Abwesenheitsnotiz: Moritz Frei

The Slow Motion Picture

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Was machen Künstler im Sommer? In unserer Serie "Abwesenheitsnotiz" bitten wir um ein Lebenszeichen. Moritz Frei hört sich Filme im Kino an

Dienstag, 26. Juli, 27°C, leicht bewölkt

Dienstag, einer der unauffälligeren Tage der Woche. Ich bin mit Hannes zum Kino verabredet und habe beschlossen, dass heute ein guter Tag ist, sich endlich mal einen Film anzuhören ohne ihn zu sehen: Listening to movies #01. Die Idee schwebt mir schon seit einigen Jahren im Kopf herum. Gut Ding will wie so oft Weile haben, außer Hochfrequenzhandel, der nicht. Die Wahl des Filmes überlasse ich meiner Begleitung und das Rennen macht Star Trek Beyond. Während die Werbung läuft, setze ich meine Tags zuvor im Drogeriemarkt gekaufte Schlafmaske auf. Das beigefügte Kühlgel-Pad lasse ich weg, die Temperatur im Saal verlangt nicht danach, ebenso wenig meine Augenringe befinde ich. An der Melodie des Intros von Paramount Pictures höre ich, dass es losgeht. Es folgen Star Trek typische Melodien, dann gewaltige Explosionen, Phaserschüsse, kurze Dialoge, mehr Phaser, noch mehr Explosionen und Alienstimmen. Teils bewegt sich der Klang durch den Raum. Dann folgen noch mehr gewaltige Explosionen, Phaserschüsse, noch kürzere Dialoge, noch mehr Phaserschüsse und noch mehr Geräusche bzw. Sprachfetzen extraterrestrischer Lebensformen. Als ich nach ca. 20 Minuten trotz eines halben Liters Club Mate einschlafe, Kaffee trinke ich ja immer noch nicht, habe ich bereits hoffnungslos den Faden verloren und Hannes ist so freundlich, mich bis kurz vor dem Ende nicht zu wecken. Nur an ein Detail meines Traumes kann ich mich noch erinnern: Die Slow Motion, das Motorboot aus den sechziger Jahren, mit dem wir den vorgegangenen Samstag über die Spree getuckert sind. War Slow Motion nicht auch der böse gemeinte Untertitel, mit dem bitter enttäuschte Fans den ersten Star-Trek-Kinofilm versehen haben? Star Trek: The Slow Motion Picture anstelle von The Motion Picture.

 

Mittwoch, 3. August, 17°C, bewölkt

Eigentlich wollte ich mich heute mit Frieda, einer der drei zauberhaften Assistentinnen meiner letzten Ausstellung "Cosmic Latte", auf ein Gläschen Sekt im Café Sibylle treffen. Anlass gewesen wäre das nachträgliche Anstoßen auf ihren einundachtzigsten Geburtstag. Aufgrund des schlechten Wetters beschließen wir aber unsere Verabredung zu verschieben.

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