Tipps & Termine

Wohin am Wochenende?

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Die Eröffnungen der Woche: Tipps für Berlin, Dundee, Hamburg, Herford, Köln, München, New York, Paris, Stommeln und Zwickau Gurlitt-Sammlung in Berlin
Die wegen ihrer NS-Vergangenheit umstrittene Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt ist in Berlin jetzt erstmals in einem kompletten Überblick zu sehen. Nach zwei Einzelausstellungen in Bern und Bonn bietet der Berliner Martin-Gropius-Bau von Freitag an sowohl einen Blick auf die Nazi-Aktion "Entartete Kunst" als auch auf den NS-Kunstraub. "Und wir haben den Focus noch mehr auf die menschlichen Schicksale gelegt, die hinter diesen Werken stehen", sagte Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn und Kurator der Schau, am Donnerstag bei einer Vorbesichtigung. Die "Bestandsaufnahme Gurlitt", so der Titel der Ausstellung, sollte am Abend mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und dem Berner Regierungspräsidenten Christoph Neuhaus eröffnet werden. Das Kunstmuseum Bern ist als Erbe des Gurlitt-Nachlasses mit beteiligt. Grütters erklärte vorab, die Schau sei kein Schlusspunkt der Aufarbeitung. "Im Gegenteil, sie ist ein Ausgangspunkt, von dem aus mehr Forschende als bisher mit besserem Rüstzeug als bisher der Wahrheit auf den Grund gehen können." Der Kunstfund Gurlitt hatte 2013 international für Aufsehen gesorgt. Die in Gurlitts Wohnungen in München und Salzburg entdeckte Sammlung stand unter dem Verdacht, Raubkunst aus der NS-Zeit zu sein. Trotz jahrelanger Forschung hat sich bisher allerdings erst bei sechs der rund 1500 Werke nachweisen lassen, dass sie früheren jüdischen Besitzern geraubt oder abgepresst wurden. (dpa)
Gropius Bau, bis 7. Januar 2019

Christian Fogarolli in Berlin
Im Spätmittelalter und der Renaissance glaubten die Nordeuropäer, dass für geistige Umnachtung und seelisches Ungleichgewicht ein winziger Stein im Gehirn verantwortlich ist. Damals versuchte man, den störenden Fremdkörper durch Schädelöffnungen loszuwerden. Christian Fogarollis erste Einzelausstellung in Deutschland, "Stone of Madness", beschäftigt sich genau damit. Fogarolli versucht, in Fotos und Skulpturen innere Krankheit und die Heilmittel sichtbar zu machen: Medizinische Instrumente, Archivbilder und Steine mit einzigartigen Eigenschaften haben einen Platz in dem Panoptikum der Unvernunft.
Mazzoli Gallery, bis November 2018

Victoria & Albert-Museum in Dundee
Die weltweit erste Außenstelle des Londoner Victoria & Albert-Museums wird in der schottischen Hafenstadt Dundee eröffnet. Stadtväter und Museumschefs erhoffen sich davon eine Wiederbelebung des ehemaligen Schifffahrts- und Handelszentrums an der Nordostküste Schottlands. Dundee hat rund 150 000 Einwohner. Erbaut wurde das spektakuläre Museum an der Tay-Mündung von dem japanischen Architekten Kengo Kuma, der auch das Stadion für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 baut. Die Kosten für das neue Design-Museum wurden auf 81,1 Millionen Pfund (91,1 Millionen Euro)  beziffert. Der Eintritt ist frei. (dpa)
V&A Dundee, wird am 15. September eröffnet

Otto Waalkes in Hamburg
Otto Waalkes ist nicht nur Komiker, sondern auch Zeichner und Maler. Zum 70. Geburtstag des Entertainers zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) eine Ausstellung mit rund 200 seiner Arbeiten. Viele seiner Grafiken und Leinwanddrucke sind eine Hommage an Werke berühmter Künstler wie Pablo Picasso, Roy Lichtenstein oder Caspar David Friedrich, die er um seine berühmten Ottifanten ergänzt hat. 1970 begann Waalkes ein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, doch sein Erfolg als Komiker ließ ihm später wenig Zeit zum Malen. Seit einigen Jahren besinnt sich Otto nun wieder auf die bildende Kunst.
Museum für Kunst und Gewerbe, bis 17. Februar 2019

Tiere und Design in Herford
Schnurrende Katzenfellwesten und Vierbeiner-Prothesen: Wie Künstler und Designer das widersprüchliche Verhältnis zwischen Mensch und Tier sehen, steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in Herford. Die mehr als 60 Exponate in der Schau "Kreaturen nach Maß - Tiere und Gegenwartsdesign" im Marta - dem Herforder Museum für Kunst, Architektur und Design - kreisen um den Drang des Menschen, sich Tiere zu nutzen zu machen, wie das Museum am Donnerstag mitteilte. Zu sehen ist etwa eine Prothese mit vier Beinen, die es dem britischen Designer Thomas Thwaites ermöglichen sollte, im Selbstversuch in die Rolle einer Ziege zu schlüpfen und im Vierfüßlergang felsige Hänge zu besteigen. Tierisches Imitat ist auch das Objekt "Purrrr" von Dietrich Luft: Die Weste aus Kunstfell vibriert und schnurrt bei Berührung und soll so wohltuend auf den Menschen wirken. (dpa)
Marta, 16. September bis 6. Januar 2019

Gabriele Münter in Köln
Das Museum Ludwig in Köln präsentiert in einer großen Werkschau mehr als 100 Gemälde von Gabriele Münter. Die gebürtige Berlinerin war eine höchst produktive Künstlerin, die Tausende Bilder malte, viel verkaufte und schon zu Lebzeiten in Skandinavien eigene Ausstellungen hatte. Durch die Verbindung zu Kandinsky wurde sie später aber vor allem als "die Frau von ..." wahrgenommen. Die große Schau mit mehr als 100 Gemälden, die zuvor im Lenbachhaus in München zu sehen war, macht vor allem deutlich, wie experimentierfreudig Münter war. Die Ausstellung zeigt viele interessante Verbindungen auf. So fotografierte Münter in Amerika in den Jahren 1899 und 1900 - fast noch zur Zeit des Wilden Westens - einfache Präriehütten, die in der weiten Fläche fast abstrakt aussehen. Ähnliche Häuser tauchen später in ihren bayerischen Landschaftsbildern wieder auf. Die meisten Werke Münters sind in einem expressionistischen Stil gehalten. In den 1920er-Jahren wandte sie sich kurzzeitig auch der Neuen Sachlichkeit zu. In den 1930er-Jahren passte sie sich bis zu einem gewissen Grad an die NS-Machthaber an: Zwei Bagger-Bilder von ihr hingen in der Ausstellung "Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst", bei deren Eröffnung Münter anwesend war. Nach dem Krieg lebte sie in ärmlichen Verhältnissen in Murnau bei Garmisch-Partenkirchen. Sie konnte kaum den Bäcker und den Friseur bezahlen - dabei lagerten bei ihr im Keller hinter Marmeladengläsern 80 Gemälde ihres Ex-Freundes Wassily Kandinsky. 1957 schenkte sie die Werke von heute unschätzbarem Wert der Stadt München, wo sie im Lenbachhaus zu sehen sind. Diese Geschichte ist an sich schon spektakulär, doch die Ausstellung im Museum Ludwig zeigt nun, dass Gabriele Münter auch als eigenständige Künstlerin von Rang gesehen werden muss. (dpa)
Museum Ludwig, 15. Septem­ber bis 13. Jan­uar 2019

Jörg Immendorff in München
Die Ausstellung "Für alle Lieben in der Welt" spannt einen Bogen vom Frühwerk des Malers bis zu seinen letzten Arbeiten aus dem Jahr 2007, kurz vor seinem Tod. "Er ist ein hochpolitischer Künstler gewesen", sagte der Hauptkurator des Hauses, Ulrich Wilmes, am Donnerstag in München. Insgesamt sind bis zum 27. Januar 2019 rund 200 Gemälde und Skulpturen zu sehen, auch aus Immendorffs berühmtem Bilderzyklus "Café Deutschland", in dem der Düsseldorfer seine persönliche Vision der Wiedervereinigung festhielt. Im Herbst 2019 soll die Ausstellung in Madrid zu sehen sein. Angestoßen hatte die Schau noch der ehemalige Direktor Okwui Enwezor, der im Juni aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Zuvor hatte das Haus turbulente Zeiten erlebt, auch weil dramatische Finanzprobleme bekanntgeworden waren. Die Immendorff-Ausstellung könnte nun wieder reichlich Besucher bringen. "Ich glaube, es ist zur richtigen Zeit, dass wir sie hier jetzt zeigen, gerade auch nach den Diskussionen, in die das Haus in den letzten Jahren geraten ist", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Bernhard Spies. (dpa)
Haus der Kunst, bis 27. Januar, 2019

Galerienwochenende in München
Münchner Galerien laden unter dem Titel "Various Others" zum neuen Kunstwochenende, das die ganze Stadt durchzieht. Nach dem Vorbild von Events wie "Condo" in London und "Okey Dokey" in Köln laden Münchner Galerien internationale Partner in ihre Räume ein und kuratieren gemeinsame Ausstellungen. Auch in den Museen der Stadt gibt es Vorträge und Veranstaltungen , während Performances und Partys im öffentlichen Raum alle Teilnehmer zusammenbringen.
Various Others, 14. bis 16 September

Blinky Palermo in New York
Palermo hatte von 1973 bis 1976 in New York gewohnt, seine letzten Bilder aber nach seiner Rückkehr aus den USA in Düsseldorf gemalt. Dort fand man sie nach seinem tragischen Tod 1977 auf den Malediven. "To the People of New York City" stand auf der Rückseite einer der 15 bemalten Metallplatten, und nach dieser Widmung wurde die Werkgruppe posthum betitelt. 1987 eröffnete in der 548 West 22nd Street, heute die Adresse von Hauser & Wirth, das Ausstellungszentrum Dia in Chelsea mit Palermos Werken. Jetzt werden sie im Dia-Gebäude an der 545 West 22nd Street nach 30 Jahren erstmals wieder in New York gezeigt, bevor die Ausstellungsräume vor einer großen Renovierung schließen. Wer möchte, kann in der anderen Location des Museums, dem Dia:Beacon, eine weitere fantastische Werkgruppe Palermos sehen: "Times of the Day" von 1975 wird dort permanent präsentiert. Doch die Metallbilder in Schwarz, Rot und Gelb, "To the People of New York City", sind Palermos Opus magnum. Mit ihnen reihte sich der Düsseldorfer Künstler in die Tradition der abstrakten Malerei und der Minimal Art weit vorne ein und verfolgte zugleich schon einen konzeptuellen Ansatz. Wie gern hätte man gesehen, wie es weitergegangen wäre. Es bleibt Spekulation, ob er mit den Variationen der Farben beider deutscher Flaggen auch auf seine eigene komplizierte Biografie anspielte: 1943 wurde er als Peter Stolle in Leipzig geboren, das Ehepaar Heisterkamp adoptierte ihn und seinen Zwillingsbruder. Palermo wurde mit 21 Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen, studierte bei Joseph Beuys. Als er starb, war er 33 Jahre alt. Besser als "To the People of New York City" wurde es nicht.
Dia:Chelsea, 15. September bis 16. Februar 2019

Wolfgang Tillmans in New York 
Der in Remscheid geborene Fotokünstler Wolfgang Tillmans (50) hat eine neue Ausstellung seiner Werke in New York eröffnet. "Jedes Bild ist ein Experiment", sagte Tillmans am Donnerstag bei einer Vorbesichtigung der Schau in der Galerie David Zwirner. "Ich versuche, so viel zu kontrollieren, wie es geht, aber auch loszulassen, wenn es passt. In meinem Studio habe ich ein Schild, darauf steht: 'Wisse, wann man auf aufhören sollte.' Das ist eine ständige Erinnerung." Die Ausstellung zeigt vor allem Fotos, Videos und Klang-Installationen. Tillmans sei derzeit "einer der vielbeschäftigsten Männer im Showbusiness", sagte der deutsche Galerist Zwirner. "Es ist klar, dass Wolfgang jetzt ein globales Phänomen ist, aber als ob das nicht schon genug wäre, ist er mit seiner Musik jetzt auch noch ein Popstar." Ende September wird der in London und Berlin lebende Fotokünstler den diesjährigen Kaiserring der Stadt Goslar entgegen nehmen, der als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen für moderne Kunst gilt. Bekannt wurde Tillmans in den frühen 90er Jahren mit Fotografien aus der Jugend- und Popkultur. Er macht unter anderem auch Videos und Musik. Im Jahr 2000 wurde ihm als erstem Fotografen und erstem deutschen Künstler der renommierte Turner Prize verliehen. (dpa)
David Zwirner, bis 20. Oktober

Weihgaben in New York
Eine Ausstellung, zu der auch rund 100 Objekte aus dem Bayerischen Nationalmuseum in München zählen, ist von Freitag an in New York zu sehen. "Agents of Faith: Votive Objects in Time and Place" zeigt Weihgaben aus mehr als 3000 Jahren und aus der ganzen Welt. Aus der Volkskunst-Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums sind unter anderem Bilder dabei, mit denen Menschen um Heilung für psychisch kranke Familienmitglieder oder für Gesundheit der Viehherden baten. (dpa)
Bard Graduate Center Gallery, bis 6. Januar 2019

Franz West in Paris
"Wenn man Neurosen sehen könnte, sähen sie so aus", hat Franz West einmal über seine "Passstücke" gesagt. Ob sie sich auch so anfühlen, kann nun in Paris erprobt werden. Das Centre Pompidou zeigt eine Retrospektive des 2012 verstorbenen Wieners, um dessen Erbe ein Rechtsstreit entbrannt ist (Monopol 9/2018). Schmutzig und laut, humorvoll und betont unpathetisch sind die Arbeiten des Autodidakten, der die Grenzen zwischen Werk, Künstler und Betrachter weitgehend ignoriert hat.
Centre Pompidou, 12. September bis 10. Dezember

Franz Erhard Walther in Stommeln
Zwei große Dreiecke mit irritierenden Ausbuchtungen können als Kunstwerk in den kommenden Wochen in der ehemaligen Synagoge Stommeln auf Tuchfühlung erlebt werden. Der auf der Biennale Venedig 2017 als bester Künstler ausgezeichnete Franz Erhard Walther hat für das Kunstprojekt "Synagoge Stommeln" die Arbeit "Zwei Körperformen GELB" geschaffen. Erst wenn man sich ganz nah an die Ausstülpungen an den senkrechten Seiten der mannshohen Dreiecke aus gelbem Baumwollstoff stellt, wird klar, dass damit die Konturen des menschlichen Körpers nachgezeichnet werden. Walther wolle den Betrachter zu einer intellektuellen, emotionalen und körperlichen Auseinandersetzung mit dem Werk anregen, erklärten die Kuratoren. Das jüdische Bethaus im Pulheimer Ortsteil Stommeln ist eine der wenigen Synagogen in Deutschland, die während der Nazi-Pogrome 1938 nicht zerstört wurde. Seit 1991 werden namhafte Künstler zu Projekten eingeladen. Gregor Schneider hatte die Synagoge 2014 hinter einer eintönigen Wohnhausfassade verschwinden lassen. Weltweites Aufsehen erregte 2006 Santiago Sierra, der Autoabgase in die Synagoge leitete. Der 79-jährige in Fulda lebende Walther wurde erst in den vergangenen Jahren von der Kunstwelt wiederentdeckt. Er hatte schon 1969 im Moma New York ausgestellt. (dpa)
Synagoge Stommeln, bis 18. November

Expressionistische Kunst in Zwickau
Die Kunstsammlungen Zwickau zeigen ab Samstag in einer neuen Sonderausstellung mehr als 100 Werke von hochkarätigen Malern wie Wassily Kandinsky, Karl Schmidt-Rottluff oder August Macke. "Diese farbenprächtigen Bilder waren in der damaligen Zeit alles andere als akzeptiert", sagte Museumsleiterin Petra Lewey am Donnerstag im Vorfeld der Ausstellungseröffnung. Sie seien eine künstlerische Reaktion auf die Verhältnisse nach 1900 gewesen. Zu den 18 Künstlern der Schau mit dem Titel "Back to Paradise - Meisterwerke des Expressionismus" gehören auch mehrere Arbeiten des in Zwickau geborenen Brücke-Künstlers Max Pechstein. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Osthaus Museum Hagen und dem Aargauer Kunsthaus Aarau. Zwickau ist die dritte Station. (dpa)
Kunstsammlungen, bis 6. Januar 2019, Eröffnung: 14. September

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