Weltkunstschau in Kassel und Athen

Steuerzahlerbund fordert Konsequenzen für nächste Documenta

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Die finanziellen Nöte der Kunstausstellung Documenta lösen Fassungslosigkeit beim Steuerzahlerbund aus. Dass die Probleme erst kurzfristig aufgetreten sein sollen, will man dort nicht glauben

Der Bund der Steuerzahler fordert Aufklärung und Konsequenzen aus der finanziellen Schieflage der Documenta in Kassel. "Geschäftsführung und Aufsichtsrat hätten darauf achten müssen, dass das nicht aus dem Ruder läuft", sagte Joachim Papendick, Vorsitzender des Steuerzahlerbunds in Hessen, am Mittwoch. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Documenta finanzielle Probleme hat. Laut Medienbericht wollen die Stadt Kassel und das Land Hessen der Kunstausstellung mit sieben Millionen Euro aushelfen.

"Es muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass der Doppelstandort Kassel-Athen besondere Herausforderungen mit sich bringt", sagte Papendick. Die Vorgänge müssten schnell aufgearbeitet werden. Zudem müsse es Konsequenzen für die nächste Documenta geben. Bürgschaften von Stadt und Land lehnte Papendick nicht grundsätzlich ab: Wie man mit der Situation umgehe, sei "eine schwierige Frage", sagt er.

Über eine Bürgschaft der Stadt Kassel für die Documenta muss das Kasseler Stadtparlament noch entscheiden. Das Thema werde bei der nächsten Sitzung am 25. September auf der Tagesordnung stehen, sagte ein Sprecher der Stadt.

Die Kasseler CDU-Fraktion erwartet eine Aufarbeitung. Ob man der Bürgschaft zustimmen werde, könne er noch nicht sagen, erklärte Fraktionschef Michael von Rüden. Die CDU sei gegen den zweiten Documenta-Standort Athen gewesen. "Jeder hat aber ein Interesse, die Kunstausstellung für Kassel zu sichern", sagte er. Die SPD äußerte sich nicht. Im Kasseler Stadtparlament haben SPD, Grüne und Liberale Liste eine knappe Mehrheit mit einer Stimme.

Die Gewerkschaft Verdi beobachtet die Situation: "Wir gehen davon aus, dass alle Verträge mit den Beschäftigten eingehalten werden und diese ordentlich bezahlt werden", sagte die zuständige Gewerkschaftssekretärin Ellen Sandrock-Becker. Bisher habe sich kein Gewerkschaftsmitglied der Documenta gGmbH an Verdi gewandt.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) ist Aufsichtsratsvorsitzender der Documenta gGmbH. Er hatte am Dienstag "drohende finanzielle Engpässe" bestätigt. Man bereite Sicherheitszusagen der Gesellschafter für die Documenta vor. Zur Höhe von Bürgschaften machte er keine Angaben. Laut der Tageszeitung "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) wollen das Land Hessen und die Stadt Kassel je 3,5 Millionen Euro übernehmen.

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