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"Lampedusa 361" und "Monument"

Debatten um Kunst zum Gedenken an Zerstörung Dresdens

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Ein weiteres Kunstwerk sorgt in Dresden für hitzige Debatten. Im Gegensatz zur Eröffnung der Aleppo-Bus-Installation vor der Frauenkirche bleibt es bei der Einweihung eines symbolischen Flüchtlingsfriedhofs vor der Semperoper aber ruhig

Im Rahmen des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg ist am Freitag in Dresden ein weiteres Kunstprojekt eröffnet worden, das vor allem in Pegida-Kreisen für Empörung sorgt. Auf 90 Fotomatten werden auf dem Theaterplatz Bilder von Gräbern ertrunkener Flüchtlinge auf Sizilien gezeigt, die einen Friedhof vor der Semperoper symbolisieren sollen. Im Gegensatz zur Eröffnung des Friedensmahnmals "Monument", das seit Dienstag vor der Frauenkirche mit drei senkrecht aufgestellten Schrottbussen an das Leid der Bevölkerung im syrischen Aleppo erinnern soll, gab es bei der "Lampedusa 361"-Einweihung keine nennenswerten Störungen durch Anhänger des islamfeindlichen Bündnisses.

"Dieser Friedhof ist schwer zu ertragen. Aber wir müssen, wir wollen ihn ertragen", sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bei der Eröffnungsrede vor mehreren hundert Zuhörern. Die Fotos regten zum Nachdenken über das Leid der Menschen an, die auf der Flucht vor Gewalt und Elend auf dem Mittelmeer ums Leben kamen. "Es ist ein Mahnmal zur rechten Zeit am rechten Ort", sagte Hilbert. Das Kunstprojekt ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt und des Vereins Friends of Dresden Deutschland.

Einige Dutzend Gegendemonstranten aus dem Pegida-Umfeld protestierten am Rande des Platzes gegen das Projekt. Bis auf einzelne Zwischenrufe, Trillerpfeifen oder ein mehrmals laut hupend vorbeifahrendes Auto blieb es aber ruhig.

Die Gegner der Kunstprojekte sehen das Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch die Erinnerung an das Leid der Menschen in aktuellen Konflikten zurückgestellt. "Erst Paul, dann Ali GEDENKEN!" stand in falschem Deutsch auf einem Plakat hinter Styropor-Grabsteinen am Rande des Platzes. Die Polizei hatte potenziellen Störern der "Lampedusa 361"-Eröffnung einem Sprecher zufolge zuvor "Ansprachen gehalten" und die "Verhaltensregeln aufgezeigt".

Angesichts der aufgeheizten und teils aggressiven Debatte um das Gedenken an den 13. Februar 1945 meldeten sich die Intendanten Dresdner Kultureinrichtungen zu Wort. "Hass und Verachtung fallen auf die zurück, die eben diese Saat ausstreuen. Sie entlarven sich so als Gefährder unserer demokratischen Gesellschaftsordnung", heißt es in einer Erklärung. Zugleich stärkten die Kulturschaffenden Hilbert den Rücken, der bei der "Monument"-Eröffnung von einem Mob rechter Demonstranten niedergeschrien worden war und im Netz sogar Morddrohungen erhalten hatte.

"In den Drohungen und in der Hetze gegen den OB Hilbert bricht sich eine Entwicklung Bahn, der wir entgegentreten müssen. In der Geschichte unseres Landes gab es immer wieder Zeiten, in denen das Gemeinwohl durch engstirnig bornierte Hassredner und Demagogen in Gefahr geriet", schrieben die Intendanten von 16 namhaften Institutionen wie Semperoper, Philharmonie, Kreuzchor, Theater Junge Generation, Staatsschauspiel, Staatsoperette und Musikfestspiele.

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