Anika Meier

Jahresrückblick 2017

Was schön war auf Instagram

12/29/2017 - 16:29

2017 ist das Jahr, in dem wir uns sicherlich alle ein wenig wohler gefühlt hätten. Leicht war das nicht, die Sache mit dem Wohlfühlen, weil plötzlich Trump im Weißen Haus saß und bis heute nicht ganz klar ist, ob er mit Politik oder Satire auf Dauersendung ist. 2017 wurde dann auch viel über Feminismus und die Rechte von Frauen gesprochen, weil Trump es irgendwie völlig okay findet, Frauen zwischen die Beine zu greifen und das ist natürlich alles andere als okay.

2017 ist auch das Jahr, in dem viel gebasht wurde: Merkel, Influencer und Kuratoren beispielsweise. Alle sollen sie weg, hörte man, weil sie wenig besser, dafür aber viel schlimmer machen: die Politik, den Alltag, die Kunst. Und während sich die Kritiker noch den Kopf über die Documenta 14 zerbrachen, zeigte Britney Spears auf Instagram wie einfach das mit der Kunst sein kann. Ein bisschen Mozart, ein bisschen Pleinairmalerei, fertig. Über die Documenta hat sie sich vermutlich eher weniger Gedanken gemacht, aber damit waren ja auch schon andere beschäftigt.

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Anika Meier

Ren Hang in Leipzig

Ein Riss in jedem Herzen

12/20/2017 - 11:43

Mit Ren Hang verlor die Kunstwelt 2017 einen Fotografen, der die Jugend in China so zeigt, wie sie gesehen werden will: frei, schön und mutig. In Leipzig ist die erste Einzelausstellung nach seinem frühen Freitod zu sehen

"Am 24. Februar 2017 entschied sich Ren Hang, Fotograf und Dichter, sein Leben im Alter von 29 Jahren in Peking zu beenden." Das steht als letzter Eintrag auf seiner Website geschrieben. Seine Bilder haben nicht nur ein Nachleben in den Sozialen Medien, aber dort haben sie es besonders schwer. Wer eins seiner etwas expliziteren Bilder postet, schließt meist gleich eine Wette mit ab, wie lange es dauern wird, bis Instagram löscht.

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Anika Meier

Netzkünstlerinnen-Schau in Leipzig

Es darf sich geärgert werden

12/01/2017 - 11:58

Mit "Virtual Normality – Netzkünstlerinnen 2.0" kuratiert Monopol-Bloggerin Anika Meier erstmals eine Ausstellung. Und stößt auf jede Menge Fragen: Was sind Themen, mit denen sich Netzkünstlerinnen heute befassen und aus welcher Notwendigkeit heraus? Wo schließen sie an feministische Positionen und Diskurse an? Und: Wie kann es sein, dass ein paar Haare an Frauenbeinen einen massiven Shitstorm auslösen können?

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Anika Meier

Stephen Shore und Instagram

Alles für Insta'!

11/28/2017 - 18:03

Stephen Shore, einer der bedeutendsten Fotografen der Gegenwart, hat seine Arbeit seit einigen Jahren ganz auf Instagram verlegt. Anlässlich von Shores aktueller Ausstellung im MoMA hat sich Monopol-Bloggerin Anika Meier seinen Account noch einmal genau angeschaut

Stephen Shore ist einer der bedeutendsten lebenden Fotografen. Das kann man mit allerbestem Gewissen sagen, ohne dabei zu übertreiben. Seine Biographie liest sich wie eine dieser Geschichten, die man nur glaubt, weil man weiß, dass sie wahr ist. Als er 14 Jahre alt war, kaufte das New Yorker Museum of Modern Art drei seiner Fotografien. Weil der junge Shore sich dachte, er könne ja mal dem damaligen Kurator Edward Steichen, seine Arbeiten zeigen. Mit 17 Jahren lief er Andy Warhol über den Weg und dokumentierte schon bald das Leben in der Factory. Mit nicht einmal 24 Jahren dann hatte Shore eine Einzelausstellung im Metropolitan Museum of Art, als erster lebender Fotograf wohlgemerkt.

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Anika Meier

Ausstellungsansichten in sozialen Netzwerken

Instagrammig muss es sein

11/01/2017 - 11:35

Einst waren es Blockbuster-Ausstellungen, die kritisch beäugt wurden. Heute sind es Ausstellungen und Kunstwerke, die wie dafür gemacht sind, auf Instagram geteilt zu werden. Fluch oder Segen für die Kunstwelt?

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Anika Meier

Autofotografie auf Instagram

Sonntagsparker

11/01/2017 - 10:47

Die Woche auf Instagram sieht vor, dass sonntags alte Karren gepostet werden. Einst waren Autos in Fotos auch Zeitstempel, die bei der Datierung halfen. Und heute?

