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Neuer Präsident

US-Milliardär Forbes soll Pariser Antiquitätenmesse retten

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Nach Terrorangriff, Fälschungsskandal und Besuchereinbruch öffnet die edle Pariser Antiquitätenmesse wieder ihre Türen. Ihre Hoffnungen setzt sie dabei auf den US-Milliardär Forbes

Auf seiner Liste stehen Namen von Freunden, Bekannten und Kunstliebhabern. Rund 100 davon wollte der US-Milliardär Christopher Forbes persönlich zur Pariser Messe mit hochkarätigen Antiquitäten und Juwelen einladen. Denn Forbes ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender der Forbes Inc., die jährlich die Ranglisten der reichsten Menschen der Welt herausgibt. Er ist auch ein bekannter und leidenschaftlicher Kunstliebhaber. Mit Forbes als Präsident hoffen die Organisatoren die Edelmesse aus der Krise zu führen, in der sie seit geraumer Zeit steckt.

Er werde ein Maximum an amerikanischen Sammlern motivieren, aber auch ein Maximum an Sammlern aus der ganzen Welt, verkündete Forbes im Vorfeld der am Montag gestarteten Messe. Im vergangenen Jahr lockte das Event nur rund 22 000 Besucher an. Vor allem Sammler aus den USA blieben der Messe im Grand Palais nach dem Terrorangriff in Nizza im Juli fern.

Seinem Ruf scheinen viele gefolgt zu sein. Denn wie auf der Pressekonferenz am Montag bekannt wurde, gaben sich an dem VIP-Abend unter der prächtigen Glaskuppel des Grand Palais rund 850 Gäste ein Stelldichein. Wie viele davon potenzielle Käufer sind, wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ehe die Branchenmesse am 17. September zu Ende geht. Bis dahin präsentieren über 90 Händler und Juweliere aus mehr als 30 Ländern ihre Preziosen.

Zumindest am Montag hing neben den alten Drucken und Gemälden und Papierarbeiten von Pablo Picasso, Marc Chagall und Max Ernst nur hier und da der rote Verkaufspunkt. Auch bei den Artefakten aus Afrika und Ozeanien und den Geschmeiden, zu denen auch ein Collier aus 2000 Edelsteinen im Stil Monets und seiner Seerosen gehörte, hielt sich der Andrang noch zurück.

Die Messe findet seit mehr als einem halben Jahrhundert statt. Noch 2014 zog sie rund 75 000 Besucher an und zählte zu den Topevents der Branche. Zwei Jahre später ging die Zahl um mehr als 50 Prozent zurück. 

Die Gründe für diesen drastischen Rückgang: Ein Skandal um Fälschungen von Möbeln des 18. Jahrhunderts der monatelang hohe Wellen schlug und die Sammler verunsicherte, interne Konflikte und schließlich Terrorangst nach dem Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016. Laut Organisatoren waren deshalb vor allem US-amerikanische Sammler, aber auch Händler, zuhause geblieben.

Im Kampf gegen den Imageverlust setzt der Organisator der Messe, die Gewerkschaft der Antiquare (SNA), nun auf eine neue Struktur. Statt alle zwei Jahre wird sie von nun an jährlich organisiert und statt "La Biennale des Antiquaires" heißt sie "La Biennale Paris". Vor allem aber hat sie einen neuen Präsidenten, dessen Name seine Wirkung tut.

In Frankreich ist der frankophone und frankophile Geschäftsmann Christopher Forbes bekannt als Antiquitätenjäger und Mäzen. Im Jahr 2002 hat er die "American Friends of the Louvre" gegründet. Für Schlagzeilen sorgte er im März 2016, als er seine einzigartige Napoleon-Sammlung aus rund 1 300 Briefen und 500 Gemälden versteigern ließ.

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