Die Monopol-Redaktion

Wagner-Festspiele

Surreales Bayreuth mit Neo Rauch und Rosa Loy

08/05/2018 - 20:23

Eindrücke von den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth: Uwe Eric Laufenbergs "Parsifal" läuft im dritten Jahr, Neo Rauch und Rosa Loy haben sich "Lohengrin" atemberaubend ausgemalt

Der Glaube lebt, die Taube schwebt? Ach was, stattdessen flattert eine Fledermaus durch das Finale des "Parsifal". Das Tier hat sich offenbar ins Bayreuther Festspielhaus verirrt, passt aber gut in Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung. In seiner Regie von Richard Wagners Abschiedswerk leistet die Gralsgesellschaft von Anfang an Flüchtlingshilfe. Am Ende tanzt eine Multikulti-Gesellschaft durch prasselnden Bühnenregen, Riesenpflanzen wachsen wild durcheinander. Und diverse Gläubige werfen ihre Kultgegenstände in einen Sarg. Weg mit Menora, Kruzifix oder Gebetskette. Mitleid verbindet alle Religionen. So verbrüdert sich der "Parsifal"-Chor am Ende auf der offenen Hinterbühne.

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Unterwegs im Ruhrgebiet

Auskommen mit dem, was da ist

07/30/2018 - 14:21

Im Ruhrgebiet kommt man traditionellerweise ganz gut mit dem aus, was schon da ist. Das zeigt sich auf produktive Weise in der Kunstwelt. Elke Buhr war in Essen, Bochum und Dortmund unterwegs

Vier gelbe Striche auf grauem Beton ergeben ein Heim. Die Punks jedenfalls, die sich im Raucherbereich des Ankunftsgleises auf dem Dortmunder Hauptbahnhof gerade lachend ein Bier öffnen, sehen aus, als würden sie hier nicht nur sitzen, sondern wohnen. Es ist ungefähr 37 Grad warm, die jungen Menschen drumherum wollen noch schnell zum Juicy Beats Festival in den Westfalenpark, aber ich werde mich an diesem Abend in meiner alten Heimat Ruhrgebiet auf die Suche nach Kunst machen. Bei der Mutter in Bochum leihe ich mir erst einmal ein Auto aus, das bevorzugte Verkehrsmittel der Region. Autobahnauffahrten sind hier so häufig wie anderswo Straßenkreuzungen, und der so genannte Ruhrschnellweg zwischen Dortmund und Mülheim ist so etwas wie das Wohnzimmer der Anwohner – wobei man dort häufig so unbeweglich im Stau steht, als säße man auf dem heimischen Sofa.

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Unterwegs in Berlin

Durch die Nacht mit Tee

07/23/2018 - 17:39

In der Kunst wird gerade gerne Tee zubereitet: Er hat Komplexität, Tiefe, Konsumierbarkeit und eine langanhaltende Wirkung

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Unterwegs in London

Stadt mit Schnappatmung

07/16/2018 - 11:22

Brexit-Chaos, WM-Aus, Trump-Baby: Saskia Trebing unterwegs in London, einer Stadt mit Schnappatmung

London war in den letzten paar Tagen eine Stadt mit Schnappatmung. Zuerst die Rücktritte der Brexit-Hardliner David Davis und Boris Johnson, dann der sportliche Brexit der Engländer aus der Weltmeisterschaft (theatralisch trauernd oder volltrunken auf dem kochenden Asphalt liegende Briten inklusive) und dann der Staatsbesuch von Donald Trump, der sich mit seinen Protokollbrüchen bei der Queen die medienwirksamste Majestätsbeleidigung seit Morrissey und den Sex Pistols geleistet hat.

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Shilpa Gupta in Baku

"Träume sind unzerstörbar"

07/10/2018 - 11:47

Die indische Künstlerin Shilpa Gupta hat im aserbaidschanischen Baku eine Ausstellung eröffnet, die um Redefreiheit kreist – in dem Land am Kaspischen Meer ein brisantes Thema

Die Show beginnt auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum. Die neuen Hochhäuser von Baku leuchten nicht einfach, sie sind Riesen-Screens für bewegte Bilder. Geometrische Lichtmuster huschen über die Fassaden, auf den Animationen werden Fahnen geschwenkt oder Großfeuer entfacht. Andererseits scheint eine geisterhafte Leere in der Hauptstadt Aserbaidschans zu herrschen. Als würde in der Metropole am Kaspischen Meer gar nicht für die Bewohner gebaut. Im kommenden Jahrzehnt sollen in Baku 500 neue Gebäude entstehen. Die drei "Flame Towers", die bis zu 200 Metern hohen Glastürme, sind bereits hochgezogen. Die Aserbaidschaner haben es eilig, ihre UdSSR-Vergangenheit hinter sich zu lassen. In einigen Vierteln dominieren noch die Betonklötze aus der Sowjetzeit. Was sich zumindest nachts mit Lichtkaskaden ganz gut überspielen lässt.

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Eröffnung im Barberini

Gerhard Richter verschwindet durch die Tiefgarage

07/02/2018 - 09:48

Gerhard Richter hat am Wochenende seine Ausstellung "Abstraktion" in Potsdam eröffnet. Silke Hohmann hat die Vernissage besucht und sich gewundert: Wo sind seine Malerkollegen?

Gerhard Richter hat gesagt, dass seine Bilder sich gegen die Realität behaupten können müssen. Gegen das, was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut, denn draußen stimme immer alles.

