Anika Meier

Ausstellungsansichten in sozialen Netzwerken

Instagrammig muss es sein

11/01/2017 - 11:35

Einst waren es Blockbuster-Ausstellungen, die kritisch beäugt wurden. Heute sind es Ausstellungen und Kunstwerke, die wie dafür gemacht sind, auf Instagram geteilt zu werden. Fluch oder Segen für die Kunstwelt?

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Anika Meier

Autofotografie auf Instagram

Sonntagsparker

11/01/2017 - 10:47

Die Woche auf Instagram sieht vor, dass sonntags alte Karren gepostet werden. Einst waren Autos in Fotos auch Zeitstempel, die bei der Datierung halfen. Und heute?

Für Autos interessiere ich mich nicht besonders. Eigentlich gar nicht. Ich wohne in Hamburg, da braucht man kein Auto. Nicht wegen des Wassers, sondern weil man hier gut zu Fuß gehen oder mit der U-Bahn fahren kann. Radfahren ist wegen des Windes etwas anstrengend, deshalb lasse ich es, andere strampeln einfach gegen den Wind an. Autos fotografiere ich. Das stört mich. Ich mache es trotzdem. Weil es dieses Hashtag gibt, #asundaycarpic heißt es. Man macht für Instagram ja ab und an sehr viel Quatsch mit. Das #asundaycarpic gehört für mich dazu, weil die Follower es mögen, und es folglich mit den Likes besser klappt als bei traurigen Häusern etwa, die ich sehr gerne fotografiere. Hier der Beweis: Knapp 1.700 Likes gab es für diese Karre.

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Anika Meier

Instagram-Satire

Donald Trump, Kunstkritiker

10/02/2017 - 17:19

Donald Trump ist jetzt also auch Kunstkritiker. Zuzutrauen wäre es dem US-Präsidenten

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Anika Meier

Instagram-Typologie

Sind wir nicht alle ein bisschen Influencer?

09/28/2017 - 13:22

Insta-Kurator, -Künstler, -Fotograf: Auf Instagram gibt es nicht nur die belächelten Insta-Girls, sondern noch allerhand andere Influencer. Eine Typologie

Zuerst war Instagram an sich doof, dann Selfies, jetzt sind es Influencer. Gut, Selfies sind immer noch wahnsinnig doof, liest man hier und da. Nur Influencer nerven allgemein offenbar noch mehr, anders ist die tägliche Flut an Texten zum Thema nicht zu erklären. Influencer, das sind Menschen, denen ziemlich viele andere Menschen auf einem oder mehreren Kanälen in den sozialen Medien folgen und die dadurch, so die Werbelandschaft, Einfluss ausüben. Man könnte auch sagen: Influencer sind Reklametafeln auf zwei Beinen. Sie werden von Unternehmen beauftragt, um beispielsweise heute diese und morgen jene Uhr in einem Posting auf – sagen wir – Instagram zu bewerben. Im besten Fall kaufen deren Follower dann heute diese und morgen jene Uhr. Ein schöner Gedanke.

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Anika Meier

Angst vor sozialen Medien

Kalendersprüche für Kulturpessimisten

08/18/2017 - 14:02

In dieser Woche schrieben Zeitungen den Tod der Fotografie durch  Digitalisierung herbei und mäkelten am Van-Gogh-Facebook-Event "#SunflowersLive" herum. Doch von sozialen Medien geht keine Gefahr für die Kunst aus – im Gegenteil! Ein Kommentar

Am Sommerloch kann es nicht liegen. Wenn einem nämlich gar nichts mehr einfällt, könnte man sich einfach noch einmal über die Documenta und die angebliche Unfähigkeit ihrer Kuratoren beschweren. Das geht schließlich nicht jedes Jahr. Umso erstaunlicher, dass gerade jetzt in der "NZZ" ein Text unter dem Titel "Das Ende einer Kunstgattung: Die Fotografie versinkt im Massengrab" erschienen ist. Eine Ansammlung von Kalendersprüchen für Kulturpessimisten.

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Anika Meier

Parodie auf soziale Medien

Cindy Sherman ist jetzt auf Instagram – na und?

08/07/2017 - 11:17

Cindy Sherman, Meisterin der Selbstinszenierung und eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Welt, ist auf Instagram aktiv. Cool oder uncool?

Am 24. Mai hat der amerikanische Magnum-Fotograf Alec Soth ein Selfie-Video mit folgender Bildunterschrift geteilt: "Something about Twin Peaks being back on TV and Cindy Sherman being on Instagram --- @misterfriedas_mom @twinpeaks". Mir ist vor lauter Schreck fast das Smartphone aus der Hand gefallen.

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Anika Meier

Virtual-Reality-Ausstellung

"Es ist okay, geflasht zu sein"

07/28/2017 - 12:57

In virtuellen Welten herumzulaufen fühlt sich noch ein wenig an wie ein Computerspieleabend früher. Aber die Virtual-Reality-Ausstellung "Unreal" im NRW-Forum Düsseldorf lässt erahnen, wie anders die Kunstwelt für kommende Generationen aussehen wird

Eigentlich schaue ich mir Ausstellungen nur einmal an. Eine Ausnahme war vor einigen Jahren die Ausstellung von Gerhard Richter im Centre Pompidou. Damals lebte ich in Paris und es war schön, abends mit der Rolltreppe außen am Gebäude entlang ganz nach oben durch die Dunkelheit zu fahren, um dann fast ganz allein mit den Bildern von Richter im Museum zu sein. 

