Art Map Ruhr Nr. 2

Mülheim a.d. Ruhr, Essen, Gelsenkirchen

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MÜLHEIM

Kunst und Wasser
Art and Water

Das beste Frühstück in Mülheim a. d. Ruhr gibt es in der Kaufbar unweit des immer gut besuchten Einkaufszentrums Forum City. Bagel und Ciabatta, frisch aufgebrühter Kaffee und tolle Kuchen: Die Kaufbar ist ein tolles, detailverliebt eingerichtetes Café. Aber weiter: Knapp zehn Gehminuten sind es von hier zum Kunstmuseum (3) der Stadt. Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr sitzt seit 1994 in der ehemaligen Hauptpost und begrüßt die Besucher mit einem schön gestalteten Platz, auf dem Bildhauer Otto Herbert Hajek ein Relief mit Brunnen gestaltet hat. Die Sammlung bietet hochkarätige Werke aus Expressionismus und klassischer Moderne, dabei sind Künstler wie Beckmann, Ernst, Kirchner, Heckel, Nolde, Marc und Macke. In den ambitionierten Wechselausstellungen wird die Brücke bis in die Gegenwartskunst geschlagen. Begibt man sich vom Museum aus in Richtung Ruhr, so begegnet einem dort das avancierteste Projekt der hiesigen Stadtplanung. Ruhrbania soll einmal ein Freizeitort am Wasser werden, mit Marina und mediterranem Flair. Nimmt man ein Getränk in der vortrefflich sortierten Hafenbar, so ist davon, zumal bei gutem Wetter, durchaus schon etwas zu spüren. Für Veganer verfügt die Stadt über ein besonders gutes Restaurant: Ronja vegan liegt am Rande der Altstadt, in der Nähe des Kirchenhügels, und ist den 15-minütigen Fußmarsch vom Fluss aus durchaus wert. SinanBozkurt und Hasan Kalkan haben mit einem erfolgreichen Veggie-Food-Truck angefangen und begeistern an diesem Standort seit 2015 die Fans der fleischlosen Küche.

Kaufbar, a short distance from the shopping mall Forum City, has the best breakfast in Mülheim a. d. Ruhr. Bagels and ciabatta, freshlymade coffee, and great cakes: It’s a lovely café, with great attention paid to detail as far as the fittings are concerned. From there it is just under ten-minutes’ walk to the city's Kunstmuseum (3). Since 1994 this has been housed in the former main post office, and welcomes visitors with a beautifully designed plaza, for which the sculptor Otto Herbert Hajek created a relief with fountain. The collection features important Expressionist and classic Modernist works by, for example, Beckmann, Ernst, Kirchner, Heckel, Nolde, Marc and Macke. The ambitious temporary exhibitions display contemporary art. Moving on from here in the direction of the river Ruhr, you come across what is the city’s most ambitious urban planning project. Ruhrbania is intended to become a recreational venue by the water, with a marina and Mediterranean flair. If you take a drink at the extremely well-stocked Hafenbar, there is certainly a sense of just that, especially in good weather. For vegans Mülheim a.d. Ruhr has a particularly good restaurant: Ronja vegan is on the edge of the Old Town, close to the "Kirchenhügel" elevation, and is well worth the 15-minute walk from the river. Previously, Sinan Bozkurt and Hasan Kalkan had a successful veggie food truck, but have been enthralling fans of vegan cuisine here since 2015.

