Messe-Highlights

7 Dinge, die man auf der Art Basel/Hongkong nicht verpassen sollte

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Noch bis Samstag zeigt die Art Basel in Hongkong zeitgenössische Kunst. Unsere Highlights von der Messe

Lustigste Nachwuchskünstlerin
Die 1988 geborene Cao Yu aus Peking zeigt bei der Galerie Urs Meile einen kleinen Raum, der ganz der Erotik gewidmet ist. Die weißen Gemälde haben hübsche kleine Löcher wie bei Lucio Fontana, nur dass hier explizit auf die Vagina angespielt wird. Und auf dem Boden wippen pink glitzernde Tücher vor sich hin: Darunter ist ein Vibrator versteckt. Die Installationen heißen "Mount Fuji": Der japanische Vulkan könne auch jederzeit ausbrechen, so wie der weibliche Körper, erklärte die Künstlerin.

 

Ehrlichster Künstler
Der Berliner Konzeptkünstler Daniel Knorr präsentiert bei der Galerie Nächst St. Stephan wunderschön bunte Wandbilder, die entstehen, indem er wie ein Zahntechniker Abdrücke von Pfützen nimmt und die Formen dann ausgießt. Das sei seine "Commercial Line", erklärt er fröhlich. Nur von Konzeptkunst kann der Mensch ja nicht leben. Man wünschte, alle Künstler wären so ehrlich. Doug Aitken zum Beispiel: So großartig die Filme und Land-Art-Projekte des Kaliforniers sind, so langweilig und offensichtlich auf das Geldverdienen ausgelegt sind seine Wandbilder aus Schaum, zu sehen bei Victoria Miro.

Künstler Daniel Knorr vor einer seiner Arbeiten am Stand der Galerie Nächst St. Stephan

Künstler Daniel Knorr vor einer seiner Arbeiten am Stand der Galerie Nächst St. Stephan

 

Schönste Malerei
Auf der Art Basel Hongkong sind fast alle Galerien recht vorsichtig und haben viel "Flachware" im Angebot – mit Installationen glaubt man hier (noch) nicht so viele Verkäufe zu tätigen. Sehr gelungen ist die Konstellation von Menschenbildnissen von Marlene Dumas und Alice Neel bei David Zwirner. Bei Gagosian feiert Takashi Murakami mit einem riesigen Wimmelbild ein Comeback. Das krasseste Einzelbild ist aber wahrscheinlich "Ban de Soleil" von Dana Schutz, frisch aus dem Atelier bei Contemporary Fine Arts.

Alice Neel bei David Zwirner

Alice Neel bei David Zwirner

Murakami bei Gagosian

Murakami bei Gagosian

Dana Schutz bei Contemporary Fine Arts

Dana Schutz bei Contemporary Fine Arts

 

Spacigste Installation
Den Weltraumpreis gewinnt mühelos Ming Wong, der bei der Galerie Vitamin Creative Space aus Guangzhou einen Raum  mit einer schicken Mischung aus Raumschiffsetting und historischer chinesischer Bühnenmalerei dekoriert hat und sich selbst in silbernen Raumanzügen in retrofuturistisch aufgemachter Fotografie zeigt, dazu gibt es Filme.

 

Beste Gesamtinstallation
Als aufwendiges Gesamtkunstwerk hat auf der Art Basel/Hongkong kaum eine Galerie ihre Koje inszeniert: Das Niveau ist zwar gut, aber nicht besonders experimentell. Ein überzeugendes Ensemble hat Isabella Bortolozzi zusammengestellt: Die Mischung von rauen Textilgemälden von Oscar Murillo, einem glatt-coolen Metallbild von Seth Price und auf Schaufensterpuppen präsentierten "Looks" von Anthony Symonds wirkt unwiderstehlich stylish.

 

Gruseligste Installation
Die "Encounters"-Sektion für die großformatigen Installationen ist in Hongkong nicht in einer eigenen Halle, sondern immer in breiten Gängen zwischen den normalen Messekojen platziert, was den Gesamtparcours auflockert. Pio Abad (Galerie Silverlens) zeigt hier unter dem Titel "Not a Shield, but a Weapon" eine eindrucksvoll aufgereihte Armee von 180 Handtaschen, in den Philippinen hergestellte Billigkopien von der Tasche, die Margret Thatcher zu tragen pflegte. Doch der leise Horror der neoliberal globalisierten Weltwirtschaft wird getoppt von dem echten Schaudern, dass die lebensecht nachgebildeten Toten von Shen Shaomin (Galerie Map und Galerie Osage) hervorrufen: Er hat die wichtigsten kommunistischen Staatschef von Lenin über Mao bis zu Ho Chi Minh in gläsernen Särgen nachgebildet – nur Castro, gerade verstorben, liegt noch ohne Deckel auf dem Totenbett.

 

Bestes Side Event
Wer es durch die Mega-Baustelle des zukünftigen Kulturzentrums von Hongkong in West Kowloon zu dem Pavillon geschafft hat, wo das im Bau befindliche M+ Museum bereits kleinere Ausstellungen präsentiert, wird mit einer herzerwärmenden Dosis Glamour belohnt: In der Ausstellung "Ambiguously Yours: Gender in Hong Kong Popular Culture" lernt man die großartig androgynen Sänger des so genannten Cantopop kennen, kann originale Federkostüme und Plattencover bestaunen und erstaunliche Filmausschnitte mit Frauen, die Männer spielen (oder umgekehrt) sehen: Das Hongkong aus Wong Kar-Wais Filmen.

Eine Fotografie des Cantopop-Sängers Roman Tam

Eine Fotografie des Cantopop-Sängers Roman Tam

Cantopop-Sänger Roman Tam auf einem Cover

Cantopop-Sänger Roman Tam auf einem Cover

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