte Achenbach allein bei dem Restaurator. Sie sind nicht Gegenstand der Anklage, werfen aber ein Licht auf die Leidenschaft des Milliardärs. Bedingung sei gewesen, dass Albrecht die alten Karossen auch fahren konnte, sagt der Zeuge. Einzelstücke sollten es sein, die speziell für Albrecht umgebaut wurden.

Albrecht war seinem Freund Achenbach so dankbar für die Oldtimer-Dienste, dass er ihm ein altes Auto schenkte. Ein 150 000 Euro teures Mercedes 300 B Cabrio habe der Aldi-Erbe bei ihm gekauft, «damit er mit Albrecht gemeinsam in die Schweiz fahren konnte», sagt der Restaurator. Dort habe der schon erkrankte Albrecht Reha-Kuren gemacht und schöne Touren unternommen. Das habe Albrecht gut getan und «ihm unheimlich Spaß gemacht».

Der Oldtimerhändler, Albrecht, Achenbach und ihre Frauen wurden nach Aussage des Zeugen eine «freundschaftliche Clique». Man reiste zusammen nach Pebble Beach, feierte und trank auf dem «Concours d'Elegance».

Dann aber kam es 2012 zu einem Eklat, erzählt ein anderer Zeuge aus der Oldtimer-Branche. Denn Albrechts Ehefrau Babette sei nicht begeistert davon gewesen, dass ihr Mann «an ihr vorbei» vor dem Kalifornientrip noch zwei millionenschwere Ferraris gekauft habe. Babette Albrecht habe den Eindruck gehabt, dass die Autokäufe «zu schnell gingen».

Die Ehefrau war es auch, die nach dem Tod ihres Mannes die Rechnungen Achenbachs prüfen ließ und auf Unregelmäßigkeiten stieß. An diesem Montag ist sie als Zeugin geladen.

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