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Mode-Ausstellung in New York

Für immer in Style

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Die Designabteilung des MoMA in New York fragt: "Is Fashion Modern?" und sucht nach dem Ewigen in der Mode

So abhängig vom Neuen wie die Mode sind wenige Branchen. Garantiert bringen die Modefirmen zweimal im Jahr neue Kollektionen heraus – manche aber auch acht. Der große Alexander McQueen machte schon 2003 seine Runway-Show zu einem Tanzwettbewerb, der erst mit dem Zusammenbruch der Tänzer endete. Seine Vorlage war der Film "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" (1969) von Sydney Pollack, was so genial war, dass danach alle nur noch immer mehr von ihm wollten.

Gleichzeitig gibt es die Dinge, die ewig Mode sein werden. Das MoMA hat jetzt sein gesamtes sechstes Stockwerk freigeräumt, um analytisch und anschaulich diese "Items" zu untersuchen. Der Kuratorin Paola Antonelli fiel dazu deutlich mehr ein als das "kleine Schwarze", das ohnehin ein wenig überschätzt wird: Als Modefloskel ist es zwar berühmt, spielt aber im echten Leben keine große Rolle. Ganz im Gegensatz zur schwarzen Lederjacke.

Genau 111 Objekte – Kleidungsstücke wie Accessoires – verkörpern in der Ausstellung das, was sich in 100 Jahren Mode eben genau nicht verändert hat. Und sie sind keineswegs der Feind der Branche, sondern werden einfach immer wieder neu entdeckt, weiterentwickelt oder in andere Zusammenhänge gestellt. Ballerinas zum Beispiel, mit Karriere vom Tanzboden bis ins Büro. Wie immens der Einfluss von Sport auf die Alltagskleidung ist, zeigt eine eigene Sektion in der Ausstellung, vom Polohemd über die Converse All Stars bis hin zu Yohji Yamamotos Y-3.

Was aber ist es eigentlich, das die eine Jeans zum Klassiker werden lässt, während die andere nur zwei gute Sommer hat? Gibt es eine Art Essenz, einen Wesenskern in diesen Dingen, der alles überlebt und überdauert? Vermutlich sind es vor allem die Geschichten dahinter: Was wäre das bretonische Ringelshirt ohne Pablo Picasso? Und was wäre daraus geworden, wenn Jean Paul Gaultier in den 80er-Jahren die Story nicht noch einmal neu erzählt hätte?

Darum luden die Ausstellungsmacher Modestudios ein, ausgewählte Stücke aus der Ausstellung neu zu interpretieren und nach dem aktuellen Stand der Technik weiterzudenken. Laduma Ngxokolo aus Südafrika wird eine neue Version des Lambswool-Pullovers vorstellen, die Waliserin Lucy Jones dem Thema Strumpfhose ein Update geben, Kerby Jean-Reymond nimmt sich Pierre Cardins legendäre Cosmos Collection noch einmal vor. Denn auch die Klassiker brauchen immer wieder eine neue Version ihrer selbst. Ohne das Neue können sie nicht Mode bleiben, sondern müssen Museumsstücke werden.

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