Abwesenheitsnotiz: Mario Pfeifer

Learning from Johannesburg …

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Was machen Künstler im Sommer? In unserer Serie "Abwesenheitsnotiz" bitten wir um ein Lebenszeichen. Mario Pfeifer verbringt Sommer im Winter

Letztes Jahr verbrachte ich den Sommer vorwiegend auf Montagsdemonstrationen bei Pegida in Dresden - zu Recherchezwecken.  Zuvor ließen mich São Paulo, Mexico City und Lagos größtenteils dem Berliner Grau entfliehen. Dieses Jahr verbringe ich dagegen den Sommer im Winter – in Johannesburg. Bei täglichen 24°C und nächtlichen 5°C lässt sich dies allerdings schnell vergessen. Blauer Himmel, Palmen, singende Vögel … Beheimatet in einem aus Beton gegossenen Atelierhaus befreundeter Künstler im Vorort Westdene, fühlt man sich wie in einer dörflichen Umgebung dieser Megapolis.

Man verbringt die Zeit wie im Urlaub: mit Wein, Büchern, diversen Streamingdiensten, und beschäftigt sich doch mit der Stadt: ihrer politischen, sozialen und ökonomischen Geschichte, Ordnung und Trennlinien. Eine komplexe und brutale Erfahrung. Komfortzonen des täglichen Lebens werden rasch zu Orten des eigenen Hinterfragens, und das mit viel stärkerer Vehemenz als ich es von anderen Orten kenne. Mit jeder Wendung verspürt man wie stark historische und aktuelle Prozesse das Leben eines jeden hier definieren.

Die Frage ob Sommer oder Winter, vacation oder research, tritt ganz schnell in den Hintergrund. Abwesend zu sein fällt mir schwer angesichts dessen, was hier spürbar ist. Und daher empfehle ich – egal zu welcher Jahreszeit – Johannesburg zu besuchen. Nicht der Abwesenheit, sondern eher des Bewusstseins wegen … learning from Johannesburg.

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