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Wohin am Wochenende?

Nadine Ijewere "Fashion Swirl", 2019, a.d.S. "Haut" für die ukainische "Vogue"
© Nadine Ijewere

Nadine Ijewere "Fashion Swirl", 2019, a.d.S. "Haut" für die ukainische "Vogue"

Die Kunst der Woche in Basel, Berlin, Eisenhüttenstadt, Kassel, Köln, Leipzig, Paris, Potsdam, Quedlinburg und Wuppertal

Vielerorts können Ausstellungen nun ohne Testergebnis besucht werden. Coronabedingt können aber weiter bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website

Kara Walker in Basel

Kara Walker war eine der ersten schwarzen Künstlerinnen, die Kolonialgeschichte und Versklavung, Diskriminierung und systematischen Rassismus zum zentralen Thema ihrer Kunst machte. Sie war auch als eine der Ersten darin erfolgreich und auf internationalen Biennalen und Ausstellungen vertreten – und lange Zeit damit ziemlich alleine. Jetzt widmet ihr das Kunstmuseum Basel eine große Einzelausstellung, und angesichts des aktuellen Paradigmenwechsels in der Diskussion um systematischen und gewalttätigen Rassismus wird das auch eine Rückschau auf eine Zeit, in der diese Stimme selten zu hören war.

Bekannt wurde Walker durch ihre meisterhafte Technik des Scherenschnitts, die die Welt buchstäblich in Schwarz und Weiß teilt. Damit legt sie Klischees und Zuschreibungen offen und schafft schonungslose Historiengemälde. Ihr Panorama spannt sie von der Sklaverei bis zu Barack Obamas Präsidentschaft. Spannend könnte es werden zu sehen, welche Bilder die Künstlerin in all den Jahren ihres Schaffens seit den 1990er-Jahren zurückgehalten hat. Der Katalog zur Ausstellung zeigt mehr als 600 größtenteils unpublizierte Werke aus den Jahren 1992 bis 2020, die Walker bisher in ihrem Archiv unter Verschluss hielt. Kleine Skizzen, Studien und Collagen wechseln sich ab mit tagebuchartigen Notizen, mit Schreibmaschine beschriebenen Karteikarten und Aufzeichnungen von Träumen.

Auch interessant: wie ihre provokanten und teilweise obszönen Darstellungen, die durch ihre unschuldige, illustrative Darstellungsweise manchmal besonders perfide werden, sich mit dem aktuellen Stand des Diskurses vertragen. Der Rassismus, die Gewalt und die Sexualität bei Kara Walker nehmen nämlich überhaupt keine Rücksicht auf mögliche Irritationen und Verletzungen, warum sollten sie auch. Walker bietet keine Versöhnung mit der Vergangenheit an, sondern zeichnet und überzeichnet Geschichtsbilder, Klischees und Mythen, die weit in die Gegenwart hineinreichen. Aktuell waren sie immer, aber gesehen, verstanden und anerkannt werden sie womöglich erst heute so ganz.

"Kara Walker: A Black Hole is Everything a Star Longs to Be", Kunstmuseum Basel, 5. Juni bis 26. September

Kara Walker, "Fealty as Feint (a drawing exercise)", 2019
Foto: Fredriksen Family Collection, Oslo © Kara Walker

Kara Walker, "Fealty as Feint (a drawing exercise)", 2019

 

Yael Bartana in Berlin

Was und wie wäre wohl Berlin heute, hätten nicht Einheiten der Roten Armee, sondern israelische Soldaten die Stadt von den Nazis befreit? Mit Assoziationen, Gedankenspielen und Traumsequenzen geht die israelische Künstlerin Yael Bartana dieser Idee nach. Ihre beeindruckende Videoarbeit "Malka Germania" steht im Zentrum der Ausstellung "Redemption Now", die im Jüdischen Museum Berlin von Freitag an bis zum 10. Oktober gezeigt wird.

"Redemption Now" ist die erste Werkschau der 50 Jahre alten Bartana, die in Berlin und Amsterdam lebt. Zu sehen - und ebenso intensiv zu hören - sind mehr als 50 Werke wie Videoarbeiten, Fotografien und Lichtskulpturen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Bekannt wurde Bartana auch durch ihren Beitrag im polnischen Pavillon während der Biennale in Venedig 2011. In der kritischen Schau auf die polnisch-jüdische Geschichte lässt sie Juden millionenfach in eines ihrer wichtigen Heimatländer zurückkehren und politische Bewegungen darauf reagieren. Das Jüdische Museum zeigt zu der Videotrilogie eine Art Archiv mit Objekten, die im Zusammenhang stehen mit Entstehung und Wirkung der Arbeit.

