Thomas Kellein als Zeuge

Kunsthistoriker brachte Betrugsaffäre Achenbach ins Rollen

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Die Betrugsaffäre um den einflussreichen Kunstberater Helge Achenbach ist durch einen Hinweis eines zeitweiligen engen Mitarbeiters ins Rollen gekommen. Im Prozess gegen Achenbach gab der renommierte Kunsthistoriker Thomas Kellein am Montag Details über die Geschäfte Achenbachs preis.
Achenbach (62) habe bei einigen Kunstverkäufen an den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer «hohe Preisaufschläge» vorgenommen, sagte Kellein als Zeuge vor dem Landgericht Essen in einer zweieinhalbstündigen Vernehmung. Da er für Achenbach nur als Berater gearbeitet habe und nicht in die Geschäftsvereinbarungen einbezogen gewesen sei, habe er aber zunächst keinen Verdacht geschöpft, sagte Kellein. «Ich habe gedacht: Na ja, so ist es halt.»
Die Kunstverkäufe zwischen Achenbach und Boehringer wurden über Kunstberatungsfirma Berenberg Art Advice abgewickelt, deren Geschäftsführer Achenbach und ein Mitangeklagter waren. Allerdings seien die Kunstwerke zunächst direkt von der Achenbach Kunstberatung gekauft worden und nicht wie ursprünglich geplant über die Berenberg Art Advice, sagte der Syndikusanwalt der Hamburger Privatbank als Zeuge. Berenberg habe eine «transparente Preisgestaltung» gewollt. Die Kunstwerke sollten demnach zum Einkaufspreis plus einer Provision an die Kunden der Kunstberatung weitergegeben werden.
Achenbach hatte den 59-jährigen Kellein speziell als Berater für den Aufbau der Sammlung für Boehringer engagiert. Kellein sagte, er habe in einem Fall auch einen «Bonus» von Achenbach in Höhe von rund 200 000 US-Dollar erhalten, diesen aber später zurückgezahlt, als ihm Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien.
Nach drei Geschäften mit Boehringer zwischen Dezember 2012 und Mai 2013 habe er gemerkt, dass «irgendetwas nicht stimmt», sagte Kellein. Achenbach habe Preisaufschläge vorgenommen, «die ich nicht mehr mittragen konnte». Bei dem bevorstehenden Verkauf eines weiteren Kunstwerks - ein frühes Bild von Georg Baselitz - sei bei ihm dann «der Groschen gefallen».
Er habe die beiden Gesellschafter der privaten Berenberg Bank über die Vorgänge bei der Art Advice informiert. «Ich habe gemerkt: Es ging darum, Kunst billig einzukaufen und teuer zu verkaufen», sagte Kellein. Die Kunstberatungssparte der Bank wurde nach einem Warnbrief Kelleins an die Bank aufgelöst. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Bank habe Achenbach «einen Fehler eingeräumt», sagte der Berenberg-Anwalt.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem seit Juni 2014 in Untersuchungshaft sitzenden Achenbach vor, nicht nur Kunden der Berenberg Art Advice, sondern vor allem den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht betrogen zu haben. Allein Albrecht soll bei 22 Kunst- und Oldtimerverkäufen von Achenbach um rund 23 Millionen Euro geschädigt worden sein.
Der Schaden, der Boehringer und einem weiteren Ehepaar bei Geschäften Achenbachs entstand, beläuft sich laut Anklage auf insgesamt 1,8 Millionen Euro. Achenbach habe Boehringer Anfang Januar 2014 mit gut einer Million Euro entschädigt, sagte der Berenberg-Anwalt. Das Kunstgeschäft mit dem Ehepaar wurde von der Berenberg Art Advice laut Anklage rückabgewickelt.
Achenbach hatte am ersten Prozesstag ein Teilgeständnis abgelegt. Er hatte eingeräumt, teilweise «unberechtigte Aufschläge» bei den Kunstverkäufen an seinen Duzfreund Albrecht vorgenommen und auch die Preise auf Rechnungen eigenhändig nach oben manipuliert zu haben. Zu seiner Arbeit als Gesellschafter der Berenberg Art Advice hatte Achenbach sich nicht geäußert.


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