Foto: PACT Zollverein/Axel Hartmann

Foto: PACT Zollverein/Axel Hartmann

Ein Zentrum für Tanz und ihm verbundene Künste: PACT Zollverein

ESSEN

Museum und Club
Museum and Club

Das Museum Folkwang (13) ist der Pflichtbesuch im Ruhrgebiet. Der 2010 eröffnete Neubau von David Chipperfield ist wunderbar offen, hell und transparent, ein wahrer Begegnungsort mit der Kunst, wozu auch der täglich freie Eintritt in die ständige Sammlung beiträgt. Einige Schritte entfernt nur liegt die Galerie Obrist. Torsten Obrist und Juri Czyborra zeigen hier Gegenwartskunst, die ein vergleichsweise junges Publikum anlockt. Der nächste eindrucksvolle Hochkultur-Leuchttum im Nahbereich ist die Philharmonie am Rand des Stadtgartens. Oder man biegt gleich ab zur "Rü": So nennen die Essener die Rüttenscheider Straße (14), die mit unzähligen gastronomischen Betrieben der zentrale Nachtlebenort der Stadt ist. Lässig-szenig geht es im Banditen wie wir oder in der Zweibar zu. Im nicht weniger interessanten Hinterland der Rü lassen sich in der eher klassischen Künstlerkneipe Le Chat Noir sehr gut Wein und Snacks miteinander verbinden. Wer nun richtig Lust auf Nachtleben hat, der sollte zwei sehr gegensätzliche Orte unbedingt besuchen: Das Traditionslokal Ampütte ist eine durch und durch echte authentische Ruhrpott-Bierschwemme mit entsprechender Besetzung an Tresen und Tischen. Hier gibt es die letzte Currywurst der Nacht. Techno und Party in global-urbaner Ausprägung wird dagegen im Goethebunker begangen. Raue Betonwände, ausrangierte Kinosessel, schummrige Beleuchtung und reichlich Discokugeln bestimmen das Bild.

Museum Folkwang (13) is an absolute must for visitors to the Ruhr region. Opened in 2010, David Chipperfield’s extension is wonderfully open, bright, and transparent, somewhere you really can encounter art, which free entrance to the permanent collection every downday helps. Galerie Obrist is just a few steps away. Torsten Obrist and Juri Czyborra display contemporary art here that attracts a comparatively young clientele. The second cultural heavyweight in the vicinity is the Philharmonie near the Stadtgarten. But you might also choose to head for the "Rü." This is how locals refer to Rüttenscheider Strasse (14), whose countless bars and restaurants make it the city's main nighttime venue. Things are trendy and laid-back in Banditen wie wir and Zweibar. The more classic artist’s hang-out Le Chat Noir in no-less interesting off-Rü is the perfect place to enjoy wine and snacks. And if you really are in search of night life you really ought to visit two very different places: Ampütte is a traditional, thoroughly authentic "Ruhrpott" watering hole with the type of customers you would expect sitting at the bar and the tables. You'll not get a "currywurst" this late anywhere else. By way of contrast, there is techno music and a global, urban style of party in the Goethebunker. Rough concrete walls, discarded cinema seats, dim lighting, and plenty of mirror balls set the scene.

Kino und Kirche
Cinema and Church

Hier muss man ins Kino gehen: Die Lichtburg (10) besitzt mit 1250 Plätzen den größten Kinosaal Deutschlands. Besonders in den 50er- und 60er-Jahren gaben sich hier die Weltstars die Klinke in die Hand, allmählich gewinnt das aus dem Jahr 1928 stammende Gebäude wieder seinen Status als legendäres Premierenkino zurück. Hierher kam zuletzt die Deutschland-Premiere von "Toni Erdmann", und auch die analoge 70-mm-Fassung von Tarantinos "The Hateful 8" fand eine glamouröse Roadshow-Präsentation. Schräg gegenüber lockt das Grillo-Theater, das in seinen Inszenierungen viel Platz für Pop hat. Zuletzt erlebte etwa Thees Uhlmanns Debütroman hier seine Dramatisierung, und Film-Berserker Jörg Buttgereit holte die Zombies ins Haus.

You just have to see a movie here: The Lichtburg (10) has 1,250 seats, making it Germany's largest cinema auditorium. In the 1950s and 1960s in particular, a never-ending stream of big names could be seen here, and now the building, which dates from 1928, is slowly winning back its status as the legendary movie house for premieres. The Germany premiere of "Toni Erdmann" was screened here, and there was a glamorous roadshow for the analogue 70-mm version of Tarantino's "The Hateful 8." Directly opposite, the Grillo Theater's program is full of pop culture. Recently, for example, it featured the dramatization of Thees Uhlmann's first novel, while the film fanatic Jörg Buttgereit had zombies appear there.

Foto: Bernadette Grimmenstein

Foto: Bernadette Grimmenstein

Das Grillo-Theater, Spielort des Schauspiels Essen

 

Flaniert man durch die stets trubelige Fußgängerzone, eine der beliebtesten des Ruhrgebiets, sind es nur wenige Meter bis zum Essener Dom (11), dessen Schatzkammer von großem kunsthistorischem Interesse ist. Im Dom zu sehen ist die Goldene Madonna, das älteste rundplastische Marienbild der Welt. Etwas abseits der vielen Top-Lagen der Essener Innenstadt findet sich seit Kurzem in der Kreuzeskirche (9) ein anderer Schatz: die weltweit einzigen Kirchenfenster des 2011 verstorbenen New Yorker Pop-Art-Stars James Rizzi. Jesus sieht aus wie ein gut gelaunter Popstar, umgeben von charmant bebrillten Engeln, alles schön bunt und psychedelisch. Wer der Psychedelik eine weitere Chance geben will, der besuche den grellsten Club der Essener City. Das Hotel Shanghai ist für exzessive Nächte bekannt. Zeremonienmeister ist Kay Shanghai.

