Gemeinsames Statement

Nominierte kritisieren Preis der Nationalgalerie

ANZEIGE

Die vier Nominierten für den Preis der Nationalgalerie haben in einem gemeinsamen Statement aus ihrer Sicht problematische Aspekte der Auszeichnung angesprochen

Die Künstlerinnen Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska seien "davon irritiert, dass in Pressemitteilungen und öffentlichen Reden statt der Inhalt unserer Arbeiten permanent unser Geschlecht und unsere Nationalitäten im Fokus waren. Es liegt auf der Hand, dass in einer wirklich gleichberechtigten Welt unser Geschlecht und unsere nationale Herkunft kaum eine Rolle spielen würden." Den Veranstaltern unterstellen sie deshalb eine "selbstgefällige Verwendung von Vielfalt als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit", die das Risiko birgt, "die gravierenden systemischen Ungleichbehandlungen zu verschleiern, die auf allen Ebenen des Kunstbereichs nach wie vor bestehen."

Außerdem kritisieren sie die Vergabezeremonie im Hamburger Bahnhof, die "mehr ein Feiern der Sponsoren und Institutionen zu sein schien als eine Gelegenheit sich mit den Künstlerinnen und ihrer Arbeit auseinanderzusetzen".

Der Preis der Nationalgalerie wird vergeben von der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, den Freunden der Nationalgalerie und BMW als Hauptsponsor. "Die Preisvergabe wurde erst nach zahlreichen Reden und Performances bekannt gegeben, auf eine Art und Weise, die sich nur als 'große Enthüllung' bezeichnen lässt", heißt es im Statement der Nominierten, die deshalb vorschlagen, dass der Sieger oder die Siegerin zu Beginn der Gala bekannt gegeben wird.

Als dritten Punkt krisieren die Künstlerinnen, dass der Preis nicht dotiert ist und die Nominierten kein Honorar für die Ausstellungen und öffentlichen Veranstaltungen erhalten. "Die Logik das Künstler_Innen nur für Aufmerksamkeit arbeiten trägt direkt zur Normalisierung der unregulierten Lohnstrukturen bei, die im Kunstbereich allgegenwärtig sind, sowie zur Ausweitung des Einflusses des kommerziellen Sektors über alle Aspekte des Kunstfeldes", heißt es im Statement.

Die Auszeichnung wurde am 20. Oktober im Hamburger Bahnhof an Agnieszka Polska vergeben. Die Nominierten-Ausstellung ist dort noch bis zum 14. Januar zu sehen. Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska wollen mit ihrem Statement eine Diskussion anregen, auch weil sie die angesprochenen Probleme bezeichnend finden "für weitreichendere und wachsende Tendenzen in der Kunstwelt".

Die Nationalgalerie begrüßt das Statement der vier Nominierten. Die angesprochenen Aspekte "nehmen wir ernst, weshalb wir bereits mit ihnen in Kontakt sind, um diese grundsätzlichen Fragen offen zu diskutieren."

Der Preis der Nationalgalerie wird seit 2000 alle zwei Jahre vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Monica Bonvicini, Omer Fast und Cyprien Gaillard und Anne Imhof.

Drucken

Weitere Artikel aus Interpol