Gerade habe ich wieder mehrmals eine Ausstellung besucht, genau drei Mal. Nicht weil es einfach zu schön war, sondern weil ich mir nicht sicher war, wie "Unreal", eine Virtual Reality-Ausstellung, so der Untertitel, im NRW-Forum Düsseldorf überhaupt ist.

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Anika Meier

Starkult auf Instagram

Heiligenverehrung im 21. Jahrhundert

07/19/2017 - 11:24

Millionen Menschen himmeln Stars wie Ariana Grande, Kendall Jenner und Kim Kardashian an. Der Hamburger Künstler Chris Drange stellt Instagram-Selfies von Prominenten neben Fan-Kommentaren - und macht so Verehrungsmuster sichtbar

Seit über vier Jahren wohne ich in Hamburg und seit über vier Jahren gehe ich zu den Rundgängen der Hochschule für bildende Künste (HFBK). Die Kunst sieht jedes Jahr ein bisschen anders aus, mal ist sie besser, mal schlechter. Auf die Studenten ist auch immer Verlass. Es gibt welche, die sitzen schüchtern und verschämt in einem Raum mit ihrer Kunst, sie tippen gedankenverloren auf einem Smartphone herum oder schreiben andächtig in ein Notizbuch. Jedes Mal frage ich mich, was sie wohl aufschreiben, während sie dort sitzen und Menschen ihre Kunst angucken. Es muss sehr wichtig sein, wichtiger jedenfalls als die Menschen im Raum, denn sonst würden sie zumindest einmal den Kopf heben. Oder sogar ganz waghalsig das Gespräch über die eigene Kunst suchen.

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Anika Meier

"Reality Artist" Signe Pierce

"Ich bin Pop und ich bin Kunst"

07/01/2017 - 10:26

Gekleidet wie ein außerirdisches, ambiges Porno-Starlet ist Signe Pierce durch Vergnügnungsviertel gelaufen – und wurde beschimpft und angegriffen. Das Video dieser entlarvenden Performance wurde ein Youtube-Hit. Doch Internet-Ruhm reicht der 28-jährigen Amerikanerin nicht. Als "Reality Artist" will sie der Kunstwelt zeigen, was Performance Art in Zeiten von Instagram kann

Die amerikanische Künstlerin Signe Pierce hat vor ein paar Jahren mit ihrer Arbeit "American Reflexxx" einen Viralhit gelandet. So plump wie dieser Einstieg in den Text ist das knapp 15-minütige Video nicht, das mittlerweile auf YouTube über 1,6 Millionen Mal angesehen wurde. Mit ihrer damaligen Partnerin, der Filmregisseurin Alli Coates, ist Signe Pierce ins Stadtzentrum von Myrtle Beach, South Carolina, gefahren, um eine Stunde lang zu filmen, wie sie im Mini-Rock auf High Heels mit einer spiegelnden Maske vor dem Gesicht durch die Stadt läuft. Sie werden nicht glauben, was dann passiert ist.

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Anika Meier

Teju Coles erstes Fotobuch

FOMO beim Lesen

06/26/2017 - 11:38

Teju Cole schreibt als "New York Times"-Kolumnist geistreich und genau über Fotografie. Und er ist selbst Fotograf. Gerade ist sein erstes Fotobuch "Blind Spot" erschienen. Wer dem nigerianisch-amerikanische Schriftsteller auf Instagram folgt, hat beim Blättern und Lesen ganz sicher ein Déjà-vu-Erlebnis. Und kann sich Anregungen holen für die eigenen Bilder vom bevorstehenden Sommerurlaub

Es ist ja immer so eine Sache, was man selbst fotografiert, wenn sowieso alle fotografieren. Unangenehm wird es maximal im Urlaub, weil man zumindest Bilder als Erinnerungen mit nach Hause nehmen möchte, denn mehr bleibt einem nicht nach zehn Tagen Abhängen am Strand und Ablaufen der Sehenswürdigkeiten. In die Familien-WhatsApp-Gruppe, die schmerzfreie Zone, was Peinlichkeiten angeht, kann man hineinposten, was man möchte. Besonders Mama freut sich eh über alles, was von den Kindern kommt, auch über 20 Selfies mit dem Boyfriend vor diversen Sehenswürdigkeiten. Den Freunden auf Instagram kann man das nicht antun und sich selbst noch weniger.

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Anika Meier

Instagram und die Neue Übersichtlichkeit

Was ist bloß aus der Fotografie geworden?

06/01/2017 - 13:13

Auf Instagram ist alles auf die maximale Subjektivität hin ausgerichtet: mein Essen, meine Füße, mein Kaffee, meine Wohnung. Was bedeutet das für die Entwicklung der Fotografie?

Was ist bloß aus der Fotografie geworden? Das könnte man sich fragen, wenn man durch die Ausstellung "Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse" im Frankfurter Städel Museum läuft. Dort hängen auf zwei Stockwerke verteilt die Arbeiten der Struffkys, von Candida Höfer, Jörg Sasse, Axel Hütte, Tata Ronkholz und Petra Wunderlich, der ersten Studentengeneration der so genannten Becher-Klasse also. Ihre Lehrer Bernd und Hilla Becher fehlen natürlich nicht (ausführliche Review der Ausstellung in der Juni-Ausgabe von Monopol).

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