Die Monopol-Redaktion

Künstlerin Judith Bernsteins Trump-Bild

Triumph of the Willy

11/12/2016 - 14:54

Judith Bernsteins auf Donald Trump gemünztes Bild "Cockman #5" passt zur Lage wie der gezielte Tritt in die empfindlichste Zone eines Chauvinisten

Judith Bernstein malt und zeichnet Schwänze, seit fünf Jahrzehnten. Man kann die Arbeiten der feministischen Künstlerin geschmacklos finden, aber vielleicht muss man den Geschmack, die Contenance, den Stil in bestimmten Momenten hintanstellen.

Der deutsche Außenminister hat Donald Trump nicht zum Wahlsieg gratuliert. Ein kleiner, menschlicher Fauxpas oder ein starkes Stück für einen Diplomaten? Über Steinmeiers Weigerung gibt es zu Recht eine politische Diskussion. In der Kunst muss die Fuck-Off-Geste so oder so erlaubt sein: Bernsteins "Cockman #5", eine auf Trump gemünzte Wiederholung ihres "Cockman always rises"-Motivs, passt jedenfalls zur Lage wie der gezielte Tritt in die empfindlichste Zone eines Chauvinisten.

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Die Monopol-Redaktion

Alte Meister, immer geliebt

"Kruzifix noch einmal!"

10/24/2016 - 11:36

Jens Hinrichsen entdeckt das schönste Bild von Danzig

"Nichts auf dieser Welt ist viraler als ein gekreuzigter Jesus ... und das schon für so lange Zeit", sagt Maurizio Cattelan im Monopol-Interview in der Novemberausgabe. "Das sei absoluter Rekord" fügt der Künster hinzu. Richtig: Immer noch ist das Kreuz ein global immens verbreitetes Zeichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es den Menschen noch viel bedeutet – in meinem Umfeld jedenfalls ist der Kruzifix zum abstrakten Zeichen geworden.

Zurzeit bin ich in Polen unterwegs, da ist es anders. An jeder zweiten Straßenkreuzung steht eine Heiligenfigur hinter Glas, überall sieht man Kreuze, sogar in Fischerbooten. In den Kirchen von Danzig prallen Welten aufeinander: Touristen wie ich, die das Interieur bewundern und Einheimische, die zum Beten kommen.

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Die Monopol-Redaktion

Berlinale-Tagebuch

In der Pause wird gestritten

02/18/2016 - 18:38

Vier, fünf Leute sind wir, eine kleine Gemeinschaft von leicht schläfrigen Filmkritikern, die sich spätmorgens während der Berlinale in einem Café einfinden. Man hat die Neun-Uhr-Presseaufführung der Wettbewerbsschiene gesehen und schiebt sich dann zur mittäglichen Presseaufführung wieder in die Filmabfertigungshalle namens Berlinale-Palast.

Aber zwischendurch der Kaffee. Und immer kleine Auseinandersetzungen. Ob die Performance Jude Laws als genialischer Schriftsteller Thomas Wolfe subtil oder aufgeblasen-theatralisch war ("Genius"). Oder: Was Bjarne Mädel mit Julia Jentsch in "24 Wochen" getrieben hat, war doch kein Analverkehr! Entgegnung: Doch! Astreiner Analverkehr! Oder: Deine oberkritische Art nervt! Antwort: Besser als so eine Filmversteherin wie Katja Nicodemus – die ja immer alles gut findet! Retourkutsche: Hast wohl nicht auf das Berlinale-Ranking im Tagespiegel geguckt, Nicodemus bewertet "Alone in Berlin" mit "sehr schlecht"!!

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Die Monopol-Redaktion

Jens Hinrichsens Berlinale-Tagebuch

Sie bekommen Flügel wie Adler

02/13/2016 - 21:29

In den ersten Tagen eines Festivals sind die Kritiker noch frisch, und manch einer schlägt über die Stränge. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das gibt sich. Wenn du über die ersten 15 Filme drüber bist, wirst du pragmatisch. Filme sind nur Filme. In ihnen sind seltener wichtige Botschaften versteckt als du denkst. Man kann zufrieden sein, wenn ein Film wie ein besserer Roman von Ian McEwan ist, elegant und fesselnd erzählt. Muss es gleich die Bibel sein?

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Die Monopol-Redaktion

Komiker Colbert macht sich über Zensur lustig

Was ist Kunst, was ist Porno?