Für Autos interessiere ich mich nicht besonders. Eigentlich gar nicht. Ich wohne in Hamburg, da braucht man kein Auto. Nicht wegen des Wassers, sondern weil man hier gut zu Fuß gehen oder mit der U-Bahn fahren kann. Radfahren ist wegen des Windes etwas anstrengend, deshalb lasse ich es, andere strampeln einfach gegen den Wind an. Autos fotografiere ich. Das stört mich. Ich mache es trotzdem. Weil es dieses Hashtag gibt, #asundaycarpic heißt es. Man macht für Instagram ja ab und an sehr viel Quatsch mit. Das #asundaycarpic gehört für mich dazu, weil die Follower es mögen, und es folglich mit den Likes besser klappt als bei traurigen Häusern etwa, die ich sehr gerne fotografiere. Hier der Beweis: Knapp 1.700 Likes gab es für diese Karre.

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Anika Meier

Instagram-Satire

Donald Trump, Kunstkritiker

10/02/2017 - 17:19

Donald Trump ist jetzt also auch Kunstkritiker. Zuzutrauen wäre es dem US-Präsidenten

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Anika Meier

Instagram-Typologie

Sind wir nicht alle ein bisschen Influencer?

09/28/2017 - 13:22

Insta-Kurator, -Künstler, -Fotograf: Auf Instagram gibt es nicht nur die belächelten Insta-Girls, sondern noch allerhand andere Influencer. Eine Typologie

Zuerst war Instagram an sich doof, dann Selfies, jetzt sind es Influencer. Gut, Selfies sind immer noch wahnsinnig doof, liest man hier und da. Nur Influencer nerven allgemein offenbar noch mehr, anders ist die tägliche Flut an Texten zum Thema nicht zu erklären. Influencer, das sind Menschen, denen ziemlich viele andere Menschen auf einem oder mehreren Kanälen in den sozialen Medien folgen und die dadurch, so die Werbelandschaft, Einfluss ausüben. Man könnte auch sagen: Influencer sind Reklametafeln auf zwei Beinen. Sie werden von Unternehmen beauftragt, um beispielsweise heute diese und morgen jene Uhr in einem Posting auf – sagen wir – Instagram zu bewerben. Im besten Fall kaufen deren Follower dann heute diese und morgen jene Uhr. Ein schöner Gedanke.

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Anika Meier

Angst vor sozialen Medien

Kalendersprüche für Kulturpessimisten

08/18/2017 - 14:02

In dieser Woche schrieben Zeitungen den Tod der Fotografie durch  Digitalisierung herbei und mäkelten am Van-Gogh-Facebook-Event "#SunflowersLive" herum. Doch von sozialen Medien geht keine Gefahr für die Kunst aus – im Gegenteil! Ein Kommentar

Am Sommerloch kann es nicht liegen. Wenn einem nämlich gar nichts mehr einfällt, könnte man sich einfach noch einmal über die Documenta und die angebliche Unfähigkeit ihrer Kuratoren beschweren. Das geht schließlich nicht jedes Jahr. Umso erstaunlicher, dass gerade jetzt in der "NZZ" ein Text unter dem Titel "Das Ende einer Kunstgattung: Die Fotografie versinkt im Massengrab" erschienen ist. Eine Ansammlung von Kalendersprüchen für Kulturpessimisten.

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Anika Meier

Parodie auf soziale Medien

Cindy Sherman ist jetzt auf Instagram – na und?

08/07/2017 - 11:17

Cindy Sherman, Meisterin der Selbstinszenierung und eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Welt, ist auf Instagram aktiv. Cool oder uncool?

Am 24. Mai hat der amerikanische Magnum-Fotograf Alec Soth ein Selfie-Video mit folgender Bildunterschrift geteilt: "Something about Twin Peaks being back on TV and Cindy Sherman being on Instagram --- @misterfriedas_mom @twinpeaks". Mir ist vor lauter Schreck fast das Smartphone aus der Hand gefallen.

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Anika Meier

Virtual-Reality-Ausstellung

"Es ist okay, geflasht zu sein"

07/28/2017 - 12:57

In virtuellen Welten herumzulaufen fühlt sich noch ein wenig an wie ein Computerspieleabend früher. Aber die Virtual-Reality-Ausstellung "Unreal" im NRW-Forum Düsseldorf lässt erahnen, wie anders die Kunstwelt für kommende Generationen aussehen wird

Eigentlich schaue ich mir Ausstellungen nur einmal an. Eine Ausnahme war vor einigen Jahren die Ausstellung von Gerhard Richter im Centre Pompidou. Damals lebte ich in Paris und es war schön, abends mit der Rolltreppe außen am Gebäude entlang ganz nach oben durch die Dunkelheit zu fahren, um dann fast ganz allein mit den Bildern von Richter im Museum zu sein. 

Gerade habe ich wieder mehrmals eine Ausstellung besucht, genau drei Mal. Nicht weil es einfach zu schön war, sondern weil ich mir nicht sicher war, wie "Unreal", eine Virtual Reality-Ausstellung, so der Untertitel, im NRW-Forum Düsseldorf überhaupt ist.

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