Statue für TV-Entertainer

Warum das Klaas-Denkmal wirklich gut ist

Der Entertainer Joko Winterscheidt hat seinem Kollegen Klaas Heufer-Umlauf ein Denkmal vor den Berliner Hauptbahnhof gestellt, das dort nun dauerhaft zu sehen sein wird. Was als Gag gemeint ist, erweist sich doch als willkommener Debattenbeitrag zu einer wichtigen Frage: Welche Kunst und Statuen wollen wir im öffentlichen Raum?

Die zwei Meter große Statue, die der Entertainer Joko Winterscheidt von seinem Kollegen Klaas Heufer-Umlauf anfertigen ließ, liegt ästhetisch genau zwischen einem vergoldeten Turkmenbashi und den Arbeiterdenkmälern von Constantin Meunier oder anderen Bildhauern des 19. Jahrhunderts. Ein bisschen Größenwahn, ein bisschen aufrichtige Bescheidenheit. Wo Klaas' Herz wäre, klafft ein rundes Loch, damit Pilger dort kleine Votivgaben platzieren können. Am Hinterteil der überlebensgroßen Figur ist als Service ein Kleiderhaken für Mäntel und Jacken der Besucher angebracht. Steigt man die Treppenstufen hoch, lässt sich auf Hüfthöhe der Bronzeplastik per eingebauten Flaschenöffner ein mitgebrachtes Getränk öffnen, das man dann auf den Stufen sitzend mit Blick aufs Regierungsviertel zu sich nehmen kann.

"Das ist das Dümmste, was du jemals gemacht hast", sagte Klaas Heufer-Umlauf, dem die Zeremonie mit Frack und Orchester sichtlich unangenehm war, bei der Enthüllung am Mittwochabend. Aber stimmt das? Für den Dargestellten war die öffentliche Überhöhung vielleicht genau die Beschämung, als die sie von Winterscheidt auch gedacht war. Aber wie alle Kunstwerke muss die Skulptur im Kontext gesehen werden. Sie regt im Sinne der "Relational Aesthetics" die Interaktion mit dem Laufpublikum an, sie reiht sich, historisch standortbewusst, ein in die Sozialistischen Realismus, aber auch in die "Soziale Plastik" der Bonner Republik.

Ein kleines Denkmal unter Freunden

Nicht zuletzt haben Denkmäler unter Freunden eine nicht unbedeutende Tradition am Berliner Hauptbahnhof: Bereits 2007 weihte der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn die gigantische Pferdeskulptur seines Kumpels Jürgen Goertz ein. Goertz ist ein im süddeutschen Raum wirkender Bildhauer, der vor alle Firmen, denen Mehdorn vorsteht, ein aus verschiedenen Metallteilen zusammengeschraubtes Riesenpferd hinstellen darf. So war es auch bei den Heidelberger Druckmaschinenwerken, die Mehdorn zuvor leitete, und gewiss war es auch für den Flughafen BER geplant, den Mehdorn aber, bevor es dazu kommen konnte, verließ. Ein Verfahren für die Vergabe der prominenten Stelle am Hauptbahnhof für das Denkmal hatte es damals übrigens durchaus gegeben, der Sachverständige war der Einfachheit halber Hartmut Mehdorn selbst.

So ist in beiden Fällen das Medium – Bildhauerei im öffentlichen Raum – im Sinne Marshall McLuhans die Botschaft. Es gibt sie, weil es geht. Was ist schon privat, was öffentlich, was kann man nicht auch irgendwie unter sich regeln? Und ist es nicht im Falle des Heufer-Umlauf-Schreins auch irgendwie ganz beruhigend, dass sich die Bahn durch das Erteilen der dauerhaften Genehmigung offenbar einen Imagetransfer verspricht? Gerade als Gegengewicht zu einem pseudofuturistischen, gigantomanischen Pferd, das mit großer Ernsthaftigkeit beispiellos die bundesrepublikanische Erstarrung und Rückwärtsgewandtheit verkörpert. Auf der anderen Seite, näher am Kanzleramt, darf jetzt stehenbleiben ein ironisch zwar zigfach gebrochener, aber sagen wir trotzdem: Held. Schließlich gibt es nicht viele Prominente, die in der letzten Zeit die ihnen zuteilwerdende Aufmerksamkeit so präzise wie Joko und Klaas umlenken. Auf die Omnipräsenz sexueller Übergriffe zum Beispiel oder auf die verheerende gesellschaftliche Geringschätzung von Pflegekräften.

Man sollte die Wirksamkeit dieser lächerlich gemeinten Figur jedenfalls nicht unterschätzen, auch als Vorschlag für das etwas verstaubte Genre Standbild. Statuen müssen etwas anzubieten haben, und sie sollten, wenn überhaupt, für moralisch integere Menschen errichtet werden.