11/15/2015 - 10:20

Als "Bloomberg" in dieser Woche über den Rekordverkauf von Modiglianis "Nu couché" berichtete, verpixelte der TV-Sender die Aktdarstellung. US-Komiker Stephen Colbert hat die bigotten amerikanischen Nachrichtenkanäle jetzt in seiner Late Night Show auf CBS aufs Korn genommen – und ein bestechendes Zeichenexperiment unternommen

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Die Monopol-Redaktion

Soziale Medien

Wie die Kunstwelt auf den Pariser Terror reagiert

11/14/2015 - 17:12

Nach den Anschlägen von Paris zeigen Museen, Künstler, Galeristen und Kuratoren in den sozialen Netzwerken Bestürzung und Solidarität. Eine Auswahl der Reaktionen auf Instagram

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Die Monopol-Redaktion

Putzkräfte räumen Installation auf

Achtung, Kunst!

10/28/2015 - 15:11

Zeitgenössische Kunst ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Im italienischen Bozen wurde eine Installation der Künstlerinnen Goldschmied & Chiaris von Putzkräften weggeräumt

Die Installation "Wohin gehen wir heute Abend tanzen?" der italienischen Künstlerinnen Goldschmied & Chiaris besteht aus leeren Champagnerflaschen, Zigarettenstummeln, buntem Konfetti und einer heruntergefallenen Discokugel. Die Arbeit entstand für das Museion in Bolzano und sollte laut Künstlerinnen als Kritik des hemmungslosen Konsums, des Hedonismus und der politischen Korruption der 80er-Jahre verstanden werden. Einige Tage nach der Eröffnung wurde die Installation von Putzkräften für die Überreste einer Party gehalten und in den Müll geworfen.

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Die Monopol-Redaktion

James Turrell dementiert Mitarbeit am neuen Drake-Video

"Neither I nor any of my woes was involved"

10/22/2015 - 15:28

Offensichtlich wurde das neue Video des kanadischen R&B-Stars Drake von den Arbeiten James Turrells inspiriert. Der Lichtkünstler fühlt sich geehrt, dementiert aber mit einem witzigen Statement jede Mitarbeit

Drake besuchte im vergangenen Jahr James Turrells Retrospective im Los Angeles County Museum Of Art (LACMA) (hier unsere Review) und schwärmte in einem Interview:"I fuck with Turrell. He was a big influence on the visuals for my last tour."

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Die Monopol-Redaktion

Architekturbiennale in Chicago

Häuser streichen mit Amanda Williams

10/04/2015 - 20:36

Früh aufstehen ist nicht gerade mein Ding. Aber die innere Uhr geht ja noch vor, insofern kam der Besucher der Chicago Architecture Biennial ganz gut auf die Beine – heute morgen um 6.30 Ortszeit. Es geht wieder zur South Side. Diesmal steuert das Taxi nicht die Gegend um die Dorchester Street an, wo Theaster Gates zu Hause ist. Die Adresse lautet heute 5703 South Lafayette Street. Die Künstlerin Amanda Williams – die mit ihrer Familie nur einige hundert Meter weiter wohnt – vollendet an einem einsam stehenden Häuschen ihr Projekt "Color(ed) Theory". Um sieben Uhr geht’ los, "weil die Gegend am späteren Vormittag schon ziemlich unsicher wird", erklärt Amanda.
 

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Die Monopol-Redaktion

Diskussion "Zur Lage des Feminismus" in Berlin

Der uneingeladene Gast

09/14/2015 - 17:24

Gestern Abend im Haus der Berliner Festspiele konnte man eines der größten Probleme des Feminismus langsam aber sicher auf die Bühne schleichen sehen. Es setzte sich wie ein fünfter ungebetener Gast neben Laurie Penny, Mona Elthawy, Josephine Decker und die Moderatorin Priya Basil und hörte ihrem Gespräch "Zur Lage des Feminismus" mit jener Häme zu, die einen nur überkommt, wenn man ein Arschloch leiden sieht: Jetzt schaufelt der Feminismus mal wieder sein eigenes Grab, sagte das Problem schadenfroh. Es war kaum auszuhalten.

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Die Monopol-Redaktion

Künstlerfiguren auf den Filmfestspielen Venedig

Vom Bling-Bling zur Überlebenskunst

09/09/2015 - 14:43

Beinahe hätte ich die Köcherfliegenlarve übersehen. Der Künstler Hubert Duprat hat der Larve, die sauerstoffhaltiges Wasser mag, den Panzer weggenommen und ihr mit Gold- und Perlmuttstaub neues Baumaterial in das Aquarium gestreut. "Caddis Worms building their Case" ist in der großartigen Biennalen-Kollateralschau "Slip of the Tongue" in der Punta della Dogana zu sehen, kuratiert von Danh Vo.

Beuys würde sagen: Jeder Wurm ist ein Künstler. Mindestens als Schmuckdesigner geht die Larve durch. Das bringt mich zum Lido und zu Julie Delpy, die in ihrer selbst inszenierten Komödie "Lolo" eine Mode-Managerin in Paris spielt. Der Langzeitsingle verliebt sich in einen von Dany Boon verkörperten Computerexperten, der nicht so ganz in ihre Lebenswelt passt.

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