Vermeintlich "anzügliches" Kunstwerk

Met Museum verteidigt Balthus-Gemälde

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Das New Yorker Metropolitan Museum of Art hat das Gemälde "Thérèse, träumend" (1938) des Künstlers Balthus gegen Vorwürfe "sexueller Anzüglichkeit" verteidigt

Eine von Mia Merrill am 30. November gestartete Online-Petition hatte von dem Museum gefordert, das Gemälde abzuhängen. Angesichts der aktuellen Debatten um sexuelle Belästigung und den vermehrt öffentlich werdenden Beschuldigungen würde das Museum durch die öffentliche Präsentation des Gemäldes "Voyeurismus und die Objektivierung von Kindern romantisieren". Die Petition hat seit ihrem Start bislang mehr als 10.000 Unterzeichner gefunden.

Das Gemälde zeigt Balthus' 12- oder 13-jährige Nachbarin Thérèse Blanchard mit hochgerutschtem Rock, gespreizten Beinen und geschlossenen Augen auf einem Stuhl sitzend. In ihrem Statement schreibt Merril, der Künstler sei für seine "Vernarrtheit in pubertierende Mädchen" bekannt gewesen und dass sie sich seitens des Museums einen pflichtbewussteren Umgang in Bezug auf die Kontextualisierung solcher Werke wünsche.

Gegenüber der "New York Times" äußerte sich der leitende Pressesprecher des Met, Ken Weine, zu dem Protest: "Solche Fälle bieten Gelegenheit zum Reden. Bildende Kunst ist eins der bedeutendsten Mittel, das uns zur Verfügung steht, um über Vergangenheit und Gegenwart zu reflektieren sowie um die kontinuierliche Weiterentwicklung existierender Kultur durch sachkundige Diskussion und Respekt für kreativen Ausdruck zu fördern."

Es ist nicht das erste Mal, dass Balthus' Kunst Protest hervorruft. 2014 sagte das Essener Museum Folkwang eine geplante Polaroid-Ausstellung von Balthus ab, da die Schau "zu ungewollten juristischen Konsequenzen und einer Schließung der Ausstellung führen könnte." "Thérèse, träumend" wurde 2007 im Museum Ludwig gezeigt. Der deutsch-polnisch-französische Maler Balthus (eigentlich: Balthasar Kłossowski de Rola) lebte von 1908 bis 2001 und gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

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