Abwesenheitsnotiz: Helga Wretman

Die Muskeln sind ganz weich

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Was machen Künstler im Sommer? In unserer Serie "Abwesenheitsnotiz" bitten wir um ein Lebenszeichen. Helga Wretman packt die Abenteuerlust

Es ist heiß und schwül und die Wörter kleben irgendwie zusammen im Kopf, Berlin stinkt auch ein bisschen, zumindest mehr als Stockholm, die Stadt, wo ich ursprünglich herkomme, dort stinkt es aber irgendwie zu wenig.  

Aber es ist auch herrlich in der Hitze, die Muskeln sind ganz entspannt und weich, man kann sich vorstellen, dass sie sich unendlich ausdehnen könnten, aber das macht man so nicht. Die Haut ist feucht und glatt, und man ist am liebsten einfach irgendwo im Schatten. Mein Büro ist umgezogen auf den Balkon. Dort ist auch meistens Schatten und die Lüftung ist so gut wie es geht in dieser Stadt.

Blick von meinem Balkon

 

Ich weiss es nicht so genau, aber ich denke es geht meinem Rechner nicht so gut unter diesen Bedingungen, er fängt manchmal an, so richtig laut zu rauschen, einfach aus voller Hitze und Erschöpfung, leider hat er aber in diesem Sommer nur wenige Möglichkeiten zum Abkühlen. Ich arbeite gerade an einem Projekt, das in Warschau Anfang September präsentiert wird. 

In der Filmbranche ist momentan Hochsaison und es wird auf vollen Touren gedreht, von daher bin ich auch ziemlich viel am Set als stunt double für kleine Jungs und Mädels oder manchmal auch für kleine Frauen, so eine wie ich ja auch eigentlich bin. Ich sehe mich selber meistens nicht als eine kleine Frau, wenn ich mit jemandem rede, habe ich das Gefühl dass ich genau so groß bin wie die- oder derjenige, aber das ist ein physisches Faktum und manchmal auch sehr praktisch.

Am Set mit Stuntman Jan Böhme

 

Zum Glück habe ich auch einen kleinen Hund an meiner Seite, mit dem ich mehrmals am Tag spazieren gehen muss und obwohl er mich manchmal wahnsinnig macht, hält das meinen Kopf klar, egal bei welchen Temperaturen. An diese Stelle möchte ich alle Menschen die sich in Berlin aufhalten bitten, kein Essen und keinen Müll auf die Straße oder in die Parks zu werfen oder dort zu vergessen. Ich habe Angst um das Leben meines verfressenen kleinen Köters und aller anderen Hunde da draußen.

Spaziergang mit dem Hund
Gesehen in einer Berliner Straße

 

Außerdem sind meine Abenteuerlüste momentan sehr groß, ich habe Lust auf Menschen und zu tanzen und auf neue Projekte und irgendwo ganz weit weg und so weiter. Das hat auf jeden Fall – nicht nur, aber auch – mit dem Sommer zu tun und auch wenn ich mich mit meinem überarbeiteten Rechner auf dem Balkon ausschließen sollte, finde ich irgendwie trotzdem immer ein bisschen Zeit dafür. Vielleicht trägt nicht nur den Sommer und die Energie der Menschen dazu bei, sondern auch die prä-apokalyptische Stimmung, die leider sonst so in der Welt herrscht …. 

Ab und zu fahre ich diesen Sommer samstags in die Akademie der Künste am Pariser Platz um dort im Rahmen der Berlin Biennale Training zu geben. Hört sich für manche wie eine Tortur an, aber es verbessert wirklich die All-around-Lebensqualität und wenn man es schafft, sich dazu zu bringen, macht es auch Spaß auf so vielen Ebenen. Also komm vorbei!

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