Protest im virtuellen öffentlichen Raum

Künstler beschmiert digitale Koons-Skulptur

ANZEIGE

Kampf um den virtuellen öffentlichen Raum: Der New Yorker Künstler Sebastian Errazuriz hat eine digitale Version von Jeff Koons' Skulptur "Balloon Dog" mit Graffiti beschmiert

Koons, einer der teuersten lebenden Künstler der Welt, hatte sich mit dem Instant-Messaging-Dienst Snapchat zusammengetan, damit Smartphone-Benutzer seine Ballon-Skulptur mit Hilfe einer Augmented-Reality-Funktion virtuell im New Yorker Central Park platzieren können. Unter Augmented Reality (AR) versteht man die digitale Ergänzung im Moment, in dem der User die Szenerie vor sich durch die Handy-Kamera auf dem Handy sieht. In diesem Fall wird also das Kunstwerk zum Bild vom Park hinzugefügt.

Nur einen Tag, nachdem Koons und Snap, das Unternehmen hinter Snapchat, die Funktion veröffentlicht haben, hat der in Chile geborene New Yorker Sebastian Errazuriz eine eigene, graffitibeschmierte AR-Version der Skulptur produziert. Per Ortsbestimmung verankerte er das vorher heruntergeladene und digital bemalte Digitalwerk mit einer selbstproduzierten AR-App an der genau gleichen Stelle im Park.

"Wir sollten uns fragen, wie viel von unserem virtuellen öffentlichen Raum wir an Unternehmen abgeben wollen", schreibt Errazuriz auf Instagram. "Mit der Zeit werden die Grenzen zwischen der Realität und der virtuellen Realität verschwimmen. Die virtuelle Welt, in der die Mehrheit unserer sozialen Interaktionen stattfindet, wird unsere Realität." Der Vandalismus ist Ausdruck des Protestes: "Wenn Snapchat und Jeff Koons die ersten sind, die ein GPS-verortetes, kommerzielles AR-Kunstwerk erschafft haben, dann sind wir die ersten, die es beschädigen, um dessen Legitimierung in Frage zu stellen", so der Künstler weiter.

 

Das Online-Magazin "Vrodo", das sich mit Augmented und Virtual Reality beschäftigt, hält die Fragen, die Errazuriz aufwirft, für berechtigt: "Mit dem Aufkommen technisch fortschrittlicher AR-Brillen dürfte die digitale Sphäre die physische Welt noch stärker überlagern und ein noch größerer Bestandteil der gesellschaftlichen Wirklichkeit werden, als sie heute ist. Es ist gut vorstellbar, dass es in einer solchen Zukunft einen gemeinschaftlich geteilten AR-Kanal gibt, der von Unternehmen ebenso umkämpft sein dürfte wie der physische Raum."

On corporate Geo-Tagging and the upcoming Augmented Reality #augmentedreality #snapchat #jeffkoons

Ein Beitrag geteilt von Sebastian Errazuriz (@sebastianstudio) am

Drucken

Weitere Artikel aus Interpol