Sorge um Ai Weiwei

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“

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Es hätte kaum einen schlechteren Zeitpunkt für das Auswärtige Amt geben können: Gerade war der Außenminister Guido Westerwelle in Peking, um die von seinem Ministerium finanzierte Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ zu eröffnen, da wird der chinesische Künstler und Aufklärer unserer Tage, der Künstler Ai Weiwei, von den Behörden ohne Angaben von Gründen verhaftet und sein Atelier durchsucht. Die Ausstellung am Platz des Himmlischen Friedens, die in der angespannten Atmosphäre im China der letzten Wochen ohnehin schon einen bitteren Beigeschmack hatte, gerät nun vollends zur PR-Katastrophe.

So musste Westerwelle am Montag, kaum von seinem Besuch in Peking zurück, seine Sorge über die Menschenrechte zu Protokoll geben, und es klingt wie Ironie, wenn in seiner Forderung erneut das Wort „Aufklärung“ auftaucht: „Ich habe mich in den letzten Tagen in Peking mit aller gebotenen Deutlichkeit für Meinungsfreiheit und Menschenwürde eingesetzt. Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder frei kommt.“

Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, war gemeinsam mit Westerwelle in Peking. „Ich habe am Freitag, dem 1. April, noch mit Ai Weiwei in seinem Pekinger Atelier gesprochen“, sagt Lehmann. „Ich bin zu ihm gegangen, weil er nicht zur Ausstellung ‚Kunst der Aufklärung‘ der drei Museen Berlin, Dresden und München eingeladen war. Ai Weiwei ist ein langjähriger Freund des Goethe-Instituts." Der Goethe-Chef weist darauf hin, dass China 2012 ein Kulturjahr in Deutschland vorbereitet. Eine Verhaftung oder gar Verurteilung Ai Weiweis habe für eine solche Veranstaltung katastrophale Folgen, und er fordere „mit Nachdruck“ die Freilassung des Künstlers.

Auch die Berliner Akademie der Künste und ihr Präsident Klaus Staeck ziehen am heutigen Montag eine Verbindung zwischen der Eröffnung des neuen chinesischen Nationalmuseums mit der „Kunst der Aufklärung“: „Ein stärkeres Kontrastprogramm zwischen Kunst und Leben hätte die chinesische Regierung kaum inszenieren können. Wenn gerade diese Ausstellung nicht zur inhaltlichen Farce werden soll, fordern wir die für die Festnahme Verantwortlichen auf, Ai Weiwei umgehend freizulassen, damit er weiter seiner wichtigen künstlerischen Arbeit nachgehen kann.“ Das Statement endet mit ein Zitat von Schiller: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“.

Erst vergangene Woche hatte Ai Weiwei angekündigt, in einem ehemaligen Kabelwerk in Berlin-Oberschöneweide auf einer Fläche von 4800 Quadratmetern ein Atelier einzurichten. Den teilweisen Umzug hatte er damit begründete, dass seine Lage in China nicht mehr sicher sei. Ende April, zum Gallery Weekend, sollte Ai Weiwei in der deutschen Hauptstadt eine Ausstellung in der Galerie Neugerriemschneider eröffnen. Galerist Tim Neuger sagte im Gepräch mit Monopol: „Wir sind sehr beunruhigt und besorgt über Ai Weiweis Festnahme. Leider haben wir selbst keine aktuellen Informationen und warten auf Neuigkeiten aus seinem Studio. Im Moment wünschen wir nichts mehr als das Ai Weiwei bald wieder freikommt. Die Vorbereitungen für die Ausstellung laufen wie geplant weiter. Wir hoffen sehr, dass wir sie gemeinsam mit Ai Weiwei am 29. April eröffnen können.“ Auch ob die Schau in der Lisson Gallery, die Mitte Mai starten soll, stattfinden kann, ist ungewiss. Man gehe davon aus, aber momentan seien alle sehr besorgt um die Sicherheit von Ai Weiwei, heißt es aus London.

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