Cindy Sherman im MoMA

Meisterin des Maskenspiels

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Gezeigt werden mehr als 170 Fotografien von Shermans Karriere-Anfängen in den 1970er Jahren bis heute. Sherman zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen inszenierter Fotografie. Für ihre Bilder setzt sich die New Yorker Künstlerin gerne mit aufwendigen Kostümen, Make-up oder Requisiten in Szene.

Im MoMA ist Sherman unter anderem als Milchmädchen, Aristokratin, Frisörin oder Model zu sehen. Mit dabei ist auch die gefeierte "Untitled Film Stills"-Serie (1977-80), in der die Künstlerin – inspiriert vom Film-Noir und dem Hollywood der 50er- und 60er-Jahre – in Schwarzweiß stereotype Frauenrollen jener Zeit für die Kamera inszeniert.

Fragen weiblichen Rollenverständnisses, von Identität, Gewalt und Sexualität stehen im Mittelpunkt von Shermans Selbstporträts. Dabei pocht die Künstlerin darauf, nicht mit ihren Bildern eins zu sein, sondern lediglich die Darstellung, den Ausdruck zu suchen. "Keine dieser Figuren bin ich. Sie sind alles andere als ich. Wenn mir etwas zu ähnlich wird, dann wird es abgelehnt", sagte Sherman vor kurzem in einem Interview mit der "New York Times".

Deshalb ist sie auch sehr kritisch umgegangen mit Porträtanfragen amerikanischer Magazine im Vorfeld der Retrospektive: Annie Leibovitz hat sie für die US-"Vanity Fair" fotografiert, Mario Sorrenti für "Harper's Bazaar". Für Monopol 3/2012 hat sie Paul Kranzer fotografiert - im Wiener Josephinum. In diesem anatomischen Schaukabinett traf sie Holger Liebs zum Gespräch über Fake, Perücken, Zukunftspläne, Horror, Illusion und Schönheit."Das heutige Schönheitsideal ist ein Effekt der Modeinsustrie, es kommt von all diesen Bildern in den Magazinen", sagte die Künstlerin gegenüber Monopol.

Gegen Hässlichkeit habe sie nichts einzuwenden, sagte sie auch der "New York Times": "Ich wollte immer anders sein als die anderen Mädchen, die Prinzessinnen oder Feen oder hübsche Hexen sein wollten. Ich war dann immer die hässliche Hexe oder das Monster." (dpa/monopol)

Museum of Modern Art, New York, bis 11. Juni 2012

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