Achenbach mit Knastfrisur

"Ich komme schon zurück"

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Die Kunst ist weg, dafür türmt sich nun ein Millionen-Schuldenberg vor dem inhaftierten Kunstberater Helge Achenbach auf. Im Untersuchungsgefängnis durfte der verurteilte Achenbach ein Fernsehinterview geben - das ist höchst ungewöhnlich

Helge Achenbach hat sich seine Haare im Gefängnis millimeterkurz rasieren lassen. "Knastschnitt" nennt der einst angesehene Düsseldorfer Kunstberater seine neue Frisur. Seit über 15 Monaten sitzt der prominente einstige Jet-Setter in Sachen Kunst im Untersuchungsgefängnis Essen. "Brutalst" sei sein Fall gewesen, sagt der 63-jährige Achenbach in einem ungewöhnlichen Fernsehinterview, das das Gericht und die Haftanstalt dem RTL-Journalisten Wolfram Kons gestatteten. "In den ersten Tagen war es alptraumartig, da habe ich oft an Abschied nehmen und Selbstmord gedacht."

Dass ein verurteilter Häftling im Knast vor die Kamera treten dürfe, sei "äußerst selten", heißt es im nordrhein-westfälischen Justizministerium. Kons hatte schon lange vor der Verhaftung Achenbachs im Juni 2014 mit Dreharbeiten für eine Reportage über den erfolgreichen Strippenzieher in der Glamourwelt der Kunst drehen wollen. Dann nahm die Geschichte eine dramatische Wende.

Grau im Gesicht und schmal ist der einstige Tausendsassa der Kunstszene geworden. Die n-tv-Reportage wurde am Mittwochabend parallel zur Versteigerung der Restbestände aus seinem einst riesigen Kunstlager ausgestrahlt. Das war sicherlich keine Absicht, aber es illustrierte den tiefen Fall Achenbachs noch stärker.

Während in Köln Bronzeaffen von Jörg Immendorff und eine Spiegelarbeit mit dem Konterfei von Jackie Onassis, die einst in Achenbachs Haus hing, unter den Hammer kamen, erzählte Achenbach im Fernsehinterview, dass er Gefängnis-Toiletten putzt.

Zu sechs Jahren Haft war Achenbach im März verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Achenbach seinen Duzfreund, den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, bei Kunst- und Oldtimergeschäften mit verdeckten Preisaufschlägen um fast 20 Millionen Euro betrogen habe. Achenbach hatte ein Teilgeständnis abgelegt. Das Urteil hat er angefochten.

Im Gefängnis sei er Essenträger und Sportwart, erzählt Achenbach. Zu seiner Arbeit gehöre neben dem Waschen der Trikots auch das Putzen von Duschen und Toiletten. Das falle ihm nicht schwer, beteuert er. "Da habe ich Demut." Er könne "auch bescheiden leben". Im Schlaf aber träume er von seiner Familie, Ferien, Reisen, seiner Lieblingsinsel Lanzarote. "Dann wache ich auf und denke, das war ein Traum, du bist ja jetzt woanders." Die Stimme versagt ihm, als er erzählen soll, was er als erstes mache, wenn er aus dem Gefängnis komme. "Mit meinem Hund spazieren", sagt Achenbach, nachdem er die Fassung wiedergewonnen hat.

Sein verbliebenes Vermögen umschreibt Achenbach so: "20 Euro auf meinem Hauskonto." Seine edlen Monkey's Restaurants hätten ihn zehn Millionen Euro gekostet und zum Betrug getrieben. "Ich brauchte das Geld. Monkey's war ein Riesenloch." Und: "Ich habe keine Millionen gescheffelt."

All diese Beteuerungen bezweifelt der Anwalt der Albrecht-Familie, Andreas Urban, der ebenfalls in der Reportage zu Wort kommt. Angesichts der hohen "legalen und illegalen" Summen, die Achenbach eingenommen habe, sei es "kaum glaubhaft, dass dort nicht weitere Vermögensgegenstände vorhanden sind".

"Ich kann auch bescheiden leben", sagt Achenbach. Wenn er aus dem Gefängnis komme, wolle er jungen Künstlern beim Durchbruch helfen, aber nicht mehr mit Kunst handeln und beraten. "Ich werde weitermachen", sagt Achenbach und vergleicht sich mit einem Boxer, der ein Comeback versucht. "Mich abzuschreiben, das wäre falsch ... ich komme schon zurück."

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