Robert-Frank-Porträt läuft auf Mubi

Solche Fotografien gibt es nicht mehr

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Robert Frank ist der Fotograf schlechthin. Das Filmporträt "Don't Blink" setzt dem heute 93-Jährigen ein Denkmal

Für seine großangelegte Bildreportage über die Vereinigten Staaten reiste der schweizerisch-amerikanische Fotograf Robert Frank Ende der 50-Jahre viele Monate durch das Land und machte 28.000 Fotos, von denen er 83 zu seinem Buch "Die Amerikaner" zusammenstellte. Seine Porträts sollten Einblick geben, in die Seele einer Nation. Das bahnbrechende Werk durfte zunächst nur in Europa veröffentlicht werden. Es entsprach nicht dem Selbstbild Amerikas, denn es zeigte außer einer alltäglichen Wahrheit auch ein grimmiges und gieriges Amerika mit hässlichen Seiten und Konflikten zwischen Rassen und Klassen.

Robert Frank wurde 1924 in Zürich als Kind einer Schweizerin und eines deutsch-jüdischen Vaters geboren. 1947 emigrierte er in die USA, als Zeitgenosse und Begleiter der Beatpoeten Allen Ginsberg und Gregory Corso machte er Filme, auch die Rolling Stones beobachtete er auf Tour und drehte die Dokumentation "Cocksucker Blues". Frank gibt selber kaum etwas von sich preis, es existieren nur wenige Interviews. Gegenüber seiner langjährigen Mitarbeiterin und Cutterin Laura Israel öffnete der heute 93-Jährige sich wie selten zuvor und spricht ausführlich über sein Leben und Werk. So erklärt er, dass es ihm auf die technische Qualität gar nicht so sehr ankomme, sondern vor allem darauf, schnell zu sein. Ganz klar Ausdruck vor Mechanik.

Solche Fotografien gibt es nicht mehr, und zwar nicht nur, weil es solche Zeiten nicht mehr gibt. Sie vereinen auf eine so perfekte Art Komposition, Zufall, Licht, Oberflächenbeschaffenheit, Reflexe in Augen, die unbedingt etwas wollen, Schattierungen, Fotomaterialität selbst, alle Geschichten, die man über Amerika kennt, und alle, die man nicht kennt. Am Tag der Todesnachricht von Marilyn Monroe weiß das Strandmädchen mit der Flagge vermutlich noch nichts davon, wie sehr diese tote Schauspielerin ihr noch in die Quere kommen wird, wenn es um Rollen und Körper geht. Diese Geschichte des Davor und des Danach erzählt Robert Frank in fast jedem seiner Bilder. Und zwar paradoxerweise einzig deshalb, weil er so radikal auf den gegenwärtigen Moment setzt, ihn verstanden hat, bevor diejenigen es merken, die im Bild sind.

"Don't Blink – Robert Frank" lief 2015 im Panorama Dokumente der Berlinale – und kann jetzt auf der Streamingplattform Mubi angeschaut werden.

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