Kulturzentrum in Wedding

"Rocket Internet"-Gründer kaufen Berliner Uferhallen

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Eine Investorengruppe aus mehreren Privatpersonen, zu denen auch die Gründer des Unternehmens Rocket Internet (Zalando, Helpling) gehören, hat die denkmalgeschützten Uferhallen im Berliner Stadtteil Wedding gekauft, das 50 Ateliers beherbergt

Das berichtete die "Berliner Zeitung" am Mittwoch. Auf den rund 19.000 Quadratmetern der Uferhallen, die für Ateliers genutzt werden, arbeiten unter anderem Monica Bonvicini, Katharina Grosse und John Bock. Der Marktwert der früheren Reparaturhallen der Berliner Verkehrsbetrieb soll nach Informationen der Zeitung bei 30 Millionen Euro liegen, der Kaufpreis bei etwa 27 Millionen Euro. Das Land Berlin wollte bei dem Bieterwettstreit nicht weiter mitbieten.

Die ansässigen Künstler fürchten nun um ihre Arbeitsräume. "Diese Sorge ist berechtigt", sagt Bernhard Kotowski, Geschäftsführer des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) in Berlin, der "Berliner Zeitung". "Es ist nahezu ausgeschlossen, dass die Künstler zu den bisherigen Konditionen dauerhaft auf dem Gelände bleiben können."Leider gebe es keine rechtlichen Möglichkeiten "gegen diese Gier und gegen diesen Immobilienkapitalismus" vorzugehen.

Bisheriger Eigentümer war die Uferhallen Aktiengesellschaft, an die das Land Berlin vor zehn Jahren das damals 38.000 Quadratmeter große Areal verkauft hat – für sechs Millionen Euro. Auf dem Gelände finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Daniel Bormann, Chef der Berliner Firma Realace, versicherte der "Berliner Zeitung", die neuen Eigentümer hätten keine Pläne, das Konzept zu verändern. Es gehe um eine "behutsame Weiterentwicklung ohne Eile" und "langfristige Investitionen". Kunst und Kultur seien wichtige Bestandteile.

Gegen den Online-Modehändler Zalando, das bekannteste Investment von Rocket Internet, regt sich auch in Berlin-Kreuzberg Widerstand, da die Firma dort die Cuvrybrache östlich des Schlesischen Tors und der Oberbaumbrücke bebaut, ein symbolträchtiger Ort für die Berliner Stadtentwicklungspolitik.

Der rot-rot-grüne Senat hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bestand an öffentlich geförderten Arbeitsräumen für Künstler bis 2021 zu vervierfachen und kann damit erste Erfolge feiern.

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