Betrugsvorwürfe

Anklage gegen Kunsthändler Achenbach erhoben

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Essen (dpa) - Der seit Monaten inhaftierte Kunstberater Helge Achenbach ist wegen Betruges in Millionenhöhe an drei reichen Kunden angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft Essen erhob auch Anklage gegen Achenbachs früheren Geschäftspartner. Den betrogenen Kunden sei ein Gesamtschaden in Höhe von 23 Millionen Euro entstanden, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Beiden Beschuldigten wird Betrug und Untreue in besonders schwerem Fall vorgeworfen, Achenbach zudem auch Urkundenfälschung. Dem bekanntesten deutschen Kunstberater droht damit eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren.

Auslöser der Ermittlungen war eine Strafanzeige der Familie des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht. Sie fordert in einem für 11. November angesetzten Zivilprozess 19,4 Millionen Euro Schadenersatz von Achenbach. Auch die Unternehmerbrüder Viehof aus Mönchengladbach hatten eine Anzeige gegen Achenbach eingereicht.

Achenbach hatte dem Aldi-Erben Berthold Albrecht Oldtimer und Kunstwerke vermittelt. Vereinbart war laut Staatsanwaltschaft, dass Achenbach die Objekte zum Einkaufspreis und nur gegen Zahlung einer Provision weitergeben sollte. Stattdessen soll er aber 23 mal weitaus höhere Einkaufspreise abgerechnet und dafür auch Rechnungen manipuliert haben. In einem Fall soll er seinen Kunden beim Ankauf eines Oldtimers sogar um fast drei Millionen Euro betrogen haben.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die beiden Beschuldigten muss nun das Landgericht Essen entscheiden. Die Anklageschrift werde zurzeit geprüft, sagte ein Gerichtssprecher. Da Achenbach im Dezember nach einem halben Jahr Untersuchungshaft das Recht auf einen Haftprüfungstermin hat, rechnen Fachleute mit einer raschen Entscheidung des Gerichts. Sollte es zum Prozess kommen, könnte dieser noch vor Weihnachten beginnen.

Zusammen mit seinem ebenfalls angeklagten Geschäftspartner soll Achenbach über die Kunstberatungsfirma Berenberg Art Advice zwei weitere Anleger bei insgesamt fünf Anlagegeschäften betrogen haben. Die Anwälte von Achenbach hatten alle Vorwürfe bislang zurückgewiesen.

Die Privatbank Berenberg hatte die Kunstberatungssparte aufgelöst und sich von Achenbach und seinem Partner getrennt, nachdem Unregelmäßigkeiten bei den Geschäften mit dem Pharma-Unternehmer Christian Boehringer aufgeflogen waren. Achenbach hatte Boehringer daraufhin entschädigt.

In der Strafanzeige eines vierten Geschädigten wurden laut Staatsanwaltschaft weitere Betrugsvorwürfe gegen Achenbach erhoben. Dieser Komplex werde in einem gesonderten Verfahren weiter ermittelt, da die Erhebung der Anklage nicht verzögert werden sollte.

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