Strolling along the ever-busy pedestrian precinct it is only a few meters to Essen Cathedral (11), whose treasury is of great art-historical interest: It boasts, for example, the Golden Madonna, the oldest known sculpture of the Virgin Mary. Not too long ago, somewhat set back from the many top locations in downtown Essen, another treasure went on public display at Kreuzeskirche (9): The only church window in the world by the New York pop art star James Rizzi, who died in 2011. Jesus looks like a cheerful pop star surrounded by charmingly bespectacled angels, it's all very colorful and psychedelic. And if you want to give psychedelia another chance, you have to visit downtown Essen’s most dazzling club. Hotel Shanghai is well known for its excessive parties. The MC is Kay Shanghai.

GELSENKIRCHEN

Baukunst und Burger
Architecture and Burgers

Ein Musiktheater, das auch ein Baukunst-Museum ist: Gelsenkirchen hat das wohl schönste Opernhaus des Ruhrgebietes. Architekt Werner Ruhnau hat hier vor einem halben Jahrhundert in einem visionären Akt großartige Künstler versammelt: Im Musiktheater im Revier (16), kurz MiR, finden sich filigrane Röhrenplastiken von Norbert Kricke, kinetische Arbeiten von Jean Tinguely, Robert Adams' weißes Betonrelief vor dem Eingang und die vielleicht größten Monochrome der Welt, die Schwammreliefs im "Gelsenkirchener Blau" von Yves Klein. Ach ja, musiziert und getanzt wird hier auch auf höchstem Niveau. Und danach? Durch die kleine Innenstadt erreicht man in gut zehn Minuten einen neuen Klassiker der Burgerbuden-Kultur. Bang Bang Burgers & Bier residiert in einem Backstein-Expressionismus-Eckhaus aus den 20er-Jahren und verbindet Burger-Braterei mit stylisher Club-Atmo. Das Fleisch stammt vom Dorstener Weiderind, Klassiker ist der "Ernst Kuzorra seine Frau ihr Burger". Getrunken wird das Biergebräu GE-Bräu. Sucht man dann Kneipenkultur in der Innenstadt, drängt sich eigentlich nur eine Schänke auf: Rosi liegt nahe dem Hauptbahnhof und verfügt über ein nettes Publikum. Cem Özdemir (nicht der bekannte Grüne) hat hier eine gemütliche Mischung aus Kneipe, Café und Szenesalon aufgebaut, in der Livemusik und Livelesungen zu Hause sind.

A musical theater that doubles up as an architecture museum: Gelsenkirchen has what has to be the most beautiful opera house in the Ruhr region. 50 years ago the architect Werner Ruhnau assembled great artists here: The Musiktheater im Revier (16) or MiR for short boasts filigree tubular sculptures by Norbert Kricke, kinetic works by Jean Tinguely, Robert Adams’ white concrete relief in front of the entrance, and what is perhaps the world’s largest monochrome, the sponge reliefs in "Gelsenkirchen Blue" by Yves Klein. Oh, and there is top-flight music and dancing here as well. And afterwards? Via the petty downday town area, in a good ten minutes you get to a new classic of burger joint culture. Bang Bang Burger & Bier is located in a 1920s Expressionist brick corner building and combines burger frying with a stylish club atmosphere. The meat is sourced from free-range cattle in Dorsten, and the classic dish is "Ernst Kuzorra seine Frau ihr Burger." GEBräu is the brand of beer served. If afterwards it’s pub culture you’re looking for downtown, there is only one place: Rosi is close to the main station and attracts a pleasant clientele. Cem Özdemir (not the well-known German Green politician) has established a cozy mixture pub, café, and trendy salon here, and there is also live music and readings.

Foto: Pedro Malinowski

Foto: Pedro Malinowski

Foyer des Musiktheaters im Revier mit den Schwammreliefs von Yves Klein

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