Philomene Magers als Zeugin beim Achenbach-Prozess

Der Teufel im Detail

ANZEIGE

Wenn Diskretionen ans Tageslicht gelangen, freut sich das Publikum. Wenn es aber erfährt, dass es im Diskreten vollkommen anstandslos zugegangen ist, ist es enttäuscht. So kann man den Endruck gewinnen, dass sich ein Teil der Beobachter des Strafprozesses gegen den Kunstberater Helge Achenbach geradezu sehnsüchtig herbeiwünscht, dass mit ihm auch der gesamte Kunstmarkt in den Abgrund fahre. Dem steht aber die Korrektheit vieler Marktteilnehmer entgegen.

Am Donnerstag sagte Philomene Magers, die zusammen mit Monika Sprüth eine erfolgreiche Galerie in Berlin und London betreibt, als Zeugin in dem Prozess aus. Sie war geladen worden, weil Achenbach eine Rechnung der Galerie zu seinen Gunsten gefälscht hatte, was er bereits gestanden hat. Magers hatte vier Arbeiten des Fotokünstlers Andreas Gursky an Achenbach verkauft, die dieser an den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer weiterverkaufte.

Diese Vierer-Serie mit dem Titel "O.T. XII" (2000), Fotos von zuvor veränderten Texten aus Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften", befand sich in New York, ihr Zustand sei nach mehreren Lagerumzügen und Ausstellungen unklar gewesen. Zudem wäre der Transport nach Europa sehr teuer geworden, teurer als eine Neuproduktion. Deshalb habe Gursky in Absprache mit dem Sammler die Fotos in Deutschland neu produzieren lassen.

Diese neuen Abzüge seien dann in London verkauft worden, die Rechnung sei auch in London gestellt worden. Die New Yorker Motive seien nach der Neuproduktion zu unverkäuflichen Ausstellungskopien umgewidmet worden. Ein üblicher Vorgang: Die Versicherung für die kostbaren Originalabzüge können sich heute viele Ausstellungsinstitutionen nicht mehr leisten. Magers konnte damit Berichte entkräften, nach denen Gursky seine Serie durch eine Neuauflage erweitert habe.

Verwirrung habe es später in Sydney gegeben, wo ein Museum, die Art Gallery of New South Wales, eine Arbeit aus der Sechser-Auflage der Musil-Motive gekauft habe, sagte Magers. Das Museum habe auf seiner Website angegeben, die Nummer 2 von 6 des dritten Motivs aus der Serie zu besitzen. Das habe aber gar nicht der Fall sein können, weil doch Boehringer diese Nummer 2 gekauft habe. Und zweimal darf eine Auflage nicht produziert werden. "Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagte Magers.

Der Grund des Missverständnisses: Das Museum hatte einen Fehler aus einer Rechnung einer Galerie, mit der Gursky mittlerweile nicht mehr zusammenarbeitet, übernommen; das Bild besitzt in Wirklichkeit die Nummer 6. Der Webeintrag wurde mittlerweile korrigiert.

Drucken

Zurück zur Übersicht

Weitere Artikel aus dem Dossier