Als Auftragsarbeit für die aktuelle Ausstellung entstand "Malka Germania", hebräisch für Königin Germania. Bartana thematisiert darin die Sehnsucht nach einer kollektiven Erlösung nach gemeinsam durchlebten Ängsten. Zentrale Figur ist eine androgyne Messias-Gestalt, die zunächst alltäglich wirkende Szenen in Fantasien zu überführen scheint. Bilder von Gleisen, Koffern, Menschengruppen assoziieren historische Judenverfolgung ebenso wie aktuelle Bilder von Geflüchteten.

Die Bilder aus dem heutigen Berlin sind immer wieder verbunden mit Symbolen der Nazizeit, nichts lässt sich loslösen von der eigenen und der geerbten Vergangenheit. So steckt unter einer alltäglichen Szenerie im Strandbad Wannsee der antisemitische Sumpf: Bartana lässt in einer Computeranimation Albert Speers NS-Entwurf einer gigantischen "Halle des Volkes" auf dem Gewässer emporwachsen. Erstaunt, überrascht, überwältigt beobachtet von halbnackten Badegästen, israelischen Soldaten und der Messias-Figur gleichermaßen. Eine der Stärken von "Malka Germania" ist dabei, dass Bartana einen weiten Spielraum lässt für Interpretation und Assoziation.

"Yael Bartana – Redemption Now", Jüdisches Museum Berlin, bis 10. Oktober. Mehr zur Ausstellung im Monopol-Podcast

"Yael Bartana - Redemption Now" Videoinstallationen im Jüdischen Museum, Berlin
Foto: Wolfgang Kumm/dpa

"Yael Bartana - Redemption Now" Videoinstallationen im Jüdischen Museum, Berlin

Nadine Ijewere in Berlin

Im Januar 2019 machte – ziemlich spät – das erste „Vogue“-Cover mit einer Woman of Color Sensation. Die Fotografin: Nadine Ijewere, Anfang der 1990er in London geboren, unwillig, in der Modewelt weiter tradierte Schönheitsbilder zu reproduzieren. Mit ihrer Serie „Ugly“, die 2017 in der italienischen Ausgabe der „Vogue“ veröffentlicht wurde, hatte die britische Modefotografin bereits klassische Stereotype auf den Kopf gestellt. Das Fotoforum C/O Berlin präsentiert nun mit rund 80 Bildern und drei Filmen die weltweit erste institutionelle Einzelausstellung der 28-jährigen Modefotografie-Pionierin.

"Nadine Ijewere. Beautiful Disruption", C/O BERLIN, bis 2. September

 

Kunst von der "Drushba"-Trasse in Eisenhüttenstadt

Kunstwerke, die während des Baus der sowjetischen Erdgastrasse "Sojus" in den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden waren, werden ab Sonntag in einer neuen Ausstellung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gezeigt. Benannt ist die Schau nach dem Trassen-Abschnitt "Drushba" (deutsch: Freundschaft) in der heutigen Ukraine, für dessen Bau die DDR damals zuständig war. Die Ausstellung ist Teil der Kampagne "Kulturland Brandenburg", die sich in diesem Jahr der Industriekultur widmet.

Organisiert von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) waren Tausende Arbeiter und Ingenieure über Jahre an der Erdgastrasse im Einsatz. Von der DDR-Führung als "Jahrhundertprojekt" deklariert, wurde der Trassenbau von einer großangelegten Kulturkampagne begleitet, um die "Trasniks" genannten Bauarbeiter zu unterhalten und ihr Wirken zu dokumentieren.

Nicht nur Autoren und Musiker besuchten die Trasse, sondern auch bildende Künstler. Viele der damals entstandenen Gemälde, Grafiken, Fotografien und Zeichnungen sind heute Teil des Kunstarchives Beeskow (Oder-Spree). Eine Auswahl dieser Arbeiten wird ab Sonntag in der ersten Selbstbedienungskaufhalle gezeigt, die 1957/58 in der am Reißbrett entstandenen sozialistischen Stadt Eisenhüttenstadt gebaut worden war.

"Дружба! Die Kulturkampagne zum Bau der Erdgasleitungen", Kulturland Brandenburg, Eisenhüttenstadt, 6. Juni bis 3. Oktober

 

Vincent Fecteau in Kassel

Pappmaschee, Schaumstoff, Sektkorken, Eisstiele, Muscheln: Aus einfachen Materialien fertigt Vincent Fecteau Skulpturen und Collagen, die kleinteilig, monochrom und abstrakt, aber auch ausladend, farbenfroh und erzählerisch sein können. Das Fridericianum in Kassel präsentiert die erste institutionelle Soloschau des 1969 geborenen New Yorkers in Deutschland. Die mehr als 60 zwischen 1993 und 2020 entstandenen Werke in der Ausstellung reflektieren die Beschäftigung des Künstlers mit ästhetischen Fragestellungen wie soziokulturellen Entwicklungen.

"Vincent Fecteau", Fridericianum,Kassel, bis 5. September

Vincent Fecteau "Chorus #2", 1994
Foto: Aaron Wax, © Courtesy Vincent Fecteau und Galerie Buchholz, greengrassi, Matthew Marks Gallery

Vincent Fecteau "Chorus #2", 1994

 

Betye Saar in Köln

Betye Saar wird mit dem 26. Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ausgezeichnet. Im Rahmen der Preisvergabe an Betye Saar findet derzeit eine Ausstellung im Museum Ludwig statt.

Die 1926 in Los Angeles geborene Saar schafft seit über 50 Jahren Assemblagen aus gefundenen Objekten, die sie mit Zeichnung, Drucken, Malerei oder Fotografie kombiniert. Saars Werke kreisen um Rassismus, Gender und Spiritualität. Sie kritisierte immer wieder stereotype Identitätskonstruk­te, unter anderem griff sie die Arbeit der ebenfalls afroamerikanischen Künstlerin Kara Walker scharf an ("Verrat an all den Sklaven, insbesondere den Frauen und Kindern, und das alles vorwiegend zur Belustigung und für den Kaufwillen des weißen Kunstestablishments").

"Betye Saar - Wolfgang-Hahn-Preis 2020", Museum Ludwig, Köln, bis 12. September

Betye Saar "Mother Catherine", 1999
Foto: Robert Wedemeyer; Courtesy: die Künstlerin und Roberts Projects, Los Angeles Foto:

Betye Saar "Mother Catherine", 1999

 

Norbert Bisky in Leipzig

Der in Berlin lebende Bisky gilt als einer der wichtigsten deutschen Gegenwartskünstler. Mit "Disinfotainment" in der G2 Kunsthalle präsentiert er aktuelle Arbeiten von diesem Freitag an erstmals in einer Einzelausstellung in seiner Geburtsstadt Leipzig. "Der Fokus liegt vor allem auf meiner Auseinandersetzung mit Arbeiten der letzten Jahre, die etwas mit Medien zu tun haben, mit unserer Art, mit dieser Bilderflut und Informationsverarbeitung umzugehen", schilderte der 50-Jährige in seinem Berliner Atelier.

Seine Form der künstlerischen Auseinandersetzung steht dabei im Gegensatz zum Sujet. "Es ist auch verrückt, sowas mit Ölfarben zu machen, also Zeitverbindungen herzustellen mit Ausdrucksformen, die sehr alt und sehr traditionell sind, und trotzdem zu versuchen, sich irgendwie in der Gegenwart auszudrücken, Fragen zu stellen", sagte Bisky. Aber es gebe ja auch Menschen, die zeitgenössische Opern schrieben. "Ich fühle mich da eigentlich in guter Gesellschaft."

"Disinfotainment", G2 Kunsthalle, Leipzig, 26. September

Der Maler Norbert Bisky in seinem Atelier vor seinem Bild "Medienzeit", 2021
Foto: Annette Riedl/dpa

Der Maler Norbert Bisky in seinem Atelier vor seinem Bild "Medienzeit", 2021

 

Gallery Weekend in Paris

Am Gallery Weekend in Paris nehmen dieses Jahr so viele Händler teil wie noch nie. Mit 127 Galerien verzeichne das Kunstevent, das vom 3. bis 6. Juni stattfindet, einen Rekord, teilte die Pressestelle am Mittwoch mit. Das Gallery Weekend fand erstmals 2013 statt. Heute erstreckt sich die Veranstaltung auch auf den Ballungsraum Grand Paris, wo sich bedeutende Händler mit großen Ausstellungsräumen niedergelassen haben, wie der Amerikaner Larry Gagosian nahe dem Privatflughafen Bourget und der Österreicher Thaddaeus Ropac in Pantin, rund sechs Kilometer nordwestlich von Paris. Einige der Pariser Händler werden auch in Brüssel auf der "Art Brussels Week" vertreten sind, die zeitgleich stattfindet. In der belgischen Hauptstadt haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche französische Aussteller niedergelassen.

Paris Gallery Weekend, Paris, bis 6. Juni

 

Filmmuseum feiert 40. Geburtstag in Potsdam

Es ist das älteste Filmmuseum Deutschlands und seit vier Jahrzehnten im Marstall in Potsdam zuhause: Mit zwei Jubiläumsausstellungen – im Foyer des Marstalls und digital auf der Website – lässt das Haus die vergangenen Jahre Revue passieren. Die eine Schau berichtet nach Angaben des Museums von der ersten Filmtechnikausstellung, mit der das Museum 1981 eröffnet wurde. Sie erzählt zudem von der Schnelligkeit, mit der es in den 90er Jahren wuchs, als man aus den Studios der aufgelösten DEFA Objekte und Dokumente für die Sammlung barg. In einer zweiten, aber virtuellen Ausstellung sprechen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen über ihre persönlichen Werdegänge, Projekte und Arbeitsbereiche, wie das Museum am Mittwoch weiter mitteilte.

Mit vier Dauerausstellungen zur Filmgeschichte in Babelsberg, 127 Sonderschauen zu nationalen und internationalen Themen, 80 Foyerausstellungen und seinem Kinoprogramm zog das Haus bereits über drei Millionen Gäste an. Noch einmal drei Millionen Besucher und Besucherinnen sahen die Familienschauen zum Sandmann, zur Sendung mit der Maus und über "Die Digedags".

Filmmuseum Potsdam

Ausstellung "40 Jahre Filmmuseum Potsdam"
Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Ausstellung "40 Jahre Filmmuseum Potsdam"

 

Lyonel Feininger in Quedlinburg (Harz)

Die Lyonel-Feininger-Galerie soll am Mittwoch wieder für Besucher öffnen. Das teilte die Museumsdirektorin Gloria Köpnick am Montag mit. Das Museum in Quedlinburg (Harz) zeige eine Sonderausstellung mit dem Titel "Becoming FeiningerLyonel Feininger zum 150. Geburtstag". Die Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages des Künstlers fand zuletzt wegen der Corona-Bundesnotbremse nur digital statt.

"Becoming Feininger", Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg, bis 12. September

Die Ausstellung "Becoming Feininger"
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB

Die Ausstellung "Becoming Feininger"

 

Bazon Brock und Beuys in Wuppertal

Joseph Beuys und Bazon Brock haben einst zusammen Happenings veranstaltet und einen wesentlichen Beitrag für die Performance-Kunst geleistet. Legendär war eine 24-Stunden-Aktion 1965 in der Wuppertaler Galerie Parnass, an dem neben Beuys und Brock etwa auch Nam June Paik und Wolf Vostell teilnahmen. Wuppertal feiert nun mit einem Performance-Festival den Universalkünstler Beuys (1921-1986), der dieses Jahr 100 geworden wäre. "Wuppertal ist die Stadt der Performance und hier hat Beuys eine seiner ersten Aktionen durchgeführt", sagte Bettina Paust, Leiterin des Wuppertalers Kulturbüros.

Das größtenteils digital geplante Festival startet am 2. Juni - am 85. Geburtstag von Bazon Brock. Der "Denker im Dienst" und emeritierte Professor für Ästhetik und Kunstvermittlung hat verschiedene Gesprächspartner eingeladen, um sich in einer zehnstündigen Performance dem Gedankenkosmos von Beuys zu widmen.

"Ich trete aus der Kunst aus", heißt die Veranstaltung in Anlehnung an ein Beuys-Zitat. Teilnehmer sind unter anderem der Komponist Peter Heeren, der Soziologe Heinz Bude, die Bildhauerin Silke Rehberg, die Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich und Annekathrin Kohout sowie der Kurator Robert Fleck.

"Beuys-Performancefestival", Wuppertal Performance-Festival, Wuppertal, 6. Juni

Joseph Beuys mit Studierenden (von links: Johannes Stüttgen, Gerda Hühn, Chris Reinecke, Jörgen Dobloug, Fernand Ries) im 5. Ringgespräch, Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, Wintersemester 1967/68
Foto: Ute Klophaus, © bpk / Stiftung museum schloss Moyland/VG-Bildkunst, Bonn, 2021 / Ute Klophaus / Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung

Joseph Beuys mit Studierenden (von links: Johannes Stüttgen, Gerda Hühn, Chris Reinecke, Jörgen Dobloug, Fernand Ries) im 5. Ringgespräch, Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, Wintersemester 1967/68