Das gilt vielleicht für die gesamte Welt, aber nicht für Potsdam. Denn wenn man im Auditorium im zweiten Stock auf der Fensterbank Platz genommen hat und nicht nach vorne zu Norbert Lammert schaut, der eine Laudatio hält, sondern nach draußen auf den gepflasterten Platz, dann stimmt nichts: Das Alte Rathaus im Stil einer Renaissance-Villa, die klassizistische Kirche, das Stadtschloss und das Gebäude, in dem man selbst sich befindet, das Museum Barberini, sind von einer kulissenhaften Makellosigkeit und erdrückendem Repräsentationswillen.

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Unterwegs auf der Manifesta 12 in Palermo

Die Welt von morgen

06/21/2018 - 12:06

Während das stinkreiche Deutschland über die Flüchtlingspolitik streitet, feiert die Manifesta in Palermo Vielfalt als kulturellen Reichtum. Ein Rundgang von Sebastian Frenzel

Vor der Chiesa di Sant'Anna stimmen schwarzgekleidete Frauen ein Lied an, Kinder tanzen dazu in loser Choreografie. Hibiskus, Orangen- und Zitronenbäumchen flankieren eine Steintreppe, an deren Ende Menschen ohne ersichtlichen Grund in die Hände klatschen. Auf der Piazza Vincenco Bellini hat sich derweil eine Festgesellschaft versammelt – es ist an diesem Frühsommerabend beim besten Willen nicht auszumachen, ob man sich noch auf der Manifesta befindet oder schon im ganz normalen Alltag Palermos, in dem von der Künstlerin Marinella Senatore initiierten Umzug oder in einer katholischen Prozession oder auf einer Feier zum Ende des Ramadans. Und vielleicht ist das ja auch ganz egal.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Basel, Basel

Selbstparodie inklusive

06/18/2018 - 14:49

Bei anderen Messen haben wir mehr gefeiert, dafür kippen auf der Art Basel schon mal Menschen um vor lauter Kunst. Eine Woche in der temporären Haupstadt des Kunstmarkts, aufgeschrieben von Elke Buhr

Basel ist schon an normalen Tagen eine seltsame Mischung aus Puppenstube und unglaublich viel Geld, und wenn die Art-Basel-Woche die reichen Menschen in die Stadt ruft, wird das nicht besser. Die französischen Fluglotsen versuchten mit einem Streik am vergangenen Montag noch kurzfristig das Schlimmste zu verhindern, aber trotz abgesagter Flüge – einige Berliner mussten ihren Platz im Easyjet-Flieger gegen acht Stunden in einem ICE der Deutschen Bahn tauschen – waren dann irgendwann doch alle eingetroffen in der perfekt renovierten Stadt am Rhein, fuhren mit dem perfekt funktionierenden Nahverkehr zu ihren Hotels (900 Franken pro Nacht, warum nicht?) und bereiteten sich auf den entscheidenden Moment vor: das Austernschlürfen am Dienstagmorgen.

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Eröffnungswochenende der 10. Berlin Biennale

Good bye, old BRD!

06/11/2018 - 11:33

Wo vor zwei Jahren noch blasse Hipster das Bild bestimmten, fühlt sich die Stadt zur 10. Ausgabe der Berlin Biennale an, als hätte sie endlich Anschluss an eine wirklich globale Szene gefunden. Beobachtungen am Eröffnungswochenende

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Eine Form der Ekstase

Unterwegs auf der ersten Riga-Biennale

06/04/2018 - 17:53

Jetzt hat auch Riga eine eigene Biennale. An den Eröffnungstagen und -nächten schwärmen die angereisten Besucher von einer Stadt, in der offenbar noch Platz ist, vom Licht, vom Meer - und harten Alkoholika. Daniel Völzke war dabei

Wenn niemand das Licht abdreht, geht auch keiner schlafen. Anfang Juni ist es in Riga um 23 Uhr immer noch hell, naja, jedenfalls nicht richtig dunkel. Die Sonne taucht nur ein paar Stunden in die Ostsee und kommt schnell mit einer neuen Zartheit zurück. Die Künstler und Gäste der Preview-Tage der ersten Riga-Biennale hangeln sich von Ausstellungsort zu VIP-Empfang, von Eröffnungsparty zum nächsten Ausstellungsort – und keiner klagt über Müdigkeit. "Die Geschwindigkeit ist die Form der Ekstase, mit der die technische Revolution den Menschen beschenkt hat", dieses Milan-Kundera-Zitat steht als Motto auf der ersten Seite des Biennale-Handbuchs, und wenn es neben den britischen Junggesellenhorden jemand schafft, in der eher beschaulichen lettischen Hauptstadt Ekstase und Geschwindigkeit zusammenzubringen, dann doch jutebeuteltragende Kunstwelt-Professionals.

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AfD-Demo und das Drumherum

Falsche Gegenwart

05/28/2018 - 11:39

Wohin bewegt sich unserer Gesellschaft? Sebastian Frenzel schaut sich in Berlin auf Demonstrationen und in Museen um

"Wenn die AfD die Antwort ist, wie dumm war dann die Frage?", steht am Sonntagmittag auf einem Demonstrationsbanner an der Berliner Siegessäule, und eigentlich möchte man es dabei belassen: die lustigeren Sprüche ("Wish you were queer"; "Liberté Egalité FckAfdé"), die bessere Musik, die Schönheit Tausender in der Sonne tanzender Körper, die Faktizität der Freude sind hier, die Botschaft simpel und richtig: gegen den